„Raum­fahrt als Brü­cken­bau­er“

Heu­te ist der neue Esa-Chef Jan Wör­ner 100 Ta­ge im Amt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL -

MOSKAU (dpa) - Erst­mals seit ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert lei­tet wie­der ein Deut­scher die eu­ro­päi­sche Raum­fahrt­agen­tur Esa. Jan Wör­ner zieht nach 100 Ta­gen im Amt ei­ne ers­te Bi­lanz. Die Fra­ge der Na­tio­na­li­tät sei nicht das Wich­tigs­te. „Wir sind ei­ne glo­bal agie­ren­de Ge­mein­de“, sagt der frü­he­re Chef des Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt (DLR) im In­ter­view mit Wolf­gang Jung. Gleich­wohl kämpft er dar­um, dass Eu­ro­pa von den Raum­fahrt­na­tio­nen USA und Russ­land ernst ge­nom­men wird. Was war für Sie die größ­te Um­stel­lung vom DLR zur Esa? Na ja, ei­ner­seits ist die Esa zwar ei­ne zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tung und da­mit sehr un­ab­hän­gig. An­de­rer­seits be­fin­det sie sich in der Er­war­tungs­hal­tung von 22 Mit­glieds­staa­ten und da­mit in ei­ner be­son­de­ren Ab­hän­gig­keit. Die­se Ba­lan­ce – und gleich­zei­tig das in­ne­re Ge­fü­ge mit Men­schen aus ver­schie­de­nen Län­dern mit un­ter­schied­li­chem kul­tu­rel­len Ur­sprung – ist schon ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung. Wie groß ist das Han­di­cap, als Eu­ro­pas Raum­fahrt­chef nie im Welt­raum ge­we­sen zu sein? Wie­so nie im Welt­raum? Na­tür­lich war ich im Welt­raum – ich bin es ja im­mer noch. Und zwar nicht nur in Ge­dan­ken, son­dern als As­tro­naut seit 61 Jah­ren in ei­nem per­fek­ten Raum­schiff: un­se­rer Er­de. Das In­ter­es­se in Deutsch­land an der Mis­si­on von Raum­fah­rer Alex­an­der Gerst war groß. Wann fliegt der nächs­te Deut­sche ins All? Wir ha­ben mit dem da­ma­li­gen EsaGe­ne­ral­di­rek­tor ver­ein­bart, dass 2018 wie­der ein As­tro­naut deut­scher Na­tio­na­li­tät zur ISS flie­gen soll. De­tails sind gera­de in der Klä­rung. Wie kann die Esa das In­ter­es­se nut­zen, das die Ro­set­ta-Mis­si­on und der Raum­flug von Alex­an­der Gerst bei vie­len aus­ge­löst ha­ben? As­tro­nau­ten sind idea­le Bot­schaf­ter für die Raum­fahrt. Aber ne­ben der Fas­zi­na­ti­on ist auch klar: Raum­fahrt hat ei­nen Nut­zen. Sie ist fes­ter Be- stand­teil für vie­le Ak­ti­vi­tä­ten auf der Er­de – Kom­mu­ni­ka­ti­on, Na­vi­ga­ti­on, For­schung. Trotz­dem brau­chen wir Fas­zi­na­ti­on. Sie hilft uns, bei al­len ir­di­schen Pro­ble­men den Glau­ben an ei­ne ge­stal­tungs­fä­hi­ge Zu­kunft zu er­hal­ten. Wie stel­len Sie sich an­ge­sichts der ak­tu­el­len po­li­ti­schen Pro­ble­me die Zu­sam­men­ar­beit mit Russ­land vor? Gera­de in Zei­ten ir­di­scher Kri­sen ist die Raum­fahrt als Brü­cken­bau­er ak­tiv. Das ist über­aus er­freu­lich und sehr wich­tig. Der Esa kommt hier ei­ne be­son­de­re Rol­le zu, weil wir von Ost und West glei­cher­ma­ßen als Part­ner an­er­kannt sind.

FO­TO: DLR/ DPA

Die Si­mu­la­ti­on zeigt die Raum­son­de Ro­set­ta, die bei Air­bus De­fence and Space in Immenstaad am Bo­den­see ge­baut wur­de, mit dem Lan­der Phil­ae im Lan­de­an­flug auf den Ko­me­ten Tschu­ri.

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