Strobl und Wolf wol­len kei­nen Auf­nah­me­stopp

Lan­des­chef der Jun­gen Uni­on wi­der­spricht Par­tei­füh­rung – Mit­glied der Or­ban-Re­gie­rung kommt nach Bad Saul­gau

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN -

STUTT­GART (sz/ lsw) - Die Spit­ze der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen CDU steht im uni­ons­in­ter­nen Streit um die Flücht­lings­po­li­tik ten­den­zi­ell auf der Sei­te von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). CDU-Lan­des­chef Tho­mas Strobl und der CDU-Her­aus­for­de­rer zur Land­tags­wahl, Gui­do Wolf, mach­ten am Mon­tag in Stutt­gart klar, dass sie nichts von For­de­run­gen nach ei­nem Auf­nah­me­stopp von Flücht­lin­gen in Deutsch­land hal­ten.

Der Lan­des­chef der Jun­gen Uni­on (JU), Ni­ko­las Lö­bel, schloss sich hin­ge­gen ent­spre­chen­den Äu­ße­run­gen aus der baye­ri­schen Schwes­ter­par­tei an. „Wir müs­sen jetzt ei­nen vor­läu­fi­gen Auf­nah­me­stopp von Flücht­lin­gen und Asyl­be­wer­bern ver­hän­gen“, sag­te Lö­bel.

Da­mit wird die Zer­ris­sen­heit auch der Lan­des-CDU bei die­sem The­ma deut­lich. Füh­ren­de Uni­ons­po­li­ti­ker im Bund hat­ten sich am Wo­che­n­en­de für ei­nen Kurs­wech­sel in der Flücht­lings­po­li­tik aus­ge­spro­chen und da­mit den Druck auf Mer­kel er­höht. Da­bei gab es For­de­run­gen nach neu­en Ver­schär­fun­gen – auch nach Ein­schrän­kung des Grund­rechts auf Asyl.

CDU-Lan­des­chef Strobl hält da­von aber nichts. „Din­ge, die wir in ab­seh­ba­rer Zeit nicht um­set­zen kön­nen, soll­ten wir auch nicht for­dern“, sag­te er an die Adres­se von Bay­erns Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (CSU). Für ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung sei­en je­weils Zwei-Drit­tel- Mehr­hei­ten im Bun­des­rat und Bun­des­tag nö­tig, er­in­ner­te Strobl.

CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf mein­te, Mer­kel ver­hal­te sich gera­de in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen klug und be­son­nen. „Je grö­ßer die Her­aus­for­de­rung, des­to grö­ßer ist die Sehn­sucht nach Ori­en­tie­rung.“Je­doch for­der­te er die Kanz­le­rin in­di­rekt auf, auch die De­bat­te in der Par­tei über das Flücht­lings­the­ma wahr­zu­neh­men. Die Sor­gen der Men­schen dürf­ten nicht ta­bui­siert wer­den. CSU-Chef Horst See­ho­fer war am Wo­che­n­en­de deut­lich wei­ter­ge­gan­gen: Er ver­lang­te von Mer­kel ein öf­fent­li­ches Si­gnal, dass die Auf­nah­me­mög­lich­kei­ten er­schöpft sei­en.

Auf die pre­kä­re Si­tua­ti­on bei der Auf­nah­me der Flücht­lin­ge ver­wies auch JU-Lan­des­chef Lö­bel. „Un­ser Staat und sei­ne Bür­ger sind schon seit Wo­chen jen­seits ih­rer Leis­tungs­gren­ze.“Es sei ein vor­läu­fi­ger Auf­nah­me­stopp nö­tig. „Wir müs­sen erst un­se­re Ver­fah­ren und In­sti­tu­tio­nen neu auf­stel­len, sonst dro­hen wir als Deutsch­land un­ter­wan­dert zu wer­den.“Ju­sos und Grü­ne Ju­gend re­agier­ten em­pört auf die­se Wor­te. Lö­bel schü­re Ängs­te. Ungarischer Mi­nis­ter kommt Die CDU-Würt­tem­berg-Ho­hen­zol­lern ori­en­tiert sich in­des an der CSU und lädt zu ih­rem Be­zirks­par­tei­tag in Bad Saul­gau ei­nen pro­mi­nen­ten un­ga­ri­schen Red­ner ein. Un­garns Bil­dungs- und Ge­sund­heits­mi­nis­ter Zol­tan Ba­log wird zu den De­le­gier­ten am 16. Ok­to­ber spre­chen. Der Be­zirks­chef Tho­mas Ba­reiß sag­te der „Schwä­bi­schen Zei­tung“: „In Eu­ro­pa müs­sen wir nicht über­ein­an­der, son­dern mit­ein­an­der spre­chen. Wenn uns auch nicht al­le Bil­der aus Un­garn in den letz­ten Wo­chen ge­fal­len ha­ben und wir das un­se­ren un­ga­ri­schen Freun­den auch deut­lich sa­gen müs­sen, so war auch nicht je­de deut­sche Kri­tik an Un­garn ge­recht­fer­tigt.“Gera­de Un­garn mit sei­nen EUAu­ßen­gren­zen kom­me ei­ne be­son­ders schwie­ri­ge Auf­ga­be zu, sag­te Ba­reiß, der auf dem Par­tei­tag er­neut um den Vor­sitz kan­di­die­ren wird.

Die Grü­nen kri­ti­sier­ten die Ein­la­dung: Ba­reiß se­he of­fen­sicht­lich mehr Ge­mein­sam­kei­ten mit Bu­da­pest als mit Berlin, sag­ten die Lan­des­par­tei­chefs Thek­la Wal­ker und Oli­ver Hil­den­brand.

CDU-Lan­des­chef Strobl äu­ßer­te sich zu­rück­hal­tend zu der Ein­la­dung. „Un­se­re Be­zirks­vor­sit­zen­den gestal­ten ih­re Par­tei­ta­ge so, wie sie es für rich­tig hal­ten.“Al­ler­dings ver­wies Strobl dar­auf, dass der Lan­des­ver­band sol­che Ein­la­dun­gen bis­lang nicht aus­ge­spro­chen ha­be.

Die CSU hat­te im Sep­tem­ber den un­ga­ri­schen Re­gie­rungs­chef Vik­tor Or­ban zu ei­ner Frak­ti­ons­klau­sur ein­ge­la­den, bei der schar­fe Kri­tik an der Flücht­lings­po­li­tik von Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel for­mu­liert wur­de.

FO­TO: DPA

In der Uni­on ru­mort es we­gen des Kur­ses von Kanz­le­rin Mer­kel in der Asyl­po­li­tik. Lan­des­par­tei­chef Tho­mas Strobl ( links) und Land­tags­frak­ti­ons­chef Gui­do Wolf hal­ten aber nichts von ei­nem Auf­nah­me­stopp.

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