Bun­des­wehr er­war­tet mo­na­te­lan­gen Ein­satz

Hun­der­te Sol­da­ten täg­lich in der Flücht­lings­hil­fe – Re­ser­vis­ten wer­den ak­ti­viert

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTT­GART - We­gen der Flücht­lings­kri­se stellt sich auch die Bun­des­wehr auf mo­na­te­lan­ge Hilfseinsätze ein. Bis­lang ge­he man da­von aus, bis 2016 im Ein­satz zu sein, sag­te der Kom­man­deur des Lan­des­kom­man­dos Ba­den-Würt­tem­berg in Stutt­gart, Chris­ti­an Wal­kling.

Die Hil­fe be­gann in Sig­ma­rin­gen am 17. De­zem­ber 2014. Seit et­wa vier Wo­chen ist das Lan­des­kom­man­do in Kom­pa­nie­stär­ke im Ein­satz: Bis zu 200 Sol­da­ten täg­lich bau­en Bet­ten auf, er­rich­ten Zäu­ne, ent­la­den Last­wa­gen, hel­fen bei Re­gis­trie­run­gen oder in der Es­sen­aus­ga­be oder über­neh­men wie in der Mes­se Ulm die me­di­zi­ni­sche Erst­ver­sor­gung. Auch wenn die Bun­des­wehr für Un­glücks­und Ka­ta­stro­phen­fäl­le be­reit­ste­he, sei ein mo­na­te­lan­ger Ein­satz ei­ne lo­gis­ti­sche Her­aus­for­de­rung, sagt Wal­kling. Um ei­nen Pos­ten rund um die Uhr vor­zu­hal­ten, brau­che man ar­beits­recht­lich drei Sol­da­ten. Und so hat die Bun­des­wehr im Süd­wes­ten Übun­gen und Fort­bil­dun­gen zu­rück­ge­fah­ren. Trotz­dem ha­be man noch Luft – bin­nen vier St­un­den kön­ne man 60 wei­te­re Sol­da­ten ak­ti­vie­ren. Pro­fes­sor ne­ben IT-Ex­per­ten Im in­zwi­schen rund um die Uhr be­setz­ten La­ge­zen­trum in der Theo­dor-Heuss-Ka­ser­ne in Bad Cann­statt hat die Bun­des­wehr qua­li­fi­zier­te Re­ser­vis­ten als Of­fi­ziers­stab zu­sam­men­ge­zo­gen: Gera­de prüft ein Päd­ago­gik­pro­fes­sor ei­ne Hilfs­an­fra­ge, da­ne­ben sitzt ein IT-Be­ra­ter. Al­lein an die­sem Don­ners­tag sind 44 Re­ser­vis­ten im Di­enst, vie­le im La­ge­zen­trum und in der Len­kungs­grup­pe beim In­nen­mi­nis­te­ri­um. „Wir ha­ben ei­nen gu­ten Be­or­de­rungs­stand und kön­nen auf ei­ne drei­stel­li­ge Zahl von Re­ser­vis­ten zu­rück­grei­fen“, sagt Wal­kling. Oh­ne die Re­ser­vis­ten wä­re die Ar­beit auf Dau­er nicht leist­bar.

Der Ein­satz um­fasst nicht nur die Hil­fe durch Sol­da­ten und die Be­reit­stel­lung von Ka­ser­nen wie in Ell­wan­gen oder Im­men­din­gen: Last­wa­gen, Bus­se, Rönt­gen­ge­rä­te und Ga­bel­stap­ler aus Bun­des­wehr­be­stän­den sind im Ein­satz. Auch Ma­te­ri­al wird ge­lie­fert – Feld­bet­ten sind bei der Ar­mee bun­des­weit nicht mehr ver­füg­bar.

Was der Ein­satz kos­tet, kann Wal­kling noch nicht sa­gen: Der­zeit ar­bei­te er nach dem Prin­zip „Ma­xi­ma­le Ku­lanz“. Zu­erst wer­de ge­han­delt. „Das, was wir an Pa­pier be­ar­bei­ten müs­sen, ma­chen wir nach­her“. und Be­völ­ke­rung er­leich­tern“, sag­te Rohm. „Wir wol­len die Asyl­be­wer­ber da­mit nicht zu gu­ten Deut­schen ma­chen.“Bei den Ver­hal­tens­re­geln han­de­le es sich um Emp­feh­lun­gen nach Be­schwer­den, die über­wie­gend von Bür­gern an das Rat­haus her­an­ge­tra­gen wor­den sei­en.

Zet­tel zu ver­tei­len, auf de­nen Vor­ur­tei­le an­ein­an­der­ge­reiht wer­den, tra­ge kei­nes­wegs da­zu bei, die Ängs­te der Bür­ger ab­zu­bau­en, sagt hin­ge­gen die Vor­sit­zen­de des Flücht­lings­rats Ba­den-Würt­tem­berg An­ge­li­ka von Lo­eper. „Ich hal­te das für ei­nen fal­schen An­satz und hoch­pro­ble­ma­tisch“, sagt sie. „Das nährt mei­ner An­sicht nach ras­sis­ti­sche Ten­den­zen.“Das In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um woll­te sich nicht äu­ßern.

Doch nicht al­le tei­len die kri­ti­sche Auf­fas­sung: „Das ist im Grun­de ge­nom­men al­les wohl­wol­lend ge­meint und soll den Flücht­lin­gen ei­gent­lich nur hel­fen, mit den Re­geln hier ver­traut zu wer­den“, sag­te der evan­ge­li­sche Pfar­rer der Ge­mein­de, Mar­kus Kel­ler, am Don­ners­tag dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst. Und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Ba­reiß, Be­zirks­vor­sit­zen­der der CDU Würt­tem­berg-Ho­hen­zol­lern, fin­det: „Wir brau­chen jetzt kla­re und un­miss­ver­ständ­li­che In­te­gra­ti­ons­re­geln. Hard­heim soll­te ein Bei­spiel für ganz Ba­den-Würt­tem­berg sein.“ Die Re­geln im Wort­laut: schwa­ebi­sche.de/hard­heim

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