Kret­sch­mann prak­ti­ziert das Ge­hört­wer­den

Mi­nis­ter­prä­si­dent übt sich aber auch im Wi­der­spruch zu man­cher ge­äu­ßer­ten Mei­nung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Ru­di Mul­ter

BAD SAUL­GAU – „Das Ge­hört­wer­den wird bei uns ernst ge­nom­men, das fließt mit ein“: Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne), Mi­nis­ter­prä­si­dent und de­si­gnier­ter Spit­zen­kan­di­dat der Grü­nen für die Land­tag­wahl im kom­men­den Jahr, hat bei der vom Kreis­ver­band der Grü­nen or­ga­ni­sier­ten Wahl­kampf­ver­an­stal­tung am Di­ens­tag im Stadt­fo­rum in Bad Saul­gau Bür­ger­mei­nun­gen zu­min­dest auch ge­gen ei­nen ge­wis­sen Wi­der­stand des Ver­an­stal­ters zu Wort kom­men las­sen. Zum Schluss der Dis­kus­si­on wies Kret­sch­mann gar Mo­de­ra­tor Klaus-Ernst Har­ter in die Schran­ken. Har­ter hat­te die Dis­kus­si­on be­en­den und ei­ne letz­te Wort­mel­dung nicht mehr zu­las­sen wol­len. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent gab ei­nem Kri­ti­ker der ge­plan­ten Wind­kraft­an­la­ge in Klein­tis­sen trotz­dem die Mög­lich­keit, sei­ne Sicht der Din­ge zu schil­dern.

„Ge­hört­wer­den ist aber nicht gleich­be­deu­tend mit Er­hört­wer­den“, mach­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent al­ler­dings auch im voll­be­setz­ten Saal deut­lich. Das sah dann so aus: Kret­sch­mann hör­te ge­dul­dig zu, ver­tei­dig­te sei­ne Po­si­tio­nen oder ver­wies auf die Be­hör­den. Sie sei­en für die Ge­neh­mi­gung von Pro­jek­ten wie dem gro­ßen Kuh­stall in Hah­nen­nest bei Os­trach oder von Wind­ener­gie­an­la­gen zu­stän­dig und an Recht und Ge­setz ge­bun­den. Schrö­ter be­klagt we­nig Ver­trau­en Wi­der­spruch ern­te­te Bür­ger­meis­te­rin Do­ris Schrö­ter mit ih­rer Kri­tik am Zu­stand der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung. „Die An­stren­gun­gen für ei­nen Flä­chen­nut­zungs­plan Wind­ener­gie wa­ren für die Katz“, klag­te die Bür­ger­meis­te­rin bei der Be­grü­ßung. Mit viel Auf­wand ha­be die Stadt ei­ne Kon­zen­tra­ti­ons­flä­che aus­wei­sen wol­len, „um die Ver­spar­ge­lung der Land­schaft zu ver­mei­den“. Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um hat die Pla­nung nicht ak­zep­tiert. Städ­te und Ge­mein­den brauch­ten au­ßer der fi­nan­zi­el­len Aus­stat­tung auch Hand­lungs­frei­heit, Ver­trau­en und Ver­läss­lich­keit, for­der­te das Stadt­ober­haupt.

Un­ter der am­tie­ren­den Lan­des­re­gie­rung ge­he es den Kom­mu­nen so gut wie nie, auch was die fi­nan­zi­el­le Aus­stat­tung an­ge­he, kon­ter­te Kret­sch­mann. „Es gibt kei­ne über­schul­de­ten Kom­mu­nen in Ba­denWürt­tem­berg“, so der Mi­nis­ter­prä­si­dent. „Au­len­dorf hat 30 Mil­lio­nen vom Land ge­kriegt. Die wer­den es

TRAUERANZEIGEN jetzt doch hin­krie­gen“, ant­wor­te­te er auf Zwi­schen­ru­fe. Kret­sch­mann for­der­te die Bad Saul­gau­er Bür­ger­meis­te­rin auf, in ei­nem Brief zu er­klä­ren, wo das Land in die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung ein­ge­grif­fen ha­be.

Bad Saul­gau, die Lan­des­haupt­stadt der Bi­o­di­ver­si­tät, als die von der Bür­ger­meis­te­rin vor­ge­stell­te „Grü­ne Vor­zei­ge­stadt, zu­min­dest im bo­ta­ni­schen Sinn“er­hält da­ge­gen Kret­sch­manns Bei­fall. Es sei ein Bei­spiel, wie ei­ne Stadt mit ih­ren Stär­ken ar­bei­ten kön­ne. Kret­sch­mann: „Das ist kei­ne grü­ne Spiel­wie­se“, dar­aus müs­se et­was ge­macht wer­den, bei­spiels­wei­se im Tou­ris­mus.

Von Ängs­ten bei der Ver­wen­dung der ja­pa­ni­schen Schu­le, aber auch von der tol­len Idee, die­se Schu­le als In­ter­nat für un­be­glei­te­te Flücht­lings­kin­der zu nut­zen, spricht ein Zu­hö­rer. Doch Kon­ver­si­ons­ide­en ge­be es auch in Ge­mein­den mit Ka­ser­nen, schil­dert Kret­sch­mann die La­ge in an­de­ren Kom­mu­nen. Auch die­se Ide­en könn­ten nicht um­ge­setzt wer­den, weil die Ka­ser­nen als Flücht­lings­un­ter­künf­te ge­braucht wür­den. Kret­sch­mann will nicht ver­spre­chen, dass die frü­he­re Schu­le nicht be­legt wird, gibt aber den Rat: „Le­gen Sie Ih­re Pro­jekt nicht auf Eis.“So­bald sich die Si­tua­ti­on ent­span­ne, wer­de­man die Sa­che an­ge­hen. Ver­ant­wor­tung der USA „Das müs­sen sie dem Oba­ma sa­gen und nicht mir“, ant­wor­te­te Kret­sch­mann auf ei­ne An­fra­ge aus dem Pu­bli­kum. Er hat­te die Mit­ver­ant­wor­tung der USA für die Kri­se im Na­hen Os­ten be­nannt und Hil­fe der Staa­ten bei der Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se ein­ge­for­dert.

Bei der letz­ten Wort­mel­dung geht es dann auch noch um das Ge­hört­wer­den per E-Mail. Der Kri­ti­ker der ge­plan­ten Wind­kraft­an­la­ge in Klein­tis­sen ver­misst ei­ne Ant­wort auf ei­ne Mail an den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Kret­sch­mann: „Ich kann nicht hun­dert Mals am Tag per­sön­lich be­ant­wor­ten. Ich muss auch mal re­gie­ren.“

Aber ei­ne Ant­wort müs­se sein. Da die­se ver­misst wird, küm­mert sich Kret­sch­mann jetzt doch per­sön­lich dar­um. Mehr zum Be­such von Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann, dar­un­ter ein In­ter­view von Re­gi­oTV, fin­den Sie im In­ter­net un­ter

www. schwa­ebi­sche. de

FO­TO: THO­MAS WARNACK

Vol­les Stadt­fo­rum bei der Bür­ger­ver­samm­lung, vol­les Stadt­fo­rum bei Kret­sch­manns Be­such. Der Groß­teil der Gäs­te kommt, um sich über den Stand der Din­ge hin­sicht­lich der Flücht­lin­ge in der ja­pa­ni­schen Schu­le zu in­for­mie­ren.

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