Tod im Cock­pit

Flug­zeug-Pi­lot stirbt wäh­rend ei­nes US-In­lands­flu­ges

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von Chris­ti­na Hors­ten

NEW YORK (dpa) - 147 Pas­sa­gie­re und fünf Cr­ew­mit­glie­der wol­len von Pho­enix nach Bos­ton, als der Pi­lot plötz­lich stirbt. Wahr­schein­lich ein Herz­in­farkt. Das Flug­zeug lan­det si­cher im Bun­des­staat New York. Ein Groß­teil der Stre­cke war schon ge­schafft.

Ame­ri­can Air­lines Flug 550 war ein Rou­ti­ne­flug, mehr als 4000 Ki­lo­me­ter über Nacht, aber al­les lief nor­mal, bis we­ni­ge St­un­den vor der ge­plan­ten Lan­dung ei­ne Ste­war­dess die Pas­sa­gie­re bat, sich an­zu­schnal­len. Der Pi­lot sei krank ge­wor­den. „Ih­re Stim­me hat ge­zit­tert“, er­zähl­te ein Pas­sa­gier spä­ter dem TV-Sen­der CBS. „Al­so wuss­te ich, dass es mehr als nur ei­ne Krank­heit ist.“

Kurz dar­auf lan­de­te das Flug­zeug si­cher in Sy­ra­cu­se im Nor­den des US-Bun­des­staats New York – Pi­lot Michael Johns­ton war tot, im Al­ter von nur 57 Jah­ren. Der Ka­pi­tän sei „ar­beits­un­fä­hig“, hat­te sein Co-Pi­lot bei dem Vor­fall am Mon­tag zu­vor an den Kon­troll­turm ge­funkt. Ihr Mann ha­be wohl im Cock­pit ei­nen Herz­in­farkt er­lit­ten, ver­mu­te­te sei­ne Ehe­frau Bet­ty Je­an Johns­ton. 2006 sei­en ihm zwei By­päs­se ein­ge­setzt wor­den. „Er hat­te Pro­ble­me mit sei­nem Her­zen.“Er flog seit 1990 und ha­be sich re­gel­mä­ßig un­ter­su­chen las­sen. „Er wirk­te ab­so­lut o.k..“ Ge­rüch­te mach­ten die Run­de Nach­dem der Co-Pi­lot den Air­bus A320 si­cher auf dem Flug­ha­fen in Sy­ra­cu­se ge­lan­det hat­te, muss­te zu­erst die Lei­che aus dem Cock­pit ge­bracht wer­den. „Wir muss­ten wäh­rend­des­sen war­ten“, sag­te Pas­sa­gie­rin Ju­lia Hou­se eben­falls im Fern­se­hen. „Das war ganz schön in­ten­siv.“Ge­rüch­te mach­ten die Run­de, ge­nau­es wuss­ten die Flug­gäs­te nicht.

Ei­ne Er­satz-Cr­ew brach­te das Flug­zeug spä­ter ins noch rund 500 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Bos­ton, wo es mit fünf St­un­den Ver­spä­tung an­kam. Die Er­satz-Cr­ew in­for­mier­te die Pas­sa­gie­re über den Tod von Ka­pi­tän Johns­ton. „Dies ist ein schreck­lich trau­ri­ges Er­eig­nis, und Ame­ri­can Air­lines kon­zen­triert sich der­zeit dar­auf, sich um die Fa­mi­lie des Pi­lo­ten zu küm­mern so­wie um die Ame­ri­can-Air­lines-Be­sat­zung und Pas­sa­gie­re an Bord des Flu­ges“, sag­te ei­ne Spre­che­rin der Flug­ge­sell­schaft.

Ein Pi­lo­ten-Tod im Cock­pit ist nach An­sicht von Ex­per­ten sel­ten – aber na­tür­lich nicht aus­ge­schlos­sen. „Wich­tig ist dann das ein­heit­li­che Er­geb­nis, dass das Flug­zeug si­cher lan­det“, sag­te Ste­ve Wal­lace von der US-Flug­auf­sichts­be­hör­de FAA. Und wei­ter: „Der Co-Pi­lot ist kom­plett qua­li­fi­ziert, das Flug­zeug zu flie­gen. So ein Vor­fall ist sel­ten, aber es wird da­für trai­niert.“

Ei­ne un­mit­tel­ba­re Ge­fahr für die Pas­sa­gie­re be­deu­te so ein Vor­fall nicht, sag­te auch Luft­fahrt­ex­per­te und Ex-Pi­lot John Cox. „Dies ist ei­ne Tra­gö­die, und sei­ne Fa­mi­lie tut mir sehr leid. Aber war dies ei­ne Ge­fahr für die Pas­sa­gie­re? Nein.“

FO­TO: AFP

Die Pas­sa­gie­re ei­nes Ame­ri­can- Air­lines- Flu­ges wur­den erst nach der An­kunft am Ziel­ort über den Tod des Pi­lo­ten in­for­miert.

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