„Mis­ter Ra­vens­bur­ger“Ot­to Ju­li­us Mai­er wird 85

Der Un­ter­neh­mer aus Bad Wald­see führ­te den Spie­le­ver­lag zum Er­folg

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Eva-Ma­ria Pe­ter

RA­VENS­BURG - Ot­to Ju­li­us Mai­er fei­ert heu­te sei­nen 85. Ge­burts­tag. „Mis­ter Ra­vens­bur­ger“hat aus dem da­ma­li­gen Buch­ver­lag ein Un­ter­neh­men von in­ter­na­tio­na­ler Be­deu­tung ge­formt – mit un­be­ding­tem Pflicht­ge­fühl, Be­harr­lich­keit und Be­schei­den­heit hat Mai­er ein in­ter­na­tio­nal be­kann­tes Un­ter­neh­men auf­ge­baut. Er ist wie Hans Lieb­herr oder Er­win Hy­mer ein schwä­bi­scher Pio­nier, der der würt­tem­ber­gi­schen Wirt­schaft nach dem Krieg zu Welt­gel­tung ver­hol­fen hat – nicht aber mit Me­tall und Ma­schi­nen, son­dern mit Spie­len und Bü­chern.

Der Blick zu­rück in die Un­ter­neh­mer­ge­schich­te führt zu­nächst ins Jahr 1930: Ot­to Ju­li­us Mai­er wur­de in Bad Wald­see (Kreis Ra­vens­burg) in ei­ne Ver­le­ger­fa­mi­lie ge­bo­ren. Den Spie­le­ver­lag gab es be­reits seit zwei Ge­ne­ra­tio­nen. Der Krieg be­stimm­te sei­ne Kind­heit und Ju­gend, wo­bei Ra­vens­burg von Luft­an­grif­fen wei­test­ge­hend ver­schont blieb. Bei Kriegs­en­de war Mai­er 14 Jah­re alt. Da­mals ver­kauf­te er Spie­le und Bü­cher an fran­zö­si­sche Be­sat­zungs­sol­da­ten. Über Nacht wur­de der 22-jäh­ri­ge Mai­er zum Ver­lags­chef Sei­ne be­ruf­li­che Be­stim­mung war von Kin­des­bei­nen an vor­ge­zeich­net. Di­rekt nach der mitt­le­ren Rei­fe be­gann Mai­er ei­ne Ver­lags­buch­händ­ler­leh­re im Fa­mi­li­en­ver­lag. Sein Va­ter schick­te ihn für Prak­ti­ka nach München, in die Schweiz und nach Frank­reich. 1952 starb der Va­ter von Ot­to Ju­li­us Mai­er über­ra­schend nach ei­ner Rou­ti­ne­ope­ra­ti­on. Über Nacht muss­te der 22-Jäh­ri­ge den Platz auf dem Chef­ses­sel der da­ma­li­gen Ot­to Mai­er Ver­lag KG ein­neh­men. „Man hat über das Le­bens­ge­fühl nicht so viel nach­ge­dacht wie heu­te, man tat sei­ne Pflicht. Ich mein­te, es sei al­les gott­ge­ge­ben“, sagt Mai­er in ei­nem In­ter­view­buch über sei­ne Un­ter­neh­mens­ge­schich­te aus dem Jahr 2013.

Als Mai­er 1952 die Ver­ant­wor­tung im Ver­lag über­nahm, lag der Um­satz bei zwei Mil­lio­nen D-Mark. Die Last auf Mai­ers Schul­tern war enorm. En­de der 1950er-Jah­re ge­riet das Un­ter­neh­men um ein Haar in fi­nan­zi­el­le Be­dräng­nis. „Das war der Mo­ment, in dem ich mich selbst zur Rä­son ge­ru­fen ha­be“, sagt Mai­er. Die An­lauf­schwie­rig­kei­ten brach­te er un­ter Kon­trol­le. In den 1960er- und 1970erJah­ren gin­gen Um­satz, Ab­satz, Mit­ar­bei­ter­zah­len und In­ves­ti­tio­nen stark auf­wärts. Ab 1978 war Mai­ers Cou­si­ne Do­ro­thee Hess-Mai­er an sei­ner Sei­te in der Un­ter­neh­mens­füh­rung. Ge­mein­sam führ­ten Ot­to Ju­li­us Mai­er und Do­ro­thee Hess-

AN­ZEI­GE Mai­er den Spie­le­ver­lag nach fes­ten Prin­zi­pi­en. „Wir hat­ten die rich­ti­gen Pro­duk­te, gu­te Mit­ar­bei­ter, be­ar­bei­te­ten Märk­te sys­te­ma­tisch“, sagt Mai­er. 1989 kam je­des drit­te Spiel und je­des zwei­te Puz­zle in Deutsch­land von Ra­vens­bur­ger. Heu­te, mehr als 60 Jah­re spä­ter, liegt der Um­satz des Un­ter­neh­mens bei 359 Mil­lio­nen Eu­ro.

Als wohl größ­ter Fehl­schlag er­wies sich im Jahr 1990 der Bör­sen­gang der Ra­vens­bur­ger Fern­seh­toch­ter RTV. Da­mals kol­la­bier­te der Markt und vie­le Mit­ar­bei­ter, die im Ver­trau­en auf ihr Un­ter­neh­men RTV-Ak­ti­en er­wor­ben hat­ten, ver­lo­ren Geld.

Auf die Fra­ge, wel­che Ei­gen­schaf­ten je­mand für ei­ne Po­si­ti­on in der Chef­eta­ge mit­brin­gen müs­se, sag­te Mai­er: „Neu­gie­rig sein, et­was leis­ten wol­len, be­reit sein, sich voll zu en­ga­gie­ren, ja, das wohl in be­son­de­rem Ma­ße.“Ge­prägt vom Va­ter, den er „heiß und in­nig ge­liebt ha­be“, war es Mai­er im­mer ein An­lie­gen, die Pro­dukt­aus­wahl an ethi­schen Wer­ten zu ori­en­tie­ren. Im Aus­zug der Un­ter­neh­mens­grund­sät­ze von 2005 ist zu le­sen: „Un­ser Leis­tungs­bei­trag für die Ge­sell­schaft ist es, Nut­zen zu stif­ten für die Un­ter­hal­tung und Bil­dung. Un­se­re An­ge­bo­te sind An­re­gung zur Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Selbst­ent­fal­tung. Sie ver­mit­teln Sinn für Ge­mein­schaft und Fa­mi­lie und för­dern kei­ne Ge­walt.“

Bis 1995 war Mai­er Vor­stands­vor­sit­zen­der der Ra­vens­bur­ger AG. Sei­nem Le­bens­werk blieb der Un­ter­neh­mer auch nach sei­nem Aus­schei­den aus dem ope­ra­ti­ven Ge­schäft ver­bun­den. Bis 2005 wirk­te er als Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats und Ge­schäfts­füh­rer der Fa­mi­li­en­hol­ding. In­zwi­schen hat Mai­er sei­ne An­tei­le an sei­ne Kin­der über­tra­gen.

FO­TO: AN­JA KO­EH­LER

Ot­to Ju­li­us Mai­er wird heu­te 85 Jah­re alt.

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