Und wie­der sind die Waf­fen­ge­set­ze The­ma

Nach dem Amok­lauf in Ore­gon macht US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma ver­stärkt sei­nen Druck

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA -

WASHINGTON (dpa) - Sel­ten zu­vor ha­ben die Ame­ri­ka­ner Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma so frus­triert und zor­nig er­lebt. „Wir müs­sen un­se­re Ge­set­ze än­dern. Aber das ist et­was, was ich nicht al­lein tun kann“, sagt der Prä­si­dent be­schwö­rend nach dem Amok­lauf an ei­nem Col­le­ge in Ro­se­burg im Bun­des­staat Ore­gon. „Ir­gend­wie ist es Rou­ti­ne ge­wor­den … Wir sind taub ge­wor­den.“

Wie­der ein­mal sind neun Men­schen tot, neun wei­te­re ver­letzt – dies­mal durch die Schüs­se ei­nes 26-Jäh­ri­gen, der im Schuss­wech­sel mit der Po­li­zei starb. Und wie­der ein­mal sind die Men­schen im Land stark er­schüt­tert, ge­nug, dass man glau­ben könn­te: Dies­mal stößt Oba­ma nicht auf tau­be Oh­ren, dies­mal kommt er mit sei­ner Bot­schaft an.

Aber nach je­der Schie­ße­rei wird de­bat­tiert, nur ver­än­dert hat sich bis­her nichts. Das ame­ri­ka­ni­sche Ma­ga­zin „Rol­ling Sto­ne“, das ne­ben sei­nes Mu­sik­schwer­punkts auch für po­li­ti­sche Ar­ti­kel be­kannt ist, be­zog sich in ei­nem Ar­ti­kel auf das In­ter­net­por­tal „Gun Vio­lence Ar­chi­ve“: Dem­zu­fol­ge han­del­te es sich bei dem Amok­lauf um das 264. „Mass Shoo­ting“in die­sem Jahr. Als sol­ches gilt ei­ne Blut­tat, wenn min­des­tens vier Men­schen da­bei ster­ben. Der Sen­der CNN zeig­te ei­ne ver­glei­chen­de Sta­tis­tik. Die USA gä­ben mehr als ei­ne Bil­li­on US-Dol­lar für den Schutz vor Ter­ror­an­grif­fen aus – da­bei kä­men auf ein ame­ri­ka­ni­sches Ter­ror­op­fer im Schnitt gut 1000 Op­fer von Waf­fen­ein­sät­zen in den USA.

Zu­letzt hat­ten zwei Se­na­to­ren – ein Re­pu­bli­ka­ner und ein De­mo­krat – 2013 ei­ne Ver­schär­fung der Waf­fen­ge­set­ze an­ge­regt, als Kon­se­quenz aus dem Mas­sa­ker von New­town, bei dem im De­zem­ber 2012 ein 20-Jäh­ri­ger in ei­ner Grund­schu­le in New­town 20 klei­ne Kin­der und sechs Er­wach­se­ne gtö­tet hat­te. Was sie woll­ten, war be­schei­den: ei­ne Aus­wei­tung der Über­prü­fung po­ten­zi­el­ler Waf­fen­käu­fer. Aber die nö­ti­gen Stim­men da­für ka­men im Se­nat nicht zu­stan­de.

Und mit den na­hen­den Prä­si­dent­schafts- und Kon­gress­wah­len sind vie­le dop­pelt dar­auf be­dacht, sich nicht mit der Na­tio­nal Rif­le As­so­cia­ti­on (NRA) an­zu­le­gen. Die Waf­fen­lob­by­is­ten glau­ben nicht an „Gun Con­trol“, im Ge­gen­teil: NRA-Vi­ze­chef Way­ne LaPier­re sag­te nach dem Amok­lauf von New­ton im De­zem­ber 2012: „Der ein­zi­ge Weg, ei­nen bö­sen Ty­pen mit ei­ner Waf­fe zu stop­pen, ist ein gu­ter Typ mit ei­ner Waf­fe.“Im ver­gan­ge­nen Wahl­kampf hat­te die NRA denn auch of­fen da­mit ge­droht, Kan­di­da­ten, die für strik­te­re Ge­set­ze sind, das Was­ser ab­zu­gra­ben. So mach­te nach dem Amok­lauf von Ro­se­burg ei­ne Rei­he re­pu­bli­ka­ni­scher Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber flugs klar, dass sie von Ver­schär­fun­gen nichts hält. Al­le Waf­fen le­gal ge­kauft Der 26 Jah­re al­te Amok­läu­fer hat­te das Feu­er am Don­ners­tag­mor­gen in ei­ner Klas­se er­öff­net, in der er ein­ge­schrie­ben war. Die To­ten wa­ren zwi­schen 18 und 67 Jah­re alt. Das äl­tes­te Op­fer war ein Pro­fes­sor. Die Po­li­zei fand am Tat­ort fünf Pis­to­len, ein Ge­wehr, ei­ne schuss­si­che­re Wes­te und Mu­ni­ti­on. Wei­te­re acht Waf­fen wur- den bei ihm da­heim ge­fun­den. Al­le wa­ren in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren le­gal ge­kauft wor­den. Über die Be­weg­grün­de des Tä­ters wur­de auch am Wo­che­n­en­de wei­ter ge­rät­selt. Mög­li­ches Mo­tiv könn­te nach Me­dien­be­rich­ten sein, dass der Col­le­geStu­dent „or­ga­ni­sier­te Re­li­gi­on“ab­lehn­te. Nach Au­gen­zeu­gen­be­rich­ten soll er Op­fer vor den töd­li­chen Schüs­sen nach ih­rer Re­li­gi­on und ins­be­son­de­re da­nach ge­fragt ha­ben, ob sie Chris­ten sei­en. Wenn sie das be­jaht hät­ten, ha­be er sie ge­zielt in den Kopf ge­schos­sen. Of­fen­bar war der Tä­ter auch fas­zi­niert von frü­he­ren Amok­läu­fen: In ihm zu­ge­schrie­be­nen Pro­fi­len in so­zia­len Netz­wer­ken soll er Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge In­ter­es­se an den Schüt­zen bei frü­he­ren Blut­ta­ten ge­zeigt ha­ben.

FO­TO: AFP

„Pray For Ro­se­burg“, „Be­tet für Ro­se­burg“steht auf ei­nem Ban­ner an ei­nem Zaun in dem Ort in Ore­gon. Dort ha­ben Men­schen als Zei­chen der An­teil­nah­me Blu­men nie­der­ge­legt.

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