Mos­kaus Ra­ke­ten­an­griff als Pu­tins Ge­burts­tags­ge­schenk

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von Ale­xei Ma­kart­sev, Ra­vens­burg

uss­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin fei­er­te sei­nen 63. Ge­burts­tag am Mitt­woch mit zwei be­son­de­ren Ge­schen­ken: ei­ner Um­fra­ge, wo­nach 80 Pro­zent der Rus­sen dem Kreml ver­trau­en (nur sie­ben Pro­zent tun das nicht) und ei­ner me­di­al wirk­sa­men Ra­ke­ten­at­ta­cke auf an­geb­li­che Stel­lun­gen des Is­la­mi­schen Staats (IS) von rus­si­schen Kriegs­schif­fen im Kas­pi­schen Meer.

Laut of­fi­zi­el­len Qu­el­len soll der Prä­zi­si­ons­an­griff aus ei­ner Ent­fer­nung von 1500 Ki­lo­me­tern al­le Zie­le ver­nich­tet ha­ben. Das ist al­les an­de­re als si­cher, doch die auf der In­ter­net­platt­form Youtu­be ge­stell­ten und mit Gra­fik auf­ge­pepp­ten Auf­nah­men von star­ten­den Marsch­flug­kör­pern ent­fal­ten be­reits ih­re pro­pa­gan­dis­ti­sche Wir­kung in der durch west­li­che Sank­tio­nen ge­schwäch­ten Groß­macht. Ihr Brut­to­in­lands­pro­dukt 2015 wird vor­aus­sicht­lich um 3,4 Pro­zent fal­len, doch zu­min­dest dür­fen die Rus­sen stolz dar­auf sein, dass ihr Land im Sy­ri­en­krieg den Ton an­gibt.

Der Ma­ri­ne-An­griff mar­kiert kei­nen Stra­te­gie­wech­sel in Pu­tins Luft­krieg ge­gen die Geg­ner des sy­ri­schen Herr­schers Ba­schar al-As­sad. Er soll viel­mehr der Welt de­mons­trie­ren, dass das Ar­senal Mos­kaus mit den Crui­se Mis­si­les auch je­ne Waf­fe um­fasst, die von der Su­per­macht USA im­mer wie­der gern be­nutzt wird. Es gibt auch prak­ti­sche Grün­de: Russ­lands Streit­kräf­te sind erst seit 2012 mit den Ra­ke­ten „Ka­li­br NK“aus­ge­rüs­tet und die Mi­li­tärs hat­ten nicht all­zu vie­le Ge­le­gen­hei­ten, sie un­ter Kampf­be­din­gun­gen zu tes­ten.

Au­ßer­dem sol­len rus­si­sche Bom­bar­de­ments nur dann ef­fi­zi­ent sein, wenn sie aus ei­ner nied­ri­gen Flug­hö­he er­fol­gen. An­ge­sichts der vor­han­de­nen Luft­ab­wehr der Re­bel­len­grup­pen ist dies ris­kant. Denn wäh­rend Pu­tin in Russ­land die sy­ri­sche Ope­ra­ti­on als Er­folg ver­kauft, kann er kei­ne Bil­der von ge­fan­gen ge­nom­me­nen Pi­lo­ten ge­brau­chen.

Der Schlacht­plan Mos­kaus dürf­te in­des un­ver­än­dert sein: Die An­grif­fe sol­len im Os­ten Sy­ri­ens den IS und an­de­re Ri­va­len As­sads tem­po­rär zu­rück­schla­gen und da­mit ei­ne Bo­den­of­fen­si­ve der sy­ri­schen Ar­mee er­mög­li­chen. So­bald dies er­reicht ist, dürf­te Pu­tin den Luft­krieg be­en­den. Von ih­ren Stütz­punk­ten bei La­ta­kia und in Tar­tus könn­ten die rus­si­schen Mi­li­tärs al­ler­dings As­sad je­der­zeit wie­der zur Hil­fe kom­men.

Po­li­tisch ver­folgt der Kreml das Ziel, die in­ter­na­tio­na­le Iso­la­ti­on zu durch­bre­chen und zu ei­nem ge­frag­ten Part­ner des Wes­tens im Kampf ge­gen den Ter­ror zu wer­den. Pu­tin nutzt zu­dem die Sy­ri­en-Kam­pa­gne als ein Mit­tel, um sei­ne Macht zu stär­ken und von den Miss­er­fol­gen im Re­form­pro­zess ab­zu­len­ken.

Eu­ro­pa zahlt al­ler­dings mit sei­ner Flücht­lings­kri­se ei­nen ho­hen Preis für Mos­kaus Be­mü­hun­gen, das Re­gime in Da­mas­kus zu er­hal­ten. In ei­ner Um­fra­ge un­ter sy­ri­schen Asyl­be­wer­bern in Deutsch­land nann­ten 70 Pro­zent gera­de die Kriegs­ge­walt des As­sad-Re­gimes als Grund für ih­re Flucht. Nur ein Drit­tel nann­te an ers­ter Stel­le die IS-Ter­ror­mi­liz.

FO­TO: AFP

Ra­ke­ten­start vom rus­si­schen Schiff.

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