Gro­ßer Abend mit Ren­aud Gar­cia-Fons

Der Kon­tra­bas­sist ver­zau­bert beim zwei­ten Jazz & Mo­re Fes­ti­val im Ca­si­no Kul­tur­raum

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - VERANSTALTUNGEN - Von Bernd Gui­do Weber

FRIED­RICHS­HA­FEN - Pa­ga­ni­ni – wir ha­ben ihn lei­der nicht selbst ken­nen­ge­lernt – muss ein tol­ler Bur­sche ge­we­sen sein. Ein ef­fekt­be­wuss­ter Teu­fels­gei­ger, im­mer noch ei­nen küh­nen Wahn­sinns­griff, ei­nen Drei­fach­tril­ler oben­drauf. Und sein Er­folg bei den Da­men…

Ren­aud Gar­cia-Fons be­herrscht sei­nen fünf­sai­ti­gen Kon­tra­bass min­des­tens so gut wie Pa­ga­ni die Stra­di­va­ri oder Ama­ti: Nie ge­hör­te Klän­ge, frap­pie­ren­de Grif­fe und Läu­fe – aber sonst ziem­lich das Ge­gen­teil des Ita­lie­ners. Kein „Pa­ga­ni­ni des Kon­tra­bass“, wie an­ge­kün­digt. Be­schei­den, sym­pha­tisch, kon­zen­triert, da­bei ent­spannt – so zeigt der Fran­zo­se sei­ne ganz ei­ge­ne Klas­se beim zwei­ten Jazz & Mo­re Fes­ti­val im Ca­si­no Kul­tur­raum. Vol­les Haus, die Hal­le dies­mal ku­sche­lig. Nicht nur Jür­gen Deeg vom Kul­tur­bü­ro freut sich bei sei­ner Be­grü­ßung über die­ses Kon­zert, das schon vor ei­nem Jahr ge­plant war. Flin­ke Fin­ger Mit Fla­men­co-Tu­nes be­ginnt Ren­aud Gar­cia-Fons den Abend, flin­ke Fin­ger, die Sai­ten zart an­ge­schla­gen. Schließt man die Au­gen, könn­te es auch ei­ne ara­bi­sche Oud sein. Er greift zum Bo­gen, streicht vir­tu­os, Dop­pel­grif­fe, Ak­kor­de, stets me­lo­di­ös. „Ich will das In­stru­ment zum Sin­gen brin­gen“hat er mal ge­sagt. Tja, und dann be­ginnt ein akus­ti­sches Feu­er­werk. Ren­aud Gar­cia Fons hat sein Trio, näm­lich An­to­nio Ruz an der Fla­men­co-Gi­tar­re und Pas­cal Rol­lan­di an der Ca­jon-Box mit Fuß­ma­schi­ne so­wie Tom-Toms und Con­ga, um den Ak­kor­deo­nis­ten Da­vid Ve­ni­tuc­ci er­wei­tert.

Na­tür­lich, denn auf dem Pro­gramm steht „La Li­nea del sur“, bei der Ein­spie­lung des Al­bums im Jahr 2009 war Ve­ni­tuc­ci da­bei. Kei­ne Pro­mo­ti­on ei­nes brand­neu­en Al­bums al­so, viel­mehr die re­flek­tier­te Fahrt auf den Stra­ßen ei­nes „ima­gi­nä­ren Sü­dens“. Me­di­ter­ra­ne Ein­flüs­se, Nord­afri­ka, Ara­bi­en, Süd­ame­ri­ka. In­spi­rie­ren­des Kopf­ki­no.

Die Lie­be des Kon­tra­bas­sis­ten zu me­di­ter­ra­nen und ara­bi­schen Klän­gen kommt nicht von un­ge­fähr. Der Va­ter von Gar­cia-Fons stammt aus Ka­ta­lo­ni­en, und am Pa­ri­ser Kon­ser­va­to­ri­um (wo er mit 21 Jah­ren zum Pro­fes­sor er­nannt wur­de) hat er auch ara­bi­sche Mu­sik stu­diert, die­se kul­tu­rell rei­che Welt schät­zen ge­lernt. Jetzt geht bei ihm ein süd­spa­ni­scher Fla­men­co, der ja ara­bi­sche Wur­zeln hat, in vor­der­ori­en­ta­li­sche Tu­nes über. Bu­le­ria trifft Nord­afri­ka. Ein Blick nach Ägyp­ten, oh­ne Mi­li­tär und Mos­lem­brü­der. Auch mal ein Aus­flug nach Süd­ame­ri­ka. Stü­cke wie „Can­to Del Bar­co“, „La Sil­hou­et­te“oder „El Agua De La Vi­da“. Das spie­len die vier wie aus ei­nem Guss, der Ak­kor­de­on­spie­ler be­dient blitz­schnell die vie­len Knöp­fe sei­nes In­stru­ments, zau­bert auch flat­t­ri­ge, un­ge­wohn­te Sounds. Gi­tar­re und Per­cus­sion en­ga­giert, sou­ve­rän.

Mit­ten­drin Gar­cia-Fons. Sphä­ren­haf­te Ober­tö­ne, wie von ei­nem Tau- to­ni­um, dann ein trei­ben­der Bass. Ab­wärts, in die Tie­fe. Kur­ze Atta­cken, schließ­lich fast violin­haft, be­seelt.

Zwei Zu­ga­ben. Als der Ap­plaus nicht ver­eb­ben will, kommt Ren­aud Gar­cia-Fons noch­mals. Al­lein. Er kann ja auch so­lo ein Pu­bli­kum st­un­den­lang fes­seln. Für die Mu­sik zum Heim­weg (oder zur Ses­si­on ne­ben­an) ver­lässt er die me­di­ter­ran-ara­bi­sche Welt, bringt kel­ti­sche Tu­nes. Ein gro­ßer Abend.

FO­TO: LE­NA REI­NER

Be­zau­bern­de Bass­klän­ge auch so­lo: Re­nauld Gar­cia Fons.

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