Rea­lis­mus und Zu­ver­sicht

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Hen­drik Groth h. groth@ schwa­ebi­sche. de

Wer die enor­men Fol­gen der in­ter­na­tio­na­len Flücht­lings­kri­se klein­re­det und Har­mo­nie­so­ße über al­les schüt­tet, der han­delt ver­ant­wor­tungs­los. Bin­nen we­ni­ger Mo­na­te sieht sich Deutsch­land mit ei­ner Si­tua­ti­on kon­fron­tiert, die in den zu­künf­ti­gen Ge­schichts­bü­chern nicht mit ei­ner Fuß­no­te, son­dern mit um­fang­rei­chen Ka­pi­teln ab­ge­han­delt wer­den wird. Di­rekt an den Gren­zen des tau­meln­den Frie­dens­pro­jekts Eu­ro­päi­sche Uni­on herr­schen Krieg und Zer­stö­rung. Mil­lio­nen su­chen Zuflucht vor Tod und Hun­ger. Aus­land be­deu­te­te vor Kur­zem noch der Klub­ur­laub am Mit­tel­meer, jetzt wirkt von drau­ßen al­les be­droh­lich.

Nach­dem sich die gro­ße Hilfs­be­reit­schaft der Be­völ­ke­rung zur Eu­pho­rie ent­wi­ckelt hat­te, meh­ren sich nun die Ängs­te und Sor­gen. Es kommt ver­schär­fend hin­zu: Hun­dert­tau­sen­de brau­chen für den Herbst und Win­ter ein Dach über dem Kopf. Tat­säch­lich flim­mern die Ver­trie­be­nen nicht mehr über die Fern­se­her in die Wohn­zim­mer, son­dern sie ste­hen mit ih­ren Kin­dern vor den Haus­tü­ren. Kon­flik­te hier­bei zu ver­mei­den, das ist ei­ne Her­ku­les­auf­ga­be für die, die schon jetzt vor al­lem in den Ge­mein­den – sei­en es Be­am­te oder Eh­ren­amt­li­che – am Ran­de der Er­schöp­fung ar­bei­ten. Dort tür­men sich die Eng­päs­se und Be­las­tun­gen.

Doch an­ders als be­haup­tet, wer­den Pro­ble­me nicht ta­bui­siert und die Bun­des­re­pu­blik ist auf al­len staat­li­chen Ebe­nen hand­lungs­fä­hig. Mil­li­ar­den Eu­ro ste­hen zur Ver­fü­gung, da­mit die Städ­te, Krei­se und Ge­mein­den agie­ren kön­nen. Wer in die­ser La­ge mit Blick auf Um­fra­gen An­ge­la Mer­kel wohl­feil kri­ti­siert, der ist nicht an ei­ner Pro­blem­lö­sung in­ter­es­siert, auch der han­delt ver­ant­wor­tungs­los. Denn es kann viel ge­for­dert wer­den, nur ei­ner Lö­sung kommt man mit der Ab­schaf­fung von Grund­rech­ten oder Ide­en, die ge­gen die Gen­fer Kon­ven­ti­on ver­sto­ßen, nicht nä­her. Die Bun­des­kanz­le­rin hat die Leit­plan­ken auf­ge­stellt. Die­se Kri­se wird auch mit dem bes­ten Wil­len nicht in Mo­na­ten ge­löst. Da­für be­darf es Jahr­zehn­te, Rea­lis­mus und Mer­kel’sche Zu­ver­sicht.

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