Der „Geist von Ruit“wird auf­ge­frischt

Sport­schu­le auf den Fil­dern er­hält 2016 ei­nen neu­en Cam­pus – Ho­en­eß, Rang­nick und Ro­le­der näch­tig­ten be­reits in der Ta­l­ent­schmie­de

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Michael Bol­len­ba­cher

OST­FIL­DERN - Der Geist von Spiez, ge­formt am Thu­n­er­see vor dem „Wun­der von Bern“1954, wird spä­tes­tens vor je­der Welt­meis­ter­schaft aus den Fuß­ball-An­na­len her­vor­ge­kramt. Auch vom Geist von Ma­len­te, wo sich Breit­ner, Mül­ler und Be­cken­bau­er in ei­ner Sport­schu­le ir­gend­wo im Nir­gend­wo von Schles­wig-Hol­stein auf den WM-Ti­tel 1974 ein­schwo­ren, ist häu­fig die Re­de.

Wenn Her­bert Rösch, zwölf Jah­re lang Prä­si­dent des Würt­tem­ber­gi­schen Fuß­ball­ver­ban­des, in der Sport­schu­le in Ost­fil­dern vom „Geist von Ruit“spricht, klingt das eher nach ei­ner Mi­nia­tur­aus­ga­be ei­nes My­thos’ – da­bei wa­ren in der Fil­der­schmie­de un­ter an­de­rem Ott­mar Hitz­feld, Jür­gen Klins­mann und ver­schie­dens­te Na­tio­nal­mann­schaf­ten zu Gast. Das größ­te Bau­vor­ha­ben seit 30 Jah­ren Ak­tu­ell er­hält die ar­chi­tek­to­nisch in die Jah­re ge­kom­me­ne Rui­ter Sport­schu­le ei­nen neu­en An­strich: Bis Ju­ni 2016 soll ein neu­es Cam­pus­ge­bäu­de für rund neun Mil­lio­nen Eu­ro fer­tig­ge­stellt wer­den, im kom­men­den Ju­li wer­den dann schon die Schieds­rich­ter der U19-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in den neu­en Schlaf­sä­len näch­ti­gen. Die EM fin­det vom 11. bis 24. Ju­li in Ba­den-Würt­tem­berg statt, un­ter an­de­rem mit Spiel­or­ten in Stutt­gart und an der Kreu­zei­che in Reut­lin­gen.

Am Di­ens­tag tra­fen sich Ver­bands- und Po­li­tik­ver­tre­ter so­wie Ar­chi­tek­ten zum Richt­fest des neu­en Cam­pus. Als „größ­tes Bau­vor­ha­ben seit 30 Jah­ren“be­zeich­net der ak­tu­el­le WFV-Prä­si­dent Mat­thi­as Schöck

AN­ZEI­GE das Ge­bäu­de, der mit Emp­fang, Ver­wal­tung, Un­ter­richts­räu­men und Lehr­kräf­te­zen­trum auf vier Stock­wer­ken hoch­ge­zo­gen sind. Die Kos­ten für den 3000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Neu­bau auf den 16 Hekt­ar Sport­schu­le­ge­län­de tei­len sich der WFV, der Würt­tem­ber- gi­sche Lan­des­sport­bund (WLSB) und die Sport­und Ju­gend­leit­erschu­le Ruit-Nel­lin­gen Gm­bH. Kul­tus­mi­nis­ter Andre­as Stoch (SPD) sprach beim Richt­fest da­von, dass das „sprö­de Cre­do ei­nes Dop­pel­zim­mers“in der Ver­gan­gen­heit zwar oft zu Te­am­buil­ding ge­führt ha­be, ei­ne Mo­der­ni­sie­rung „des Vor­zei­ge­pro­jek­tes“aber un­ver­meid­bar sei. Und den­noch: Trotz Verjüngungskur und der Tat­sa­che, dass die Fuß­ball­pro­fis von heu­te das Fünf-Ster­ne-Haus dem Nost­al­gie­ge­fühl von knir­schen­den Bet­ten vor­zie­hen, hat das Re­nom­mee der Sport­schu­le Ruit kaum ge­lit­ten. Sepp Mai­er moch­te die Kan­ti­nen-Da­me „2014 wa­ren vor der WM die Chi­le­nen da, 2002 wa­ren es Ar­gen­ti­ni­en und auch Deutsch­land mit Michael Bal­lack“, er­zählt Chef­koch Krät­zer, – sein Vor­na­me ist laut ei­ge­ner Aus­sa­ge Be­triebs­ge­heim­nis –, der seit 25 Jah­ren mit sei­ner Frau in der Sport­schu­le so­wohl Ama­teu­re als auch Pro­fis be­kocht.

Aus dem Näh­käst­chen will er nicht plau­dern, nur ei­ne Ge­schich­te zu Sepp Mai­er gibt er preis. Ein­mal sei die Kaf­fee­ma­schi­ne aus­ge­fal­len, al­so muss­te sei­ne Frau die Spie­ler be­die­nen. Sepp Mai­er lehn­te zu­nächst ab. „Als er je­doch mei­ne Frau sah, hat er sei­ne Mei­nung kur­zer­hand ge­än­dert“, er­zählt Krät­zer: „So, jetzt möch­te ich doch ei­nen, Mäd­chen – weil ich dich so ger­ne lau­fen se­he, hat er ge­sagt.“Ruit war be­reits früh auch An­zie­hungs­punkt für rus­si­sche und ukrai­ni­sche Mann­schaf­ten, die die in den 80er-Jah­ren noch ra­re Ra­sen­hei­zung und die gu­te Phy­sio­the­ra­pie schätz­ten. „Auch die La­ge ist su­per: Fünf Mi­nu­ten fährt man nach Ess­lin­gen, fünf­zehn Mi­nu­ten bis nach Stutt­gart und zehn Mi­nu­ten bis zum Flug­ha­fen“, sagt Eh­ren­prä­si­dent Rösch.

Von Ruit be­ein­druckt wur­de auch der heu­ti­ge Leip­zi­ger Trai­ner Ralf Rang­nick: Bei ei­nem Du­ell zwi­schen Dy­na­mo Kiew und Vik­to­ria Backnang, vom da­mals 26-jäh­ri­gen Schwa­ben trai­niert, trau­te die­ser sei­nen Au­gen kaum, als die Mann­schaft von Wa­le­rij Lo­ba­now­ski sei­ne Backnan­ger an die Wand spiel­te. Rang­nick war gleich so be­ein­druckt, dass er mehr­fach nach Ruit hoch­fuhr, um sich vom ball­ori­en­tier­ten Sys­tem des Ukrai­ners Ide­en für sei­ne ei­ge­ne Spiel­phi­lo­so­phie zu ho­len.

Mit dem neu­en Cam­pus stellt die Sport­schu­le die Wei­chen für die Zu­kunft. Und wer weiß: Viel­leicht ver­hilft der auf­ge­frisch­te „Geist von Ruit“ja dem ein- oder an­de­ren Nach­wuchs­pro­fi zu ei­ner er­folg­rei­chen Kar­rie­re – die Re­gi­on Stutt­gart wür­de fuß­bal­le­ri­sche Er­folgs­er­leb­nis­se je­den­falls sehn­lichst er­war­ten.

FO­TO: MICB

Im Zei­chen des Sports: das Cam­pus­ge­bäu­de der Sport­schu­le.

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