Sy­ri­en-De­bat­te in den USA kommt in Schwung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von Frank Herr­mann, Washington

s hat ei­ne Wei­le ge­dau­ert, bis Hil­la­ry Cl­in­ton in der Sy­ri­en­fra­ge Far­be be­kann­te. Das The­ma war ihr zu hei­kel, in der Früh­pha­se des Wahl­kampfs woll­te sich die Mit­fa­vo­ri­tin im Ren­nen ums Wei­ße Haus ei­gent­lich zu­rück­hal­ten mit Kri­tik an dem Prä­si­den­ten, in des­sen Ka­bi­nett sie vier Jah­re lang dien­te.

Nun aber wagt sie sich doch aus der De­ckung. Was sie vor­schlägt, geht weit über das hin­aus, was Ba­rack Oba­ma in der prak­ti­schen Po­li­tik zu tun be­reit ist. Cl­in­ton for­dert die Ein­rich­tung von Flug­ver­bots­zo­nen im sy­ri­schen Luf­t­raum, er­gänzt durch hu­ma­ni­tä­re Kor­ri­do­re an den Gren­zen des Lan­des. Es wä­re, sagt sie, ein Ver­such, den Strom der Flücht­lin­ge auf­zu­hal­ten. Oba­ma hält nichts von der Idee, schon ei­ne Nof­ly-Zo­ne, fürch­tet er, wür­de Ame­ri­ka zu weit hin­ein­zie­hen in den Stru­del des Bür­ger­krie­ges. Es ma­che ei­nen Un­ter­schied, ob man sich um das Amt des Prä­si­den­ten be­wer­be oder tat­säch­lich Prä­si­dent sei, rügt er die Par­tei­freun­din. Die Dis­kus­sio­nen, wie er sie mit sei­nen Ge­ne­rä­len füh­re, sei­en sehr viel de­tail­lier­ter. „Und sie er­for­dern, glau­be ich, ei­ne an­de­re Art von Ur­teils­ver­mö­gen.“

Ber­nie San­ders, Cl­in­tons parteiinterner Ri­va­le auf der Lin­ken, lehnt al­ler­dings ei­ne Flug­ver­bots­zo­ne ve­he­ment ab. „Wir soll­ten ei­ne sehr kom­pli­zier­te La­ge nicht noch kom­pli­zier­ter ma­chen.“

Es be­durf­te erst des Ein­grei­fens Wla­di­mir Pu­tins, um die ame­ri­ka­ni­sche Sy­ri­en­de­bat­te rich­tig in Schwung zu brin­gen. Plötz­lich ist aus ei­ner Dis­kus­si­on, die lan­ge Zeit eher am Ran­de ge­führt wur­de, ei­ne sehr zen­tra­le ge­wor­den. Kri­tik an Pu­tin John McCain et­wa, die pro­mi­nen­tes­te Stim­me im Chor der Hard­li­ner, spricht von ei­nem Stell­ver­tre­ter­krieg mit Moskau. Pu­tin mi­sche sich auf ei­ne Wei­se in Nah­ost ein, „wie die Rus­sen es nicht mehr ge­macht ha­ben, seit An­war el Sa­dat sie hin­aus­warf“– ge­meint ist der Schwenk Ägyp­tens, das nach dem Ok­to­ber­krieg 1973 vom pro-so­wje­ti­schen ins pro-ame­ri­ka­ni­sche La­ger wech­sel­te.

Die Re­ak­tio­nen auf die rus­si­schen Luft­schlä­ge las­sen drei Denk­schu­len er­ken­nen, ei­ne strikt re­al­po­li­ti­sche, ei­ne in­ter­ven­tio­nis­ti­sche und ei­ne, die ir­gend­wo da­zwi­schen la­viert. An der Spit­ze der Re­al­po­li­ti­ker steht Hen­ry Kis­sin­ger, der 92 Jah­re al­te Stra­te­ge, der be­reits vor Mo­na­ten da­zu riet, Pu­tin mit Blick auf Sy­ri­en als Ver­bün­de­ten zu be­trach­ten, da man im Rin­gen mit is­la­mis­ti­schen Fa­na­ti­kern ge­mein­sa­me In­ter­es­sen tei­le.

Die In­ter­ven­tio­nis­ten fol­gen McCain, wäh­rend Cl­in­ton für die la­vie­ren­de Mit­te steht. Der Prä­si­dent wie­der­um lässt an ei­nen kühl do­zie­ren­den Pro­fes­sor den­ken, der mit aka­de­mi­scher Gründ­lich­keit ana­ly­siert und da­bei sel­ber am liebs­ten am Spiel­feld­rand ver­har­ren wür­de.

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