Gleich­alt­ri­ge sind für Ein­zel­kin­der ent­schei­dend

Tei­len, ei­ge­ne Be­dürf­nis­se zu­rück­ste­cken, sich durch­set­zen – Das lernt der Nach­wuchs am bes­ten in der Grup­pe

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FAMILIE -

FÜRTH (dpa) - Ob­wohl es in­zwi­schen völ­lig nor­mal ist, ein Ein­zel­kind zu sein, gibt es noch im­mer et­li­che Kli­schees: Ein­zel­kin­der sind ver­wöhnt und kön­nen nicht tei­len, heißt es dann bei­spiels­wei­se. Aber na­tür­lich sind auch Ein­zel­kin­der al­le un­ter­schied­lich. Trotz­dem gibt es Din­ge, die Ein­zel­kin­der-El­tern be­ach­ten soll­ten:

Ein­zel­kin­der be­kom­men oft die vol­le Auf­merk­sam­keit der El­tern. Das hat na­tür­lich Vor­tei­le – es führt aber auch da­zu, dass das Kind es als nor­mal emp­fin­det, von Mut­ter und Va­ter be­son­ders in­ten­siv be­ach­tet zu wer­den, sagt Da­na Ur­ban von der Bun­des­kon­fe­renz für Er­zie­hungs­be­ra­tung (BKE). El­tern soll­ten dar­auf ach­ten, dass das Kind nicht stän­dig im Fo­kus steht. „Ge­schwis­ter­kin­der ken­nen es, öf­ter mal war­ten zu müs- sen oder dass die El­tern nicht im­mer in­ten­siv Zeit für sie ha­ben“, sagt Ur­ban. Da­bei ler­nen die Kin­der bei­spiels­wei­se Be­dürf­nis­se auch mal aus­zu­hal­ten. Des­halb heißt es auch für Ein­zel­kin­der-El­tern: Nicht im­mer gleich sprin­gen, wenn Sohn oder Toch­ter et­was möch­te, son­dern ru­hig erst mal das be­en­den, wo­mit man gera­de be­schäf­tigt ist. Dem Kind kön­nen sie dann ein­fach sa­gen, dass sie gleich für es da sein wer­den.

Ein­zel­kin­der brau­chen den Kon­takt zu an­de­ren Kin­dern. Denn das kön­nen El­tern in vie­ler­lei Hin­sicht nicht er­set­zen. So er­langt der Nach­wuchs im Um­gang mit­ein­an­der nicht nur so­zia­le Kom­pe­ten­zen, son­dern auch sich zu be­haup­ten und durch­zu­set­zen – et­was, das Ge­schwis­ter qua­si ganz ne­ben­bei ler­nen. Des­halb ist der Kon­takt zu an­de­ren Kin­dern be­son­ders wich­tig. Ur­ban emp­fiehlt, schon früh da­mit an­zu­fan­gen – bei­spiels­wei­se in ei­ner Kr­ab­bel­grup­pe oder beim Ba­by­schwim­men. „Das er­leich­tert spä­ter auch den Start in den Kin­der­gar­ten“, sagt sie. Au­ßer­dem soll­ten El­tern den Spröss­ling da­bei un­ter­stüt­zen, sich mit Freun­den zu tref­fen.

Ein­zel­kin­der kön­nen nicht so gut tei­len, heißt es oft. Klar, sie ha­ben ihr Spiel­zeug oder die Sü­ßig­kei­ten­tü­te ganz für sich al­lein. Ur­ban emp­fiehlt El­tern, Vor­bild zu sein. Sie soll­ten dem Kind vor­le­ben, was es heißt, zu tei­len. Und bei­spiels­wei­se auf dem Spiel­platz kön­nen Müt­ter und Vä­ter ihr Kind im­mer wie­der da­zu an­hal­ten, Spiel­zeug oder Kek­se mit an­de­ren zu tei­len.

Man­che Ein­zel­kin­der sind sehr auf Er­wach­se­ne kon­zen­triert. Bei­spiels­wei­se bei Al­lein­er­zie­hen­den kom­me es auch vor, dass das Kind als ei­ne Art „Part­ner­er­satz“für den El­tern­teil auf­wächst. Auch hier hilft es, wenn sich El­tern zu­rück­neh­men und viel Kon­takt mit Gleich­alt­ri­gen er­mög­li­chen. Bei­spiels­wei­se Nach­bars­kin­der oder Cou­sins kön­nen ei­ne Art Ge­schwis­ter­er­satz sein, wenn sich die Kin­der re­gel­mä­ßig und in­ten­siv se­hen. So tun Sohn oder Toch­ter et­wa ge­mein­sa­me Aus­flü­ge und Ur­lau­be mit an­de­ren Fa­mi­li­en gut.

FO­TO: DPA

Ein­zel­kin­der brau­chen den Kon­takt zu Gleich­alt­ri­gen.

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