Er­ben will ge­lernt sein

Au­tor Karl-Heinz Ott zeigt im Schlacht­hof, wie es ge­hen kann

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Ute Korn-Amann

SIG­MA­RIN­GEN - Der Au­tor Kar­lHeinz Ott aus Ehin­gen hat auf Ein­la­dung der Buch­hand­lung Ra­be im Al­ten Schlacht­hof aus sei­nem Buch „Die Au­fer­ste­hung“ge­le­sen. Zahl­rei­che Be­su­cher zog es am Frei­tag­abend in den Schlacht­hof, um der Le­sung zu lau­schen.

Roland Hau­ser über­nahm als be­geis­ter­ter Ott-Le­ser die Ein­füh­rung und gab dem Pu­bli­kum zu ver­ste­hen, dass er Li­te­ra­tur­kri­ti­ken nicht liest, als ein­zi­ges lie­ße er noch das „Li­te­ra­ri­sche Quar­tett“gel­ten. Zu den Wer- ken des Au­tors Ott mein­te Hau­ser: „Die Wahr­heit ist im­mer kon­kret“.

Die Idee zum fünf­ten Ro­man des Au­tors Ott ent­stand aus Be­geg­nun­gen mit ei­nem Freund und der Fra­ge, die zen­tral den Ro­man ein­nimmt: „Wie will man be­er­digt wer­den?“Ein wei­te­rer Aspekt, der an­ge­deu­tet wird: Der Va­ter litt an Alz­hei­mer oder De­menz. Der Va­ter wur­de „auf­fäl­lig“, und Ott be­schreibt dies mit viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl.

Zu­sam­men spie­len die Ge­dan­ken der Hin­ter­blie­be­nen ei­ne gro­ße Rol­le. Wie ge­hen die Vor­stel­lun­gen ei­ner Be­er­di­gung heut­zu­ta­ge aus­ei- nan­der? Die­sen Spu­ren geht der Au­tor nach, und das gleich zu Be­ginn des Bu­ches. Der Va­ter ist tot, die Kin­der kom­men an­ge­reist an das Ster­be­bett und dis­ku­tie­ren eif­rig, was nun ge­sche­hen soll. Häu­fig zi­tiert wird Blai­se Pas­cal: „Wie soll man le­ben?“, was auch be­deu­tet: „Wie soll man ster­ben?“Wich­ti­ge und schein­bar un­wich­ti­ge Fra­gen stel­len sich den Kin­dern: Muss man sich ei­nen Hut zur Be­er­di­gung kau­fen? Wür­de der Ver­stor­be­ne ei­ne üb­li­che Be­er­di­gung wün­schen, oder doch ei­ne an­ony­me Be­stat­tung in ei­nem Fried­wald? Wie soll man mit der Le­bens­ge­fähr­tin des Va­ters um­ge­hen?

Was steht im Tes­ta­ment? Er­in­ne­run­gen an den Va­ter wer­den bei den Kin­dern wach: „Jetzt sieht Pa­pa fried­lich aus“. So sa­hen die Kin­der ih­ren Va­ter ganz un­ge­wohnt. Und die Fra­ge nach dem Tes­ta­ment lässt auch nicht lan­ge auf sich war­ten. Wo ist es, wer be­kommt was? Selbst­mit­leid kommt ins Spiel über das viel­leicht „ver­korks­te“Le­ben der Kin­der, die sich der „Sinn­fra­ge“stel­len müs­sen. Ne­ben Hau­ser gab es noch ei­nen be­geis­ter­ten Le­ser Otts: Ar­nold Stad­ler war zu Be­such im Al­ten Schlacht­hof und mein­te bei der an­schlie­ßen­den Fra­ge­run­de: „Das Buch ist sehr schön ge­schrie­ben und sehr schön vor­ge­tra­gen.“Auf Stad­lers Fra­ge, war­um das Buch „Die Au­fer­ste­hung“hei­ße, mein­te Ott spitz­bü­bisch: „Die Auf­klä­rung gibt es auf den letz­ten Sei­ten des Buchs.“

FO­TO: UTE KORN- AMANN

Der Au­tor Karl- Heinz Ott si­gniert ger­ne sei­ne Bü­cher.

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