Ovt­cha­rov bleibt Eu­ro­pa­meis­ter

Der Olym­pia­drit­te schlägt bei der Tisch­ten­nis-EM im Fi­na­le Mar­cos Frei­tas mit 4:1

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

JE­KA­TE­R­IN­BURG (dpa/SID/sz) - Mit Ur­ge­walt und ei­nem un­bän­di­gen Sie­ges­wil­len hat Eu­ro­pas Tisch­ten­nisKö­nig Di­mi­trij Ovt­cha­rov sei­ne Re­gent­schaft ver­län­gert. Der Ti­tel­ver­tei­di­ger wie­der­hol­te am Sonn­tag durch ei­nen 4:1-Er­folg ge­gen Mar­cos Frei­tas aus Por­tu­gal sei­nen EM-Sieg von 2013 und freu­te sich im rus­si­schen Je­ka­te­r­in­burg über ein No­vum. Der Olym­pia­drit­te, der in Ab­we­sen­heit des ver­letz­ten Re­kord-Cham­pi­ons Timo Boll mit sei­nem ins­ge­samt ach­ten EM-Gold die Bi­lanz des Deut­schen Tisch­ten­nis Bund auf­po­lier­te, ist der ers­te Eu­ro­pa­meis­ter, der den Ti­tel auf asia­ti­schem Ter­rain ge­wann.

„Ich bin sehr froh über die­sen Ti­tel. Ich den­ke zwar, dass ich mo­men­tan schon der stärks­te Spie­ler im Feld bin, war aber nicht in der glei­chen Form wie vor zwei Jah­ren und der Ge­jag­te, was es nicht leicht für mich ge­macht hat. Aber auch wenn mein Fo­kus schon sehr auf Olym­pia 2016 in Rio ge­rich­tet ist, woll­te ich die­sen Ti­tel un­be­dingt“, sag­te Ovt­cha­rov.

„Di­ma hat sich gut be­wegt und das sehr gut ge­macht. Er hat stets die Kon­trol­le be­hal­ten“, lob­te Sport­di­rek­tor Richard Prau­se. In ei­nem zu­nächst tak­tisch ge­präg­ten Fi­na­le nahm Bun­des­trai­ner Jörg Roß­kopf be­reits im ers­ten Satz die Auszeit. Ab dem drit­ten Durch­gang wur­den die Ball­wech­sel im­mer hoch­klas­si­ger und ex­trem schnell. Der Welt­rang­lis­ten-Ne­un­te Frei­tas for­der­te den Welt­rang­lis­ten-Fünf­ten Ovt­cha­rov voll, doch der DTTB-Star hat­te mit 14:12, 9:11, 11:9, 11:4, 11:6 das bes­se­re En­de für sich. Im Halb­fi­na­le hat­te er den Saar­brü­cker Bun­des­li­ga­spie­ler Tia­go Apo­lo­nia mit ei­nem im­po­nie­ren­den 4:0 be­zwun­gen. Bolls Aus­fall sei kein Ma­kel ge­we­sen, sag­te er: „Timo war auch 2013 nicht da­bei, und ich ha­be den Ti­tel von da­mals hin­ter­her auch im­mer wie­der be­stä­tigt.“

Nach dem Match­ball sprang Ovt­cha­rov über die Um­ran­dung, lief aufs Sie­ger­po­dest, zog das Tri­kot aus und po­sier­te mit ge­ball­ten Fäus­ten. Die An­span­nung ei­nes kräf­te­zeh­ren- den Tur­niers muss­te erst­mal raus. Der 27 Jah­re al­te Ha­mel­ner, der sein Geld beim rus­si­schen Klub Fa­kel Oren­burg nicht all­zu weit ent­fernt vom EM-Ort ver­dient, hat­te auch Grund, stolz zu sein: 14 Ein­zel ab­sol- vier­te Ovt­cha­rov an zehn Tur­nier­ta­gen, al­le 14 ge­wann er. Mit der letz­ten Par­tie ver­län­ger­te das bä­ren­star­ke Kraft­pa­ket ei­ne tol­le Se­rie. Zum fünf­ten Mal seit 2010 stell­te der DTTB den Sie­ger in der Kö­nigs­dis­zi­plin.

Die Kon­kur­renz ist al­ler­dings nä­her ge­rückt. Ös­ter­reich ge­wann nach Gold im Team auch den Ti­tel im Män­ner-Dop­pel durch Ste­fan Fe­gerl an der Sei­te des Por­tu­gie­sen Jo­ao Mon­tei­ro und schlug im Mann­schafts­fi­na­le das Team von Bun­des­trai­ner Jörg Roß­kopf.

Ovt­cha­rovs Ga­la-Show ver­deck­te auch Schwä­chen. Mit zwei­mal Gold und je­weils ein­mal Sil­ber und Bron­ze fiel die Bi­lanz im Ver­gleich zum EMRe­kord 2013 in Schwe­chat (4/2/2) be­schei­de­ner aus. Am schwar­zen Sams­tag gab es in sie­ben Vier­tel­fi­nals fünf deut­sche Nie­der­la­gen. „Da ha­ben wir ei­ni­ge Me­dail­len lie­gen ge­las­sen“, gab Sport­di­rek­tor Richard Prau­se zu. „Deutsch­land wünscht sich na­tür­lich im­mer Ti­tel am lau­fen­den Band. Aber die EM hat ge­zeigt, dass die an­de­ren Na­tio­nen auch im­mer wei­ter ar­bei­ten“, sag­te Prau­se. „Vor Rio wer­den wir mehr im Ath­le­tik­be­reich ar­bei­ten. So­li­de spie­len reicht selbst bei ei­ner EM nicht.“ Frau­en ent­täu­schen im Ein­zel Groß war die Ent­täu­schung bei den Frau­en. Nach dem sou­ve­rä­nen Team­Sieg ver­pass­te Top-Fa­vo­ri­tin Han Ying die Me­dail­len­rän­ge. Bei der Sie­ger­eh­rung für die neue Eu­ro­pa­meis­te­rin Eliz­a­be­te Sa­ma­ra aus Ru­mä­ni­en wa­ren die Gol­den Girls nur Zu­schaue­rin­nen. „Ge­gen Ab­wehr­sys­te­me ha­ben mei­ne Spie­le­rin­nen noch Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al“, ana­ly­sier­te Bun­des­trai­ne­rin Jie Schöpp.

Die Welt­rang­lis­ten-Elf­te Han Ying, selbst ei­ne gu­te Ab­wehr­spie­le­rin, ver­lor ge­gen die 42 Plät­ze schlech­ter ein­ge­stuf­te Lo­kal­ma­ta­do­rin Po­li­na Mich­ay­lo­wa (Russ­land). Die deut­sche Meis­te­rin Pe­t­ris­sa Sol­ja hat­te ge­gen Ab­wehrass Li Jie (Nie­der­lan­de) das Nach­se­hen. Der Ber­li­ne­rin schmerz­te der lin­ke Schlag­arm. „Ich bin sehr froh, dass in Zu­kunft Tea­m­und In­di­vi­du­al-Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten ge­trennt wer­den“, sag­te die 21Jäh­ri­ge. Der ex­tre­me Zeit­plan for­der­te Spie­ler, Trai­ner, Schieds­rich­ter und Zu­schau­er täg­lich zwölf St­un­den.

FO­TO: DPA

14 Tur­nier­ein­zel, al­le 14 ge­won­nen: Di­mi­trij Ovt­cha­rov hat her­aus­ra­gen­de Ta­ge in Je­ka­te­r­in­burg hin­ter sich.

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