Eh­ren­amt­li­che sto­ßen an Be­las­tungs­gren­ze

DRK fin­det kaum noch neue Hel­fer – Flücht­lin­ge in Stutt­gar­ter Mes­se – Schlaf­sä­cke knapp

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTT­GART - We­gen der an­hal­ten­den Flücht­lings­kri­se ge­hen dem Deut­schen Ro­ten Kreuz (DRK) im Süd­wes­ten die eh­ren­amt­li­chen Kräf­te aus. Das zu­min­dest be­fürch­tet DRK-Prä­si­dent Lo­renz Menz. „Je­der, der sich eh­ren­amt­lich en­ga­giert, tut das be­reits“, sag­te Menz am Mon­tag in Stutt­gart. Wei­te­re Hel­fer zu fin­den wer­de schwer. Man kön­ne kei­ne wei­te­ren Eh­ren­amt­li­chen „her­bei­zau­bern“, er­klär­te Menz.

Ins­ge­samt ver­füg­te das DRK in Ba­den-Würt­tem­berg En­de 2014 über 46 326 eh­ren­amt­lich en­ga­gier­te Mit­glie­der, fast 700 mehr als im Jahr zu­vor. Aus­drück­lich dank­te der DRKChef den Ar­beit­ge­bern, die den Ein­satz der Frei­wil­li­gen er­mög­lich­ten. Seit dem Som­mer hät­ten Tau­sen­de DRK-Hel­fer in Ba­den-Würt­tem­berg ge­schätz­te 60 000 Ein­satz­stun­den ge­leis­tet. Ein­satz in Mes­se­hal­len Oft­mals sei­en Un­ter­künf­te bin­nen we­ni­ger St­un­den her­ge­rich­tet wor­den, wie kürz­lich in ei­ner In­dus­trie­hal­le in Rot­ten­burg-Er­gen­zin­gen oder in den Mes­se­hal­len von Sins­heim oder Ulm. Im­mer wie­der wer­den kurz­fris­tig Mes­se­ge­län­de be­legt: Ab dem heu­ti­gen Di­ens­tag sol­len bis zu 2500 Flücht­lin­ge zeit­wei­se in Hal­le 1 der Mes­se Stutt­gart ein­quar­tiert wer­den, kün­dig­te die Lan­des­re­gie­rung am Mon­tag­nach­mit­tag an. Die Not­un­ter­kunft soll bis Mit­te Ok­to­ber be­fris­tet sein.

Zu­dem sind DRK-Hel­fer un­ter an­de­rem bei der Un­ter­brin­gung in Wein­gar­ten, Ulm, im Ost­alb­kreis, im Bo­den­see­kreis so­wie im Kreis Sig­ma­rin­gen ak­tiv oder be­glei­ten Zü­ge mit Flücht­lin­gen von München nach Mann­heim. Menz warn­te da­vor, die eh­ren­amt­li­chen Struk­tu­ren durch Das DRK for­dert ei­nen Aus­bau der Ret­tungs­diens­te im Land. „ Wir brau­chen drin­gend mehr Per­so­nal, mehr Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten und mehr Ret­tungs­wa­chen, wenn wir das ge­for­der­te Ni­veau bei­be­hal­ten wol­len“, sag­te DRK- Prä­si­dent Lo­renz Menz. Das DRK be­treibt den Groß­teil der in 34 Be­zir­ke auf­ge­teil­ten Ret­tungs­diens­te im Süd­wes­ten und zähl­te im vo­ri­gen Jahr mehr als 500 000 Ein­sät­ze, Ten­denz stei­gend. Um die Wa­gen künf­tig mit den nun ge­setz­lich ge­for­der­ten Not­fall­sa­ni­tä­tern be­set­zen zu kön­nen, soll die Aus­bil­dung aus­ge­wei­tet wer­den: Vier neue Schu­lungs­stand­or­te sol­len noch 2015 star­ten, un­ter an­de­rem in Ra­vens­burg und Ell­wan­gen. dau­er­haf­ten Ein­satz zu über­las­ten: „Ein Dau­er­be­trieb von Flücht­lings­ein­rich­tun­gen geht nur mit haupt­amt­li­chem Per­so­nal“, sag­te er in Rich­tung Lan­des­re­gie­rung.

Von der oft zi­tier­ten „kip­pen­den Stim­mung“sei bei den Eh­ren­amt­li­chen aber nichts zu spü­ren, sag­te Menz. Im Ge­gen­teil: Auch vie­le Men­schen, die bis­her nichts mit dem Ro­ten Kreuz zu tun ge­habt hät­ten, hät­ten sich als Hel­fer an­ge­bo­ten. Das DRK hofft auf das ge­plan­te neue Ret­tungs­dienst­ge­setz von In­nen­mi­nis­ter Rein­hold Gall ( SPD). Dies sieht vor, dass Land­rä­te künf­tig bei Pro­ble­men in die Struk­tur des re­gio­na­len Ret­tungs­diens­tes ein­grei­fen kön­nen. Bis­her dür­fen sie nur be­ra­ten, die Or­ga­ni­sa­ti­on wird zwi­schen Kas­se und An­bie­ter aus­ge­han­delt. Är­ger gibt es oft um die Fris­ten, bin­nen de­rer die Wa­gen mehr­heit­lich vor Ort sein sol­len. Bis­her sol­len es „ mög­lichst nicht mehr als zehn, höchs­tens 15 Mi­nu­ten“sein. Fak­tisch gel­ten da­mit 15 Mi­nu­ten als Maß­stab. Er sei für ei­ne Frist von zwölf Mi­nu­ten, sag­te DRK- Prä­si­dent Lo­renz Menz. ( klw)

Auch an­de­re Or­ga­ni­sa­tio­nen spre­chen von ei­ner un­ge­bro­che­nen Hilfs­be­reit­schaft. „Mehr denn je wol­len sich en­ga­gie­ren“, sag­te EvaMa­ria Bo­lay vom Ca­ri­tas­ver­band der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Feld­bet­ten aus Ka­na­da Als Leh­re aus der ak­tu­el­len Kri­se for­der­te Menz ei­nen Aus­bau des vom DRK vor­ge­hal­te­nen Zen­tral­la­gers für Ka­ta­stro­phen­schutz in Kirchheim/Teck. Hier müss­ten künf­tig weit­aus mehr Hilfs­gü­ter be­reit­ste­hen. Von Kirchheim aus ge­lie­fert wur­den bis­her rund 45 000 Schlaf­sä­cke, 6000 Feld­bet­ten und 40 Zel­te. Beim Nach­schub gibt es der­zeit Pro­ble­me. „Die La­ger sind leer ge­fegt“, sag­te DRK-Lan­des­ge­schäfts­füh­rer Hans Heinz. An­ge­sichts von Lie­fer­zei­ten von vier bis fünf Wo­chen müs­se man bei den Schlaf­sä­cken Ab­stri­che bei der Qua­li­tät ma­chen. Feld­bet­ten wer­den der­zeit teil­wei­se aus Ka­na­da oder Nor­we­gen ge­holt, weil hier­zu­lan­de kei­ne mehr da sind.

Die größ­te Her­aus­for­de­rung sei al­ler­dings nicht die ak­tu­el­le Auf­nah­me, be­ton­te Menz. Da die meis­ten Flücht­lin­ge wohl im Land blie­ben, ge­he es dar­um, auf Dau­er So­li­da­ri­tät und To­le­ranz zu bie­ten. „Wir müs­sen uns nach der Will­kom­mens­kul­tur um ei­ne All­tags­kul­tur be­mü­hen“, sag­te Menz.

FO­TO: DPA

In der Flücht­lings­kri­se en­ga­gie­ren sich vie­le Hel­fer eh­ren­amt­lich – so wie kürz­lich hier in Ess­lin­gen. Jetzt hat das Ro­te Kreuz da­vor ge­warnt, de­ren En­ga­ge­ment zu stark zu stra­pa­zie­ren.

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