Ju­gend in Leip­zig: Als wir träum­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE AM WOCHENENDE - Von Ste­fan Ro­ther

Wenn mor­gen der 25. Jah­res­tag der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung be­gan­gen wird, ist dies ein An­lass zum Rück­bli­cken und Bi­lanz zie­hen. Aus Ki­no­per­spek­ti­ve fällt die­se gleich mehr­fach po­si­tiv aus – schließ­lich hat das al­les an­de­re als un­be­schwer­li­che Zu­sam­men­wach­sen der bei­den Staa­ten dem deut­schen Film nicht nur reich­lich Ta­len­te, son­dern auch je­de Men­ge neu­en Stoff be­schert. „Als wir träum­ten“ist hier­für ein be­son­ders pas­sen­des Bei­spiel: Der in Ge­ra ge­bo­re­ne Andre­as Dre­sen („Som­mer vorm Bal­kon“) ver­filmt hier den De­büt­ro­man von Cle­mens Meyer, in dem die­ser 2006 sein Auf­wach­sen im Leip­zig der Nach­wen­de­zeit li­te­ra­risch ver­ar­bei­tet hat. Die Dreh­buch­um­set­zung lie­fer­te schließ­lich Wolf­gang Kohl­haa­se. Der ist mit mitt­ler­wei­le 84 Jah­ren viel­leicht nicht die na­he­lie­gends­te Au­to­ri­tät für ei­ne Ju­gend zwi­schen Mau­er­fall und Tech­no­Sze­ne, kennt sich aber mit ra­di­ka­len Um­brü­chen in der deut­schen Ge­schich­te und ih­ren Aus­wir­kun­gen auf das ei­ge­ne Le­ben bes­tens aus. In „Als wir träum­ten“wird die ei­gent­li­che Wen­de kom­plett aus­ge­blen­det, statt­des­sen zeigt der Film sei­ne Prot­ago­nis­ten in den Jah­ren zu­vor und da­nach. Bei Film­be­ginn sieht man die noch sehr kind­li­chen Freun­de durch­aus amü­sant bei ei­ner Pio­nier­übung – wer al­ler­dings ei­nen Nach­fol­ger von „Son­nen­al­lee“er­war­tet, liegt hier falsch: Denn vier Jah­re spä­ter zeigt sich, dass die Nach­wen­de­zeit nicht nur un­ge­ahn­te Mög­lich­kei­ten, son­dern auch Frus­tra­tio­nen und Ge­fah­ren birgt. Ri­cos (Ju­li­us Nitsch­koff) Box­kar­rie­re kommt ins Strau­cheln, Pit­bull (Mar­cel Heu­per­man) nimmt Kon­takt zum Dro­gen­ge­schäft auf, und Er­zäh­ler Da­ni (Mer­lin Ro­se) ist un­glück­lich in das un­durch­schau­ba­re „Stern­chen“(Ru­by O. Fee) ver­liebt. Klein­kri­mi­na­li­tät und Au­tos de­mo­lie­ren be­stim­men das Frei­zeit­pro­gramm der Te­enager, bis sie eher zu­fäl­lig ih­ren ers­ten Tech­no-Un­ter­grund­klub be­grün­den. Der wird al­ler­dings von ei­ner Neo­na­zi-Ban­de be­droht …

Die epi­so­disch an­ge­leg­te Hand­lung zeigt Eu­pho­rie eben­so wie schwer er­träg­li­che Ge­walt und funk­tio­niert mit den fri­schen Darstel­lern vor al­lem bei der Ver­mitt­lung ei­nes Le­bens­ge­fühls. Als Ex­tras gibt es um­fang­rei­che ent­fal­le­ne Sze­nen, ei­ne Do­ku, Au­dio­kom­men­tar so­wie, ganz ana­log, ein sehr le­sens­wer­tes 38-sei­ti­ges Bei­heft. FSK: Preis: Be­wer­tung:

FO­TO: FLO­RI­AN SE­NE­KO­WITSCH

12 Jah­re

DVD: 14 Eu­ro; Blu- Ray: 16 Eu­ro Zu Wan­da ge­hö­ren Schlag­zeu­ger Lu­kas, Gi­tar­rist Ma­nu­el, Bas­sist Rein­hold, Sän­ger Mar­co und Key­boar­der Chris­ti­an ( von links).

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