Erd­öl­su­che hat be­gon­nen

In Ober­schwa­ben sol­len seis­mi­sche Mes­sun­gen zu La­ger­stät­ten füh­ren

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Uwe Jauß

ST­EIN­HAU­SEN AN DER ROT­TUM - Der deut­sche Erd­öl- und Erd­gas­pro­du­zent Win­ters­hall hat am Mitt­woch mit seis­mi­schen Mes­sun­gen in der Ge­gend von Berk­heim (Land­kreis Bi­be­rach) an­ge­fan­gen. Erst am Mor­gen war da­zu die Er­laub­nis des zu­stän­di­gen Berg­am­tes in Frei­burg ein­ge­gan­gen. Win­ters­hall will fest­stel­len, ob sich in den al­ten ober­schwä­bi­schen Erd­öl­ge­bie­ten zwi­schen Bad Wurzach, Och­sen­hau­sen und Mem­min­gen ei­ne Wie­der­auf­nah­me der För­de­rung lohnt. In der Be­völ­ke­rung gibt es aber in­zwi­schen Be­den­ken ge­gen die Mes­sun­gen, weil sie teil­wei­se mit der Hil­fe von Spreng­la­dun­gen durch­ge­führt wer­den. 3-D-Mo­dell des Un­ter­grunds Auf 160 Qua­drat­ki­lo­me­tern möch­te Win­ters­hall seis­mi­sche Mes­sun­gen durch­füh­ren. Um die Be­völ­ke­rung über den Ablauf zu in­for­mie­ren, hat das Un­ter­neh­men am Mitt­woch ei­nen In­fo­tag in St­ein­hau­sen an der Rot­tum ver­an­stal­tet. Der Ort liegt im nörd­li­chen Be­reich der Un­ter­su­chungs­zo­ne. Win­ters­hall hat­te ex­tra auch zwei wei­ße Mess­fahr­zeu­ge zur Schau ge­stellt, dar­un­ter ei­nes, das 28 Ton­nen wiegt. Von ih­nen wird ei­ne Plat­te auf den Bo­den ge­senkt, die bei ei­ner Mes­sung rund zwölf Se­kun­den vi­briert. An der Ober­flä­che ist dies kaum zu spü­ren. Im Un­ter­grund wer­den aber die er­zeug­ten Er­schüt­te­rungs­wel­len durch ver­schie­de­ne geo­lo­gi­sche Schich­ten un­ter­schied­lich re­flek­tiert.

Auf den Mess­stre­cken wird die Vi­bra­ti­ons­plat­te al­le 40 Me­ter ein­ge­setzt. Um die Si­gna­le auf­zu­fan­gen, ver­legt Win­ters­hall Ka­bel mit Mi­ni­mess­sta­tio­nen. Im Be­reich Berk­heim ist dies be­reits in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ge­sche­hen. Dort zie­hen sich par­al­lel ver­legt rund 120 Ki­lo­me­ter Ka­bel durch die Land­schaft. Et­wa 8000 Mess­sta­tio­nen neh­men die re­flek­tier­ten Er­schüt­te­run­gen auf. Ziel ist es, ein 3-D-Mo­dell des Un­ter­grunds zu be­kom­men. Spe­zia­lis­ten kön­nen an ihm er­ken­nen, wo sich mög­li­cher­wei­se ei­ne För­de­rung lohnt.

Dass Win­ters­hall sich er­neut den vor zwei Jahr­zehn­ten still­ge­leg­ten Erd­öl­för­der­ge­bie­ten wid­met, hat mit drei Fak­to­ren zu tun: Der Öl­preis ist ge­stie­gen, die Mess­me­tho­den wur­den ge­nau­er und die Bohr- so­wie För­der­tech­nik aus­ge­fuchs­ter. So hat Win­ters­hall be­reits hin­ter dem na­hen Mem­min­gen in ei­nem ehe­ma­li­gen För­der­ge­biet Un­ter­su­chun­gen vor­ge­nom­men. Es han­delt sich um Be­dernau und Lau­ben. Dort hat es so­gar schon zwei Er­kun­dungs­boh­run­gen ge­ge­ben. Die ab­schlie­ßen­den Beur­tei­lun­gen ste­hen aber noch aus.

Die Plä­ne von Win­ters­hall sind nicht un­um­strit­ten. Aus der Be­völ­ke­rung der be­trof­fe­nen Land­stri­che kommt im­mer wie­der die Fra­ge, ob ei­ne er­neu­te Erd­öl­för­de­rung ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Um­welt ha­ben könn­te. Ge­gen­wär­tig be­äugt man­cher ei­ne spe­zi­el­le Mess­me­tho­de kri­tisch: Ne­ben der Mes­sung mit­tels vi­brie­ren­der Bo­den­plat­ten will Win­ters­hall auch klei­ne Spreng­la- dun­gen ein­set­zen. Da­zu wird je­weils ein zehn bis 15 Me­ter tie­fes Loch für ei­ne Kap­sel mit rund 500 Gramm Spreng­stoff ge­bohrt. Des­sen De­to­na­ti­on er­zeugt wie­der­um Er­schüt­te­rungs­wel­len. Furcht ums Grund­was­ser Nach Aus­kunft von Win­ters­hall soll die­se Tech­nik dort zum Ein­satz kom­men, wo die schwe­ren Fahr­zeu­ge nicht hin­kom­men. An rund 500 Mess­punk­te ist ge­dacht. Kri­ti­ker be­fürch­ten je­doch ei­ne Grund­was­ser­ver­schmut­zung durch die Che­mi­ka­li­en des Spreng­stoffs. Win­ters­hall ver­weist dar­auf, dass das glei­che Pro­dukt wie im Berg­bau zum Ein­satz kommt. Die Me­tho­de sei zu­dem was­ser­recht­lich ge­neh­migt wor­den. Nach Er­kennt­nis­sen des Erd­öl­kon­zerns wür­den nur Spu­ren von Ni­trit im Bo­den zu­rück­blei­ben, ein Stoff, der bei­spiels­wei­se auch in Gül­le ent­hal­ten ist.

Die seis­mi­schen Mes­sun­gen sol­len bis Weih­nach­ten ab­ge­schlos­sen sein. Da­nach folgt die Da­ten­aus­wer­tung. Win­ters­hall rech­net mit der Dau­er von ei­nem Jahr. Dann folgt die Über­le­gung, ob sich ei­ne Pro­be­boh­rung lohnt. Soll­te es zu ei­ner Erd­öl­för­de­rung kom­men, dürf­te dies frü­hes­tens in zwei Jah­ren der Fall sein. Ein Vi­deo zum The­ma se­hen Sie heu­te ab 18 Uhr auf Re­gi­oTV Bo­den­see und be­reits ab dem Nach­mit­tag auf Schwä­bi­sche. de

FO­TO: ROLAND RASEMANN

Bür­ger in­for­mie­ren sich bei ei­ner Win­ters­hall-Ver­an­stal­tung in St­ein­hau­sen über Mess­me­tho­den zur Öl­su­che zwi­schen Och­sen­hau­sen und Bad Wurzach. Das Ge­rät im Hin­ter­grund er­zeugt Er­schüt­te­run­gen, mit de­ren Hil­fe sich ein 3- D- Bild des Un­ter­grunds er­stel­len lässt.

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