Der Elotau­rus be­wegt sich im Reich der Zah­len

Ernst Lorch öff­net am Wo­che­n­en­de die Tü­ren sei­nes Ate­liers in der Gor­hei­mer Stra­ße

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Chris­toph War­ten­berg

SIG­MA­RIN­GEN - Der Sig­ma­rin­ger Künst­ler Ernst Lorch lädt am Sams­tag und Sonn­tag je­weils von 14 bis 18 Uhr zu Ta­gen der of­fe­nen Tür in sei­ne Ate­lier­räu­me in der Gor­hei­mer Stra­ße 19 ge­gen­über dem al­ten Was­ser­werk ein. Lorch zeigt an­läss­lich sei­nes 80. Ge­burts­tags Kun­st­ob­jek­te, die zu gro­ßen Tei­len aus ge­fun­de­nen Din­gen be­ste­hen, die neu ar­ran­giert wur­den und so ei­ne ganz an­de­re Aus­sa­ge­kraft er­hal­ten. Im Mit­tel­punkt steht na­tür­lich der Elotau­rus (E.Lo. – Ernst Lorch) die my­thischmysthi­sche Fi­gur, die sich im­mer wie­der in den Ar­bei­ten von Lorch fin­det.

1992 hat­te Lorch letzt­ma­lig ei­ne brei­te Re­tro­spek­ti­ve sei­nes Werks im „La­bo­ra­to­ri­um zur Si­che­rung von Le­bens­spu­ren“ge­zeigt. Seit­dem sind 23 Jah­re ver­gan­gen, aber ei­ni­ge Kon­stan­ten ha­ben sich in Lorchs Wer­ken er­hal­ten. Da ist zum ei­nen das iro­nisch-nach­denk­li­che Spiel mit den My­then der ar­chai­schen Ge­schich­te, den Bil­dern und Sym­bo­len aus mi­noi­schem oder ägyp­ti­schem Er­be, und zum an­de­ren die Zah­len. Zah­len bie­ten ei­ne uni­ver­sa­le Be­trach­tung des Kos­mos, der sich in sei­nen Di­men­sio­nen oft nur noch ma­the­ma­tisch dar­stel­len lässt. Zu­gleich aber stel­len sie auch Be­gren­zun­gen dar, kon­kre­te Quan­ti­fi­zier­bar­kei­ten.

Das End­li­che und das Un­end­li­che ist in den Zah­len ge­fasst. So ste­hen sie auch für Le­ben und Tod und so er­klä­ren sich auch die mor­bi­den Zü­ge in vie­len Ar­bei­ten. Lorch re­flek­tiert den Le­bens­raum, der sich mit zahl­rei­chen Ge­fähr­ten durch­mes­sen lässt. Da gibt es Ob­jek­te, die an ägyp­ti­sche To­ten­bar­ken oder den Cha­rons­na­chen er­in­nern, Was­ser­fahr­zeu­ge schwim­men, be­la­den mit Zah­len und Zeit (ein Mo­dell der In­stal­la­ti­on aus der Skulp­tu­ren­aus­stel­lung vor zwei Jah­ren im Prin­zen­gar­ten) auf dem Was­ser.

Sei­ne Fund­stü­cke nennt Lorch hin und wie­der „Kul­tur­schrott“. Mal sind es schlich­te Iso­lier­plat­ten mit ei­ner in­ter­es­san­ten Ober­flä­chen­struk­tur, mal be­reits klei­ne Kunst­wer­ke, Frag­men­te von ehe­ma­li­gen Fi­gu­ren oder Ge­gen­stän­den. Aus die­sen to­ten Tei­len formt Lorch ein neu­es Le­ben. Das hat un­ver­hoh­le­ne re­li­giö­se Zü­ge, wenn auch nicht auf Grund­la­ge ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on. Je­des Ding und auch je­de Idee hat ei­ne Zu­kunft. Sinn­ver­wand­tes im Zi­tat Vie­le der Ar­bei­ten le­ben auch vom Zi­tat, dem künst­le­ri­schen und dem li­te­ra­ri­schen ne­ben dem re­li­giö­sen. So kann man sich vor die ein­zel­nen Wer­ke stel­len und nach ih­ren Ur­sprün­gen su­chen. Man­che Na­men ge­ben Hin­wei­se oder bie­ten As­so­zia­tio­nen an, wo­bei sich in­halt­li­che Stan­dard­grö­ßen und -sym­bo­le zu im­mer neu­en Kom­bi­na­tio­nen zu­sam­men­stel­len. Das Vor­bild des Elotau­rus, der Mi­no­tau­rus der My­tho­lo­gie, ist ein men­schen­fres­sen­des Un­ge­heu­er in ei­nem La­by­rinth. Der Elotau­rus hin­ge­gen fin­det sich in ei­nem La­by­rith, aus dem er, teils ver­zwei­felt, ei­nen Aus­weg sucht. Sym­bo­le für mög­li­che Aus­we­ge fin­det man in den Ar­bei­ten von Lorch.

Im hin­te­ren Teil der Aus­stel­lung ist ein Be­reich, in dem der Be­su­cher auch „Ur-lotau­ri­sche„ Ar­bei­ten se­hen kann, Wer­ke die vor dem auf­tau­chen des Elotau­rus ge­schaf­fen wur­den. Auch hier sieht man das ge­bro­che­ne Zi­tat, bei­spiels­wei­se nach Hen­ry Moo­re oder Pa­blo Pi­cas­so

Die Rät­sel­haf­tig­keit der Exis­tenz, die der Künst­ler zu er­schlie­ßen sucht, bleibt den­noch im­mer ver­schlos­sen. Gleich am An­fang der Aus­stel­lung sieht man ein Ob­jekt, das sich auf Kaf­kas Pa­ra­bel „Vor dem Ge­setz“be­zieht, in der ein Mann die To­re des Ge­set­zes öff­nen möch­te, was ihm bis zu sei­nem Tod ver­wehrt bleibt. Man könn­te mut­ma­ßen, dass er im To­de das Ge­setz er­kennt. Die Aus­stel­lung ist an bei­den Ta­gen je­weils von 14 bis 18 Uhr zu se­hen. Wei­te­re Be­su­che sind nach te­le­fo­ni­scher Ver­ein­ba­rung un­ter 07571/ 685 20 13 mög­lich.

FO­TO: CHRIS­TOPH WAR­TEN­BERG

Ernst Lorch steht in sei­nem Ate­lier vor ei­ner der gro­ßen Elotau­rus- Fi­gu­ren

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.