Stö­ren­de Ne­ben­ge­räu­sche beim FV Wa­Re

Sa­lem-Kee­per Liv­gö­cmen: „Zehn Jah­re Pau­se ta­ten mir gut!“- Knack­muß kehrt heim

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - REGIONAL SPORT - Von Oli­ver Koth­mann

Noch grö­ßer als der Är­ger über die 2:3-Aus­wärts­nie­der­la­ge beim He­gau­er FV am Sonn­tag saß und sitzt bei Joa­chim Rud­dies, Trai­ner des Fuß­ball-Lan­des­li­ga-Auf­stei­gers FV Wal­berts­wei­ler/Ren­gets­wei­ler, der Frust über die „Ne­ben­ge­räu­sche“, die es beim 4:2-Sieg über Ta­bel­len­füh­rer FC Neu­stadt am Wo­che­n­en­de zu­vor ge­ge­ben hat. Die Neu­städ­ter ha­ben näm­lich beim Süd­ba­di­schen Fuß­ball-Ver­band Pro­test ein­ge­legt ge­gen die Wer­tung des Spiels, weil sie sich bei ih­rer Nie­der­la­ge vom Sta­di­on­spre­cher des FV Wal­berts­wei­ler/Ren­gets­wei­ler ver­un­glimpft sa­hen. Neu­stadts Trai­ner Klaus Gall­mann sagt: „Ja, der Pro­test läuft. Denn was da pas­siert ist, darf im Fuß­ball kei­ne Schu­le ma­chen.“

Was war ge­sche­hen? Nach dem An­schluss­tref­fer zum 1:2 aus ab­seits­ver­däch­ti­ger Po­si­ti­on durch den Neu­städ­ter Sam­ma in der 33. Mi­nu­te, ver­stieg sich der Spre­cher zu der Durch­sa­ge: „1:2-An­schluss für den FC Neu­stadt durch ein Ab­seits­tor, das der Schieds­rich­ter nicht ahn­de­te.“Da­mit nicht ge­nug. Gall­mann: „Es ka­men rund 60 Mi­nu­ten lang stän­dig kom­men­tie­ren­de Ge­räu­sche über die An­la­ge. Klat­schen, Schnal­zen, im­mer auf Ak­tio­nen von uns ab­zie­lend. Mei­ne Spie­ler fühl­ten sich ver­al­bert.“

Ers­te­res Ver­ge­hen räum­te der FV Wa­Re gleich nach dem Spiel un­um­wun­den ein. Joa­chim Rud­dies: „Dass die­se Durch­sa­ge so kam, stimmt. Da­für ha­ben wir uns bei al­len Be­tei­lig­ten, al­so dem FC Neu­stadt, dem Schieds­rich­ter und dem Ver­band, auch in al­ler Form ent­schul­digt. Das ging wirk­lich gar nicht.“Der Sta­di­on­spre­cher, so Rud­dies wei­ter, ha­be die­ses Amt erst zum zwei­ten Mal aus­ge­übt. Und of­fen­bar auch zum letz­ten Mal: „Künf­tig wird das je­mand an­ders bei uns ma­chen“, sagt Rud­dies.

Was die üb­ri­gen Ge­räu­sche an­geht, die laut Gall­mann 60 Mi­nu­ten lang im­mer wie­der mal zu hö­ren ge­we­sen sei­en, sagt Rud­dies: „Da stand ei­ne Grup­pe von vier oder fünf Kin­dern ne­ben dem Sta­di­on­spre­cher. Die ha­ben mit ih­ren Han­dys Ge­räu­sche ge­macht, die dann über die An­la­ge zu hö­ren wa­ren.“Ein Vor­stands­mit­glied ha­be die Kin­der schließ­lich ver­scheucht.

Was Rud­dies nun be­son­ders är­gert: „Nach dem Spiel hat mir der Neu­städ­ter Trai­ner noch fair zum Sieg gra­tu­liert. Kein Wort fiel über das an­de­re The­ma. Und zwei Ta­ge spä­ter hö­re ich dann, dass er Pro­test ein­legt ge­gen die Spiel­wer­tung!“Gall­manns Er­klä­rung hier­für: „Di­rekt nach dem Spiel hat­ten wir das auch nicht vor. Erst, als wir am Tag dar­auf den Be­richt des Schieds­rich­ters vor­lie­gen hat­ten, der un­se­re Ein­drü­cke im We­sent­li­chen be­stä­tig­te, ha­ben wir be­schlos­sen, zu pro­tes­tie­ren. Uns al­lein hät­te man das doch gar nicht al­les ge­glaubt.“Gall­mann sagt aber auch: „Auf dem Platz lief al­les vor­bild­lich. Es war ein ab­so­lut fai­res Spiel und auch zwi­schen den Trai­ner­bän­ken war al­les völ­lig okay.“Es ge­he Neu­stadt nun auch gar nicht in ers­ter Li­nie dar­um, die Punk­te am grü­nen Tisch zu­rück­zu­ho­len, sagt Gall­mann: „Die hat Wa­Re ver­dient ge­won­nen. Aber noch­mal: Das Drum­her­um darf kei­ne Schu­le ma­chen. Des­halb wol­len wir mit dem Pro­test ein Zei­chen set­zen.“

Im Be­richt von Schieds­rich­ter Le­roy Gal­lus (Frei­burg-Op­fin­gen) taucht über­dies ein wei­te­rer Vor­wurf ge­gen Wa­Re auf, er­ho­ben vom Un­par­tei­ischen, nicht vom FC Neu­stadt, wohl­ge­merkt: Aus dem Pu­bli­kum sei dem­nach ein Neu­städ­ter Spie­ler mit brau­ner Haut­far­be wäh­rend des Spiels mit ras­sis­ti­schen Lau­ten be­lei­digt wor­den. Rud­dies be­strei­tet dies re­so­lut: „Da ist ab­so­lut nichts dran, da ha­ben wir nichts ge­hört.“Gall­mann teilt die Wahr­neh­mung sei­nes Trai­ner­kol­le­gen: „Wenn ich da­von et­was was ge­hört hät­te, hät­te ich so­fort mei­ne Spie­ler zu­sam- men­ge­ru­fen und wir hät­ten das Spiel ab­ge­bro­chen. Aber nie­man­dem von uns sind sol­che Ge­räu­sche zu Oh­ren ge­kom­men.“ ner fuß­bal­le­ri­schen Vi­ta ei­gent­lich längst ge­schlos­sen. Und als er vor ein­ein­halb Jah­ren vom SV Ber­ma­tin­gen als (Feld-)Spie­ler­trai­ner zum FC Rot-Weiß Sa­lem wech­sel­te, da wuss­ten die Sa­le­mer gar nicht, was für ein fuß­bal­le­ri­sches Mul­ti­ta­lent sie da ver­pflich­tet hat­ten. Liv­gö­cmen, auf­ge­wach­sen im Raum Frankfurt, spiel­te in sei­ner Ju­gend näm­lich un­ter an­de­rem bei Zweit­li­gist FSV Frankfurt und kam in Hes­sen zu man­chen Aus­wahl­ein­sät­zen - als Tor­hü­ter wohl­ge­merkt. Nach­dem er der Lie­be zu sei­ner spä­te­ren Ehe­frau Öz­den we­gen vor über ei­nem Jahr­zehnt an den Bo­den­see ge­zo­gen war, wech­sel­te er das Me­tier, kick­te fort­an bei der Spvgg. F.A.L. , dem FC Beu­ren-Weil­dorf und bei RWS bloß noch im Feld.

Als sich in der ver­gan­ge­nen Sai­son Sa­lems Stamm­kee­per Patrick Hum­mel schwer an der Schul­ter ver­letz­te, sprang Liv­gö­cmen erst­mals ein. Und über­zeug­te so­fort. Als Hum­mel nach sei­nem Come­back zu Be­ginn die­ser Sai­son noch Schwä­chen zeig­te, mach­te RWS-Coach Michael Krau­se Liv­gö­cmen zur neu­en Num­mer eins. „Es ist un­glaub­lich, wie gut er hält“, sagt Vor­stand Jörg All­gai­er, als ehe­ma­li­ger Sa­lem-Kee­per selbst ein Mann vom Fach. „Für mich ist er der viel­leicht bes­te Tor­hü­ter der Lan­des­li­ga.“

„Die zehn Jahr Tor­wart­pau­se ha­ben mir of­fen­bar gut ge­tan“, sagt Liv­gö­cmen lä­chelnd. „Aber mal im Ernst“, fügt er an: „Wenn du sel­ber lan­ge im Feld ge­spielt hast und weißt, wie die Feld­spie­ler ti­cken, dann hast du es als Tor­wart in vie­len Si­tua­tio­nen ein­fa­cher. Du ahnst eher, was sie vor­ha­ben.“All­gai­er ist je­den­falls heil­froh, ei­nen Spie­ler wie Liv­gö­cmen im Club zu ha­ben: „Sol­che Ty­pen braucht ein Ver­ein“, sagt der Prä­si­dent.

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag saß Mar­kus Knack­muß (41) erst­mals als neu­er Trai­ner des FC Ra­dolf­zell auf der Bank, die Chris­ti­an Rau rund zehn Ta­ge zu­vor ge­räumt hat­te. Knack­muß fei­er­te bei sei­nem De­büt gleich ei­nen 2:0-Sieg über den FC Bad Dür­rheim. Der frü­he­re SC Pful­len­dorf- Re­gio­nal­li­ga­pro­fi, der bei Jahn Re­gens­burg, FC Augs­burg und Dy­na­mo Dres­den lan­ge Jah­re in der 2. Bun­des­li­ga spiel­te, war zu­letzt als Nach­fol­ger von Mar­tin Braun bis zum 30. Ju­ni Chef­trai­ner des FC 08 Vil­lin­gen ge­we­sen, und seit­her oh­ne Ver­ein. In Ra­dolf­zell galt Knack­muß, der in Riet­heim bei Vil­lin­gen lebt, nun als Wunsch­kan­di­dat. Kein Wun­der, schließ­lich stammt der stäm­mi­ge Ex-Mit­tel­feld­spie­ler von der Mett­nau, spiel­te einst schon in der Ju­gend für den FC Ra­dolf­zell. Nun hat sich der Kreis ge­schlos­sen.

FO­TO: BODON

Ob sich die Spie­ler des FV Wal­berts­wei­ler/Ren­gets­wei­ler noch lan­ge über den 4:2-Sieg ge­gen den FC Neu­stadt von zehn Ta­gen freu­en kön­nen? Die Schwarz­wäl­der ha­ben näm­lich Pro­test ge­gen die Wer­tung des Spiels ein­ge­legt, weil sie sich vom Wa­Re- Sta­di­on­spre­cher ver­höhnt fühl­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.