Ar­gu­men­ta­ti­ve Sch­licht­heit

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Chris­toph Pla­te

Nach dem Ab­schluss der Atom­ver­trä­ge hat das Re­gime in Te­he­ran zum zwei­ten Mal in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen ge­zeigt, dass wirt­schaft­li­che Öff­nung nicht mit Frei­heit und Dia­log zu ver­wech­seln ist.

Die Ab­sa­ge des ira­ni­schen Stan­des auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se, weil der bri­ti­sche Au­tor Sal­man Rush­die auf der Er­öff­nungs­pres­se­kon­fe­renz spre­chen wird, ist ein Zei­chen der In­to­le­ranz. Die Fat­wa ge­gen ihn we­gen der „Sa­ta­ni­schen Ver­se“war vom mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer Aya­tol­lah Khomei­ni aus­ge­spro­chen wor­den.

Schon vor Wo­chen hat­te Te­he­ran den ge­plan­ten Auf­tritt des Di­ri­gen­ten Da­ni­el Ba­ren­boim ge­stri­chen. Be­grün­dung: Er ha­be ne­ben dem ar­gen­ti­ni­schen Pass auch ei­nen is­rae­li­schen und sei dar­um nicht will­kom­men.

Die ira­ni­sche Kul­tu­rad­mi­nis­tra­ti­on ar­gu­men­tiert so schlicht, dass das kul­tur­be­flis­se­ne ira­ni­sche Volk be­lei­digt sein müss­te. Am Sonn­tag reist der li­te­ra­tur­in­ter­es­sier­te deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter nach Te­he­ran. Er könn­te den Mul­lahs den Satz er­klä­ren, dass Frei­heit auch die des An­ders­den­ken­den sei.

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