Mann soll Toch­ter jah­re­lang miss­braucht ha­ben

44-jäh­ri­ger Alb­städ­ter ist in 65 Fäl­len an­ge­klagt – Die wei­te­re Ver­hand­lung läuft nicht­öf­fent­lich

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ALB / LAUCHERT -

ALB­STADT (oha) - Schwe­re Vor­wür­fe er­hebt die Staats­an­walt­schaft He­chin­gen ge­gen ei­nen 44-jäh­ri­gen Alb­städ­ter: Er soll sei­ne min­der­jäh­ri­ge Toch­ter jah­re­lang se­xu­ell miss­braucht ha­ben. In die­ser Ver­hand­lung gel­te es zu klä­ren, wer die Wahr­heit sagt und wer nicht, mach­te der vor­sit­zen­de Rich­ter Her­bert An­de­rer ges­tern beim Pro­zess­auf­takt ge­gen ei­nen 44-Jäh­ri­gen aus Alb­stadt deut­lich.

Der Mann soll sich zwi­schen 2009 und 2013 re­gel­mä­ßig an sei­ner Toch­ter ver­gan­gen ha­ben – an­fangs et­wa ein bis zwei Mal pro Mo­nat, spä­ter gar wö­chent­lich. Zu Be­ginn der Ta­ten war die Toch­ter zwölf Jah­re alt. Laut An­kla­ge­schrift der Staats­an­walt­schaft soll es zu un­ter­schied­li­chen se­xu­el­len Hand­lun­gen ge­kom­men sein – dar­un­ter Ge­schlechts­ver­kehr aber auch der Zwang zu Oral­ver­kehr.

Al­le Ta­ten sol­len in der häus­li­chen Um­ge­bung statt­ge­fun­den ha­ben. So ha­be der Va­ter die Ab­we­sen­heit der Mut­ter ge­nutzt, um sei­ne Toch­ter zu miss­brau­chen. Laut Staats­an­walt­schaft hät­te der Mann mit sei­ner Toch­ter so­gar im Ehe­bett Ge­schlechts­ver­kehr ge­habt, wäh­rend die Mut­ter fest schlief.

Die Staats­an­walt­schaft er­hebt des­halb An­kla­ge we­gen des schwe­ren Miss­brauchs von Kin­dern in 23 Fäl­len und we­gen 42 Ver­bre­chen des schwe­ren Miss­brauchs von Schutz­be­foh­le­nen. Laut Straf­ge­setz­buch liegt Miss­brauch von Kin­dern bei Op­fern un­ter 14 Jah­ren vor – Miss­brauch von Schutz­be­foh­le­nen bei Op­fern zwi­schen 14 und 18 Jah­ren. Zu­dem muss sich der 44-Jäh­ri­ge we­gen des Beischlafs zwi­schen Ver- wand­ten vor der Gro­ßen Ju­gend­kam­mer des He­chin­ger Land­ge­rich­tes ver­ant­wor­ten. Der Mann ha­be der Staats­an­walt­schaft zu­fol­ge dem Mäd­chen mit Schlä­gen ge­droht, soll­te sie je­man­den von den Vor­fäl­len er­zäh­len. Zur An­zei­ge soll es schließ­lich ge­kom­men sein, nach­dem die heu­te 18-Jäh­ri­ge ih­rer Leh­re­rin da­von er­zählt hat­te.

Nach Ver­le­sen der An­kla­ge­schrift wur­de ges­tern die Öf­fent­lich­keit vom Rest der Ver­hand­lung aus­ge­schlos­sen. Auch in den kom­men­den Sit­zun­gen soll nicht­öf­fent­lich ver­han­delt wer­den. Neun Fort­set­zungs­ter­mi­ne sind an­ge­setzt, an de­nen un­ter an­de­rem das psy­cho­lo­gi­sche Gut­ach­ten und die Glaub­haf­tig­keits­be­gut­ach­tung vor­ge­stellt und 22 Zeu­gen ge­hört wer­den. Die Öf­fent­lich­keit wur­de nach An­trag der Ne­ben­klä­ge­rin aus­ge­schlos­sen, da es ins­be­son­de­re die In­tim­sphä­re der Fa­mi­lie zu schüt­zen gilt. Ne­ben dem ver­meint­li­chen Op­fer selbst, sol­len auch des­sen Mut­ter und Ge­schwis­ter im Zeu­gen­stand aus­sa­gen.

Im Pro­zess wer­de es haupt­säch­lich dar­um ge­hen, her­aus­zu­fin­den, wel­che Tei­le der Aus­sa­gen ve­ri­fi­ziert wer­den kön­nen, er­klär­te der Rich­ter. Er be­ton­te, dass je­der Zwei­fel zu­guns­ten des An­ge­klag­ten ge­wer­tet wer­den müs­se. Und über­wie­gen die Zwei­fel, kön­ne es letzt­lich zum Frei­spruch füh­ren. Zu den Tat­vor­wür­fen woll­te sich der 44-jäh­ri­ge Alb­städ­ter ges­tern nicht äu­ßern. An­ga­ben zu sei­ner Per­son mach­te er nicht­öf­fent­lich. In der An­kla­ge­schrift wur­de be­reits deut­lich, dass der An­ge­klag­te schon zu­vor we­gen ein­schlä­gi­ger Ta­ten ver­ur­teilt wor­den ist.

„Das Ge­richt muss je­den Zwei­fel zu­guns­ten des An­ge­klag­ten prü­fen. Das kann auch zum Frei­spruch füh­ren“,

sagt der vor­sit­zen­der Rich­ter

Her­bert An­de­rer.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.