Ve­rin­gen soll drei Wind­rä­der be­kom­men

Stadt und EnBW stel­len das Pro­jekt in ei­ner Bür­ger­ver­samm­lung vor

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Ignaz Stös­ser

Stadt und EnBW stel­len das Pro­jekt in ei­ner Bür­ger­ver­samm­lung vor.

VE­RIN­GEN­STADT - Die EnBW hat am Don­ners­tag in ei­ner Bür­ger­ver­samm­lung in Ve­rin­gen­stadt Plä­ne für ei­nen Wind­park vor­ge­stellt. Auf der An­hö­he in Rich­tung In­ne­rin­gen be­ab­sich­tigt der Ener­gie­ver­sor­ger drei Wind­rä­der zu bau­en. Vor­ge­se­hen ist, noch in die­sem Jahr Pacht­ver­trä­ge mit den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern ab­zu­schie­ßen. Dann sol­len die wei­te­ren Vor­be­rei­tun­gen ge­trof­fen wer­den, so­dass der Wind­park in der ers­ten Hälf­te des Jah­res 2018 ge­baut und in Be­trieb ge­nom­men wer­den kann.

„Der Stand­ort stellt sich als ge­eig­net dar“, sag­te der EnBW-Ver­tre­ter Ro­ger Kre­ja in der Ver­samm­lung. Die bei­den Flä­chen sind be­reits im Vor­feld von der Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft Lau­chert­tal nach ver­schie­de­nen Un­ter­su­chun­gen aus­ge­wählt wor­den. Bei Ve­rin­gen­stadt soll ei­ne von drei so­ge­nann­ten Kon­zen­tra­ti­ons­zo­nen des Ver­ban­des ein­ge­rich­tet wer­den. Die EnBW wird jetzt wei­te­re Un­ter­su­chun­gen vor­neh­men, die vor al­lem die Wind­ver­hält­nis­se und den Na­tur­schutz be­tref­fen. Die Ver­ant­wort­li­chen sind zu­ver­sicht­lich, denn in den Vor­un­ter­su­chun­gen ist der Stand­ort eben­falls als ge­eig­net ein­ge­stuft wor­den.

Ge­baut wer­den sol­len Wind­rä­der der Fir­ma Ener­con vom Typ E 82 mit ei­ner Na­ben­hö­he von 137 Me­tern und ei­nem Ro­tor­durch­mes­ser von 126 Me­tern. Al­ler­dings könn­ten auch hö­he­re Rä­der zum Ein­satz kom­men, die der­zeit in der Ent­wick­lung sind, sag­te Kre­ja. Die­se Rä­der ha­ben dann fol­gen­de Aus­ma­ße: Na­ben­hö­he 164 Me­ter, Ro­tor­durch­mes­ser 131 Me­ter.

Ro­ger Kre­ja sprach die Fra­gen an, die die An­lie­ger von po­ten­zi­el­len Wind­parks am häu­figs­ten stel­len. So sag­te er, der Ro­tor er­zeu­ge ein Ge- räusch von 105 bis 106 De­zi­bel. Doch das Ge­räusch neh­me mit zu­neh­men­der Ent­fer­nung ra­pi­de ab. Vor­ge­schrie­ben ist, dass in rei­nen Wohn­ge­bie­ten 35 De­zi­bel an­kom­men dür­fen. „Das ist das Ge­räusch, das ein lau­fen­der Kühl­schrank er­zeugt“, sag­te Kre­ja zu Ver­gleich. Al­ler­dings wer­de das Wind­park­ge­räusch au­ßer­halb des Ge­bäu­des ge­mes­sen. Vom Schat­ten­wurf sind die Rand­ge­bie­te von Ve­rin­gen­stadt be­trof­fen. Doch man kön­ne die Rä­der zu be­stimm­ten Zei­ten auch au­to­ma­tisch an­hal­ten. Kre­ja zeig­te auch Vi­sua­li­sie­run­gen, die ver­deut­lich­ten, wie die An­la­gen aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln zu se­hen sein wer­den. Be­trof­fen sein wird vor al­lem der Deut­stet­ter Berg, wo die meis­ten Ve­rin­gen­städ­ter woh­nen. Aber auch die In­ne­rin­ger wer­den die Rä­der se­hen, viel­leicht auch hö­ren. Ne­ben ih­rem ei­ge­nen ge­plan­ten Wind­park im Nord­os­ten wird es künf­tig wohl auch den Ve­rin­ger im Süd­wes­ten ge­ben.

Der EnBW-Ver­tre­ter und Bür­ger­meis­ter Ar­min Christ ap­pel­lier­ten an die Ve­rin­ger, ih­ren Bei­trag zu Ener­gie­wen­de zu leis­ten und den Wind-

sagt der EnBW- Ver­tre­ter Ro­ger Kre­ja VE­RIN­GEN­STADT ( ist) - In der Dis­kus­si­on stand der Ab­stand der Wind­rä­der zur nächst­lie­gen­den Be­bau­ung im Mit­tel­punkt. Gleich meh­re­ren Fra­gen da­nach wi­chen der EnBW- Ver­tre­ter Ro­ger Kre­ja und Bür­ger­meis­ter Ar­min Christ aus. Vor­ge­schrie­ben ist in Ba­denWürt­tem­berg ein Ab­stand von 700 Me­tern zu rei­nen Wohn­ge­bie­ten. Et­li­che Fra­ge­stel­ler heg­ten die Ver­mu­tung, hier soll et­was ver­tuscht wer­den. Doch Kre­ja und Christ ver­spra­chen, die Zahl im Amts­blatt nach­zu­lie­fern. Die EnBW hat nun be­reits ges­tern auf An­fra­ge der SZ fol­gen­des mit­ge­teilt: „ Der ge­rings­te Ab­stand der Kon­zen­tra­ti­ons­zo­ne zur nächs­ten Be­bau­ung be­trägt ge­mäß Flä­chen­nut­zungs­plan et­wa 1000 Me­ter Luft­li­nie.“Ei­ne Bür­ge­rin vom Deut­stet­ter Berg be­fürch­te­te, dass ihr Grund­stück vor al­lem durch den Lärm der Wind­rä­der an Wert ver­liert. Bür­ger­meis­ter Christ sag­te un­ter an­de­rem: „ Ich kann Ih­nen da kei­ne be­ru­hi­gen­de Ant­wort ge­ben.“Die EnBW-Ver­tre­te­rin wies dar­auf hin, dass es Stu­di­en ge­be, die ver­deut­li­chen, dass die Grund­stü­cke nicht an Wert ver­lie­ren wür­den. Es ge­be Hin­wei­se, dass dies manch­mal der Fall sei, gera­de da wo Bür­ger­initia­ti­ven im­mer wie­der dar­auf hin­wei­sen wür­den. Das sei park zu ak­zep­tie­ren. Schließ­lich kön­ne die fi­nanz­schwa­che Stadt von dem Wind­park auch in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht pro­fi­tie­ren.

Auch die EnBW-Ver­tre­te­rin, die fürs Ju­ris­ti­sche zu­stän­dig ist, Yvon­ne von der La­den, lock­te mit Geld. Es sei mög­lich, die Ein­grif­fe in die Land­schaft auch mit Pro­jek­ten aus­zu­glei­chen, die der Stadt zu Gu­te kom­men. Sie stell­te drei ver­schie­de­ne Mo­del­le vor, über die sich die Bür­ger an dem ge­plan­ten Wind­park be­tei­li­gen kön­nen: Zum ei­nen in Form ei­ner Geld­an­la­ge, wo­bei man auch schon mit ei­nem drei­stel­li­gen Geld­be­trag ein­stei­gen könn­te. Zum zwei­ten könn­ten Un­ter­neh­men oder auch Kom­mu­nen Ge­schäfts­an­tei­le er­wer­ben. Und zum Drit­ten könn­te die EnBW für die Ve­rin­ger ei­nen Ab­schlag beim Strom­preis an­bie­ten.

„Das ist ein Ge­räusch, das ein lau­fen­der Kühl­schrank

er­zeugt“,

Au­ßer der EnBW hat auch die Son­nen­büh­ler Fir­ma So­wi­tec In­ter­es­se, den Ve­rin­ger Wind­park zu bau­en. Der Ge­mein­de­rat ent­schei­det in sei­ner kom­men­den Sit­zung am Frei­tag, 16. Ok­to­ber, mit wel­cher Fir­ma die Stadt ei­nen Pacht­ver­trag un­ter­zeich­nen wird. Die Stadt ist der größ­te Grund­stücks­be­sit­zer in der Kon­zen­tra­ti­ons­zo­ne. je­doch nur ein vor­über­ge­hen­des Phä­no­men. Ein wei­te­rer Fra­ge­stel­ler woll­te wis­sen, um wel­chen Be­trag es für die Stadt ge­he. Da woll­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen noch nicht fest­le­gen. Kre­ja ver­si­cher­te: „ Sie wer­den nicht über den Tisch ge­zo­gen.“Ein wei­te­rer Bür­ger äu­ßer­te die Be­fürch­tung, dass neue An­la­gen nicht nur grö­ßer, son­dern auch lau­ter wer­den. „ Die neu­en An­la­gen wer­den ja auch schall­op­ti­miert“, hieß es. Je­mand woll­te wis­sen, wie lan­ge die Wind­rä­der in Be­trieb sein wer­den. In der Re­gel 20 bis 25 Jah­re, war die Ant­wort. Da­nach wer­den sie zu­rück­ge­baut, und wenn ein neu­es an der Stel­le ent­ste­hen sol­le, dann müs­se er­neut ei­ne Ge­neh­mi­gung ein­ge­holt wer­den. Auf ei­ne wei­te­re Fra­ge sag­te Ro­ger Kre­ja: Die Wind­mes­sun­gen ba­sie­ren auf je­nen von Ket­ten­a­cker, wo be­reits ein Wind­mess­mast der EnBW steht. Zu­sätz­lich will man auch mit der La­ser­me­tho­de Mes­sun­gen vor­neh­men. „Es kann durch­aus sein, dass wir zu dem Schluss kom­men, der Wind­park an die­ser Stel­le lohnt sich nicht“, so Kre­ja. Au­ßer kri­ti­schen Fra­gen gab es aber auch die Aus­sa­ge ei­nes Bür­gers: „ Wind­rä­der wä­ren ein Ge­winn für Ve­rin­gen­stadt.“

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Vom Wohn­ge­biet auf dem Deut­stet­ter Berg wer­den die drei Wind­rä­der auf dem ge­gen­über lie­gen­den Berg zu se­hen sein. Die Rä­der über­ra­gen den Wald je nach Stand­ort un­ge­fähr so­weit wie die Stan­ge, an der die Stra­ßen­schil­der be­fes­tigt sind.

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