Erst die Er­kennt­nis, dann die Ver­let­zung

Na­tio­nal­spie­ler Ma­rio Göt­ze will sein Image auf­po­lie­ren – In Du­blin muss er schon nach 35 Mi­nu­ten vom Platz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

MÜNCHEN (dpa/sz) - Zu­letzt lief es bei Ma­rio Göt­ze. Beim FC Bay­ern München hat­te sich der edels­te un­ter den Edel­re­ser­vis­ten zu­letzt in der Start­elf fest­ge­spielt und vor al­lem ge­gen sei­nen Ex-Klub Bo­rus­sia Dort­mund mit ei­ner herr­li­chen Vorl­ge und dem fi­na­len 5:1 auf­ge­trumpft. Kein Wun­der so­mit, dass Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw den 23-Jäh­ri­gen auch am Don­ners­tag­abend in Ir­land auf­bot – als fal­sche Neun. Doch der Auf­tritt en­de­te früh: Be­reits in der 35. Mi­nu­te muss­te er nach ei­nem Foul von Ja­mes McCar­thy mit ei­ner schwe­ren Ad­duk­to­ren­ver­let­zung vom Platz. DFB-Mann­schafts­arzt Hans-Wil­helm Mül­ler-Wohl­fahrt be­glei­te­te ihn in die Ka­bi­ne. Zu­vor hat­te der ge­bür­ti­ge Mem­min­ger nur ei­ne Tor­mög­lich­keit: Nach ei­ner Vor­la­ge von Mat­thi­as Gin­ter blieb sein Schuss al­ler­dings in der iri­schen Ab­wehr hän­gen (15.).

Wie lan­ge Göt­ze tat­säch­lich aus­fällt, bleibt ab­zu­war­ten. Sein Pro­jekt: „Ich po­lie­re mein Image auf“muss vor­erst wie­der ein biss­chen ru­hen. Denn vor der Par­tie in Ir­land hat­te Göt­ze, der Sieg­tor­schüt­ze der DFBElf im WM-Fi­na­le 2014 von Rio, der „Süd­deut­schen Zei­tung“ein gro­ßes In­ter­view ge­ge­ben, in dem er auch auf sein nicht un­be­dingt vor­teil­haf­tes Image ein­ging und zu­gab, dar­an ei­ne Teil­schuld zu ha­ben. „Ich ha­be ei­ge­ne Feh­ler ge­macht, aber auch vie­le Din­ge er­tra­gen müs­sen, die ver­dreht wur­den“, sag­te er mit Ver­weis auf den Wech­sel von Dort­mund nach München im Som­mer 2013, den sich die Bay­ern da­mals stol­ze 37 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten lie­ßen.

„Wahr­schein­lich ha­ben die Leu­te ge­dacht: Der ist nur we­gen des Gel­des hin­ge­gan­gen. Das ist kein gu­ter Mensch“, sag­te Göt­ze. Er ha­be die­sen Vor­wurf je­doch nie klar ent­kräf­tet. „Heu­te weiß ich: Spä­tes­tens zu Be­ginn der Sai­son­vor­be­rei­tung in München hät­te ich den Wech­sel of­fen­siv er­klä­ren sol­len. Ich hät­te mei­ne sport­li­chen Mo­ti­ve nen­nen und al­le Spe­ku­la­tio­nen ge­ra­de­rü­cken kön­nen, dann wä­re die Sa­che viel­leicht zu En­de ge­we­sen. Aber so wur­de flei­ßig rumin­ter­pre­tiert.“ „Ich wür­de sehr ger­ne ein Ge­sicht des FC Bay­ern wer­den“Weil er zu Be­ginn sei­ner Zeit in der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt auch noch ver­letzt war, „konn­te ich auf dem Ra­sen auch nicht gleich ge­gen die­ses Image an­spie­len“. Er sprach von „un­glaub­lich vie­len Miss­ver­ständ­nis­sen, die mit mei­ner Per­son zu­sam­men­hän­gen“. So hat­te er es von An­fang an schwer beim deut­schen Bran­chen­pri­mus und des­sen An­hän­gern. Heu­te glaubt er: „Die letz­ten bei­den Jah­re wa­ren je­den­falls wie ein Rei­fe­pro­zess für mich.“

Die­ser Pro­zess soll nun da­hin füh­ren, dass sich der Na­tio­nal­spie­ler end­lich dau­er­haft beim Re­kord­meis­ter durch­setzt. „Ich wür­de sehr ger­ne ein Ge­sicht des FC Bay­ern wer­den“, er­klär­te Göt­ze. Da­bei schien noch vor der Sai­son ein Weg­gang des Edel­tech­ni­kers nicht aus­ge­schlos­sen, Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­list Ju­ven- tus Tu­rin et­wa hat­te In­ter­es­se an ei­ner Ver­pflich­tung. Für Göt­ze selbst sei dies aber kein The­ma ge­we­sen. „Ich ha­be mich nie da­mit be­fasst, wo­an­ders hin­zu­ge­hen. Auch jetzt im Som­mer nicht. Das war nie ein Ge­dan­ke“, be­haup­te­te er.

Vor al­lem die vie­len Ein­sät­ze als Ein­wech­sel­spie­ler in der Vor­sai­son hat­ten die Ver­mu­tung na­he­ge­legt, Trai­ner Pep Guar­dio­la ste­he nicht klar hin­ter ihm. Vor der Sai­son hat­te Göt­ze des­halb so­gar lei­se Kri­tik am ka­ta­la­ni­schen Coach ge­äu­ßert. „Das war nicht leicht für mich, gera­de in Bar­ce­lo­na, wo wir vie­le Ver­letz­te hat­ten und ich ge­dacht ha­be: Jetzt rutsch ich viel­leicht rein ins Team. Aber es gab und gibt zwi­schen uns kein Pro­blem“, be­haup­te­te Göt­ze nun über sein Ver­hält­nis zum Coach.

Bun­des­trai­ner Löw scheint ihm dies zu glau­ben. „Es gab si­cher auch ei­ne Zeit, wo er bei Bay­ern München viel­leicht et­was un­zu­frie­den war, aber es wur­de dar­über in­tern ge­spro­chen“, hat­te Löw vor dem An­pfiff in Du­blin ge­sagt. Er wis­se aus München, „dass Pep Guar­dio­la die Be­las­tung auf die ein­zel­nen Spie­ler ver­tei­len will und da­her auf Ro­ta­ti­on setzt“. Es bleibt ab­zu­war­ten, wann der Of­fen­siv­spie­ler wie­der zu­rück­kehrt. Dem DFB wird er am Sonn­tag ge­gen Ge­or­gi­en auf je­den Fall feh­len.

FO­TO: IMAGO

Frü­her Di­enst­schluss: Ma­rio Göt­ze mit Tea­m­arzt Hans-Wil­helm Mül­lerWohl­fahrt ( rechts).

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