Eu­ro­grup­pe setzt Grie­chen­land un­ter Re­form­druck

Nach den Wah­len in Grie­chen­land ver­han­deln die Fi­nanz­mi­nis­ter der Eu­ro­staa­ten um neue Mil­li­ar­den­zah­lun­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

LUXEMBURG (dpa) - Die Eu­ro­staa­ten set­zen den neu­en grie­chi­schen Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras mas­siv un­ter Druck und for­dern von dem Links­po­li­ti­ker mehr Re­for­men. „Es ist im grie­chi­schen In­ter­es­se, so schnell wie mög­lich zu lie­fern“, sag­te Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em am Mon­tag in Luxemburg mit Blick auf Re­for­men bei den Ren­ten oder auf den Ar­beits­markt. „Es ist noch ei­ne Men­ge Ar­beit zu tun“, bi­lan­zier­te der nie­der­län­di­sche So­zi­al­de­mo­krat.

Die Eu­rofi­nanz­mi­nis­ter spra­chen mit dem neu­en Amts­kol­le­gen Eu­klid Tsaka­lo­tos, der be­reits im Som­mer das neue Ret­tungs­pro­gramm mit ei­nem Um­fang von bis zu 86 Mil­li­ar­den Eu­ro aus­ge­han­delt hat­te. Falls At­hen ei­ne Re­form­lis­te frist­ge­recht er­füllt, kön­nen laut Di­plo­ma­ten noch im lau­fen­den Mo­nat wei­te­re zwei Mil­li­ar­den Eu­ro aus dem Eu­ro­ret­tungs­schirm ESM an das Kri­sen­land flie­ßen.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) zeig­te sich mit Blick auf die­se Teil­zah­lung zu­ver­sicht­lich. Tsi­pras hat­te sich bei den vor­ge­zo­ge­nen Par­la­ments­wah­len vom 20. Sep­tem­ber durch­ge­setzt und ei­ne LinksRechts-Re­gie­rung ge­bil­det. Der Pre­mier pocht auf ei­ne Schul­den­er­leich- te­rung, die aber erst nach der im Ok­to­ber ge­plan­ten ers­ten Pro­gramm­über­prü­fung mög­lich ist.

13 Mil­li­ar­den Eu­ro Hilfs­gel­der wa­ren be­reits im Au­gust nach At­hen ge­gan­gen. Die rest­li­chen drei Mil­li­ar­den Eu­ro der ers­ten Ra­te sol­len in Teil­zah­lun­gen von zwei und ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro ge­leis­tet wer­den. Da­für sind je­weils Re­for­men als Ge­gen­leis­tung nö­tig. Mi­nis­ter for­dern An­rech­nung von Flücht­lings­auf­nah­me Für De­bat­ten un­ter den Res­sort­chefs sor­gen mil­li­ar­den­schwe­re Kos­ten für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen. Ös­ter­reich for­dert ex­pli­zit ei­ne Be­rück­sich­ti­gung die­ser Kos­ten bei der Brüs­se­ler Haus­halts­kon­trol­le. „Wir müs­sen si­cher sein, dass das nicht an­ge­rech­net wird“, sag­te Res­sort­chef Hans Jörg Schel­ling. Laut Di­plo- Der grie­chi­sche Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras hat ei­ne ra­sche Er­fül­lung der Auf­la­gen der Gläu­bi­ger ver­spro­chen. Dies sei der ein­zi­ge Weg, da­mit das Land aus der Kri­se her­aus­kom­me, sag­te Tsi­pras bei der pro­gram­ma­ti­schen Er­klä­rung sei­ner neu­en Re­gie­rung am Mon­tag im grie­chi­schen Par­la­ment. Der Weg wer­de nicht leicht sein. „Wir müs­sen die Zäh­ne zu­sam­men­bei­ßen“, füg­te Tsi­pras hin­zu. ma­ten ver­fol­gen Ita­li­en und Luxemburg ei­ne ähn­li­che Li­nie. Al­lein für 2016 rech­net Wi­en mit rund ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro Ex­tra­kos­ten. Die EUKom­mis­si­on, die für die Bud­get­kon­trol­le ver­ant­wort­lich ist, hat­te be­reits zu­ge­si­chert, die Fra­ge ei­ner mög­li­chen Be­rück­sich­ti­gung fall­wei­se zu prü­fen.

Un­ter den Mit­glied­staa­ten steigt die Ner­vo­si­tät, denn sie müs­sen bis zum 15. Ok­to­ber ih­re ers­ten Bud­get­vor­schlä­ge für das kom­men­de Jahr bei der EU zur Über­prü­fung vor­le­gen. Schäu­b­le zeig­te Ver­ständ­nis für Schel­ling. „Ich fin­de, Ös­ter­reich hat ei­ne be­son­de­re Last, so wie Deutsch­land. Das ist völ­lig in Ord­nung, dass er (Schel­ling) sagt, da­mit muss ich ja ir­gend­wie um­ge­hen“, sag­te Schäu­b­le. „Das wird die Kom­mis­si­on von sich aus ma­chen. Da wä­re ich, wenn ich er wä­re, ziem­lich zu­ver­sicht­lich.“ Sein Ziel sei nach der Er­fül­lung der Kre­dit­auf­la­gen mit den Gläu­bi­gern über ei­ne Um­struk­tu­rie­rung der Staats­schul­den zu spre­chen. Die neue Links- Rechts- Re­gie­rung hat nicht viel Zeit: Sie muss rasch Pri­va­ti­sie­run­gen und um­fang­rei­che Re­for­men bei Ren­ten und Steu­ern durch­set­zen. Nur so kann At­hen auf die wei­te­re Um­set­zung ei­nes von den Gläu­bi­gern im Ju­li be­schlos­se­nen Hilfs­pa­kets bis zu 86 Mil­li­ar­den Eu­ro hof­fen. ( dpa)

FO­TO: DPA

Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le und EU-Wäh­rungs­kom­mis­sar Pierre Mosco­vici be­ra­ten sich vor dem Tref­fen der Fi­nanz­mi­nis­ter.

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