Air Fran­ce im Über­le­bens­kampf

Bil­lig­kon­kur­renz setzt die Flug­ge­sell­schaft un­ter Druck – Spar­plä­ne sto­ßen auf Wi­der­stand

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Christine Lon­gin

PA­RIS - Der An­griff auf zwei AirFran­ce-Ma­na­ger ist ein Eklat für die fran­zö­si­sche Air­line, de­ren Zu­kunft un­ge­wiss ist. Die Bil­lig­kon­kur­renz setzt die Flug­ge­sell­schaft un­ter Druck, doch Spar­plä­ne sto­ßen auf er­bit­ter­ten Wi­der­stand.

Das Fo­to von dem Mann mit dem nack­ten Ober­kör­per, der nur noch mit der Kra­wat­te um den Hals über ei­nen Zaun klet­tert, ging um die Welt. Xa­vier Bro­se­ta ist Per­so­nal­chef von Air Fran­ce. Dass die Be­triebs­rats­sit­zung der fran­zö­si­schen Flug­ge­sell­schaft am Mon­tag schwie­rig wer­den wür­de, wuss­te der Ma­na­ger vor­her. Doch dass Hun­der­te auf­ge­brach­te An­ge­stell­te die Sit­zung stür­men, ihm das Hemd vom Leib rei­ßen und ihn dann zu­sam­men mit Vor­stands­mit­glied Pierre Plis­son­nier vom Ge­län­de ja­gen wür­den, konn­te Bro­se­ta nicht ah­nen. Die Sze­ne zeigt den Nie­der­gang ei­ner Flug­li­nie, die einst wie der In­dus­trie­kon­zern Al­st­om, der Au­to­bau­er Peu­geot oder der Atom­gi­gant Are­va zum Stolz der fran­zö­si­schen Wirt­schaft ge­hör­te.

Zu­sam­men mit Bri­tish Air­ways be­trieb die Air­line bis 2003 das Über­schall­flug­zeug Con­cor­de, von dem noch ein Ex­em­plar am Flug­ha­fen Charles de Gaul­le steht – ein Über­rest der glanz­vol­len Ver­gan­gen­heit der Flug­ge­sell­schaft mit den blauweiß-ro­ten Strei­fen an der Heck­flos­se. 2004 ver­such­te das eins­ti­ge Staats­un­ter­neh­men, an dem der Staat nur noch 17 Pro­zent hält, sich mit ei­ner mu­ti­gen Fu­si­on mit dem nie­der­län­di­schen Kon­kur­ren­ten KLM als Markt­füh­rer in Eu­ro­pa auf­zu­stel­len. Durch die Ver­nunft­ehe woll­te Air Fran­ce das Schick­sal an­de­rer Air­lines wie der bel­gi­schen Sa­be­na oder der schwei­ze­ri­schen Swis­sair ver­mei­den, die dem Druck der Bil­lig­kon­kur­renz nicht stand­hiel­ten. 2900 Stel­len sol­len weg­fal­len

Ein sol­ches En­de könn­te nun auch Air Fran­ce dro­hen, denn das Un­ter­neh­men er­weist sich als nicht re­form­fä­hig. „Zwölf Jah­re nach der stra­te­gi­schen Wen­de schwebt Air Fran­ce in Le­bens­ge­fahr“, schreibt die Zei­tung „Le Fi­ga­ro“. Schon im ver­gan­ge­nen Jahr schei­ter­te der Aus­bau der Bil­lig­toch­ter Tran­sa­via am Pro­test der Pi­lo­ten, die zehn Ta­ge lang da­ge­gen an­streik­ten. Nach dem Vor­bild von Ea­syjet soll­te das Per­so­nal mit bil­li­ge­ren Orts­ver­trä­gen an­ge­heu­ert wer­den, doch die Un­ter­neh­mens­lei­tung gab ih­re Plä­ne nach dem Pi­lo­ten­streik auf. Auch dies­mal sind es die Pi­lo­ten, die den Pro­test ge­gen die Spar­plä­ne an­füh­ren, mit de­nen die Fir­men­spit­ze die Ver­lus­te in Se­rie aus­glei­chen will. Die Flug­ka­pi­tä­ne, die bis zu 230 000 Eu­ro im Jahr ver­die­nen, weh­ren sich ge­gen Plä­ne, ih­re Ge­häl­ter ein­zu­frie­ren und die Zahl der Ar­beits­stun­den zu er­hö­hen. Ei­ne Idee, die die Kol­le­gen der Schwes­ter KLM erst ei­nen Mo­nat zu­vor ak­zep­tiert hat­ten.

Die Air-Fran­ce-Lei­tung griff an­ge­sichts der Blo­cka­de­hal­tung der Pi­lo­ten zu ei­nem Plan B, der die Strei­chung von zehn Pro­zent der Langstre­ckenver­bin­dun­gen und den Ver­zicht auf Flug­zeu­ge vor­sieht. Das hat Kon­se­quen­zen für die Be­schäf­tig­ten: 2900 Stel­len soll­ten bis 2017 ge­stri­chen wer­den, kün­dig­te die Kon­zern­spit­ze an. „Wir sind ei­ner schreck­li­chen Kon­kur­renz aus­ge­setzt“, recht­fer­tig­te Alex­and­re de Ju­ni­ac im Vor­feld die Spar­maß­nah­men, die Air-Fran­ce-Chef Frédé­ric Ga­gey zu­sam­men mit Bro­se­ta er­läu­ter­te. 300 Pi­lo­ten, 900 Flug­be­glei­ter und 1700 Mit­ar­bei­ter am Bo­den könn­ten ih­ren Job ver­lie­ren – not­falls auch durch Kün­di­gun­gen. „Air Fran­ce lei­det an dem ,fran­zö­si­schen Un­ter­schied’, der ih­re Kos­ten­struk­tur deut­lich teu­rer macht als die ih­rer Kon­kur­ren­ten, bei­spiels­wei­se der Luft­han­sa“, zi­tiert der „Fi­ga­ro“ei­nen Luft­fahrt­ex­per­ten. Die Kos­ten des Un­ter­neh­mens lie­gen laut Fir­men­lei­tung um gut 20 Pro­zent über dem der Kon­kur­renz. Für Air Fran­ce gibt es des­halb lang­fris­tig nur zwei Mög­lich­kei­ten: ein­spa­ren oder un­ter­ge­hen.

FO­TO: AFP

De­mons­tra­ti­on: Auf Air- Fran­ce- Chef Frédé­ric Ga­gey sind die Be­schäf­tig­ten nicht gut zu spre­chen.

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