Kanz­ler­amt ko­or­di­niert Flücht­lings­hil­fe

Bun­des­kanz­le­rin mit Ap­pell vor dem Eu­ro­pa­par­la­ment – Ru­mo­ren in der Uni­on

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

BERLIN - Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat am Mitt­woch vor dem Eu­ro­pa­par­la­ment die eu­ro­päi­schen Nach­barn in der Flücht­lings­kri­se um Hil­fe ge­be­ten. „Wir kön­nen uns von den glo­ba­len Er­eig­nis­sen nicht mehr ent­kop­peln“, so Mer­kel. „Gera­de jetzt brau­chen wir mehr Eu­ro­pa.“Mer­kel sprach ge­mein­sam mit Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de vor dem eu­ro­päi­schen Par­la­ment in Straß­burg. Sie warb da­bei um mehr Hil­fe für die Tür­kei, der ei­ne Schlüs­sel­rol­le zu­kom­me.

Nach teils hef­ti­ger Kri­tik an der Leis­tung des In­nen­mi­nis­te­ri­ums bei der Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se hat­te Mer­kel die po­li­ti­sche Ko­or­di­nie­rung am Di­ens­tag im Kanz­ler­amt an­ge­sie­delt und so zur Chef­sa­che ge­macht. Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er soll der Flücht­lings­po­li­tik ei­ne kla­re Li­nie ver­lei­hen.

Das Flücht­lings­the­ma führt vor al­lem in der Uni­on zu zahl­rei­chen Dis­kus­sio­nen um den rich­ti­gen Um­gang mit ei­ner der „größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der Ge­gen­wart“, wie Mer­kel in Straß­burg die Fücht­lings­kri­se be­zeich­ne­te. Ba­den-Würt­tem- bergs CDU-Spit­zen­kan­di­dat Gui­do Wolf for­der­te am Mitt­woch, die Re­si­denz­pflicht für Flücht­lin­ge wie­der ein­zu­füh­ren. Es kön­ne nicht sein, dass Flücht­lin­ge und Asyl­su­chen­de un­be­schränkt in ganz Deutsch­land un­ter­wegs sei­en.

CSU-Chef Horst See­ho­fer for­der­te wei­ter­ge­hen­de Maß­nah­men. „Oh­ne Zu­zugs­be­gren­zung wird es nicht ge­hen“, sag­te der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent. Wenn der Bund nicht han­de­le, müs­se Bay­ern über­le­gen, was es ma­che. See­ho­fer soll von „Not­wehr“ge­spro­chen ha­ben. In Bay­ern sind zwi­schen dem 1. Sep- tem­ber und dem 3. Ok­to­ber 225 000 Flücht­lin­ge an­ge­kom­men

In ei­nem Brief an Mer­kel ha­ben 34 CDU-Po­li­ti­ker aus den Län­dern kla­re Maß­nah­men ge­gen den Flücht­lings­an­drang ver­langt. Die Po­li­tik der of­fe­nen Gren­zen ent­spre­che we­der dem eu­ro­päi­schen noch dem deut­schen Recht, so schrei­ben sie, noch ste­he sie im Ein­klang mit dem Pro­gramm der CDU. Ein Groß­teil der CDU-Mit­glie­der und Wäh­ler füh­le sich von der ge­gen­wär­ti­gen Li­nie der CDU-ge­führ­ten Bun­des­re­gie­rung „nicht mehr ver­tre­ten“.

FO­TO: AFP

Erst im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment in Straß­burg, dann bei An­ne Will in der Talk­show – Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) warb am Mitt­woch an vie­len Or­ten um ei­ne eu­ro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik.

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