Ara­mä­er re­fe­riert über Si­tua­ti­on in Sy­ri­en

Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer be­to­nen Wich­tig­keit von In­te­gra­ti­on und Spra­che – 50 In­ter­es­sier­te im Herz-Je­su-Heim

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH -

MESSKIRCH (khk) - Rund 50 In­ter­es­sier­te sind am ver­gan­ge­nen Frei­tag­abend der Ein­la­dung des Bil­dungs­werks ge­folgt und nah­men an ei­nem In­for­ma­ti­ons­abend zum The­ma „Wir ge­ben Flücht­lin­gen ein Ge­sicht“im Herz-Je­su-Heim teil. Der Vor­sit­zen­de des Ver­eins der Ara­mä­er in Pful­len­dorf, Is­ken­der Ta­ra­ca, be­leuch­te­te so­wohl die Ge­schich­te als auch die ak­tu­el­le La­ge der Ara­mä­er im „Drei­län­der­eck“. Zu Gast war auch Is­sa Gha­rib, Pfar­rer und Vor­ste­her der sy­risch-or­tho­do­xen Ge­mein­de Pful­len­dorf. Ei­ne aus Sy­ri­en ge­flo­he­ne christ­li­che Fa­mi­lie ließ sich bis auf den Va­ter aus per­sön­li­chen Grün­den ent­schul­di­gen.

„Eth­no­lo­gisch ge­se­hen sind die Ara­mä­er Se­mi­ten“, sag­te Ta­ra­ca, der seit 1978 in Deutsch­land lebt, zu Be­ginn sei­nes Vor­trags. Ih­re ur­sprüng­li­che Hei­mat lie­ge zwi­schen Eu­phrat und Ti­gris, das sich heu­te die Tür­kei, Sy­ri­en, der Irak und der Li­ba­non tei­len. „Dort le­ben heu­te noch ara­mä­i­sche Chris­ten“, fuhr Ta­ra­ca fort. Im Lau­fe der Jahr­hun­der­te sei­en Kur­den und Ara­ber, spä­ter auch Tür­ken in das Land der Ara­mä­er ein­ge­drun­gen und hät­ten die Ara­mä­er zu­rück­ge­drängt. „Seit sie das Chris­ten­tum an- nah­men und sich von Jerusalem bis in den Irak aus­brei­te­ten, wer­den die Ara­mä­er we­gen ih­res christ­li­chen Glau­bens ver­folgt und aus ih­rer Hei­mat ver­trie­ben.“So sei­en schon zwi­schen 1970 und 1980 vie­le ara­mä­i­sche Chris­ten aus ih­ren Län­dern nach Schwe­den, in die Schweiz und in die USA ge­flo­hen.

Bei der an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­on schil­der­te der Re­fe­rent sei­ne Si­tua­ti­on 1978, als er als Asyl­be­wer­ber fast acht Jah­re lang auf sei­ne An­er­ken­nung war­ten muss­te. Weil er nicht ar­bei­ten durf­te, ha­be er die­se Zeit ge­nutzt, um ei­ne Schu­le nach der an­de­ren zu ab­sol­vie­ren und letzt­lich sein Stu­di­um ab­zu­schlie­ßen.

Flücht­lin­ge wol­len Spra­che ler­nen „Weil sich seit Aus­bruch des Bür­ger­krie­ges die La­ge in Sy­ri­en im­mer mehr ver­schlech­tert, meh­re­re is­la­misch-ex­tre­mis­ti­sche Grup­pen mit­und ge­gen­ein­an­der kämp­fen und auch der IS im­mer stär­ker auf dem Vor­marsch ist, flüch­ten im­mer mehr Chris­ten aus Sy­ri­en“, sag­te Ta­ra­ca auf die Fra­ge, war­um die Flücht­lings­strö­me nicht ab­rei­ßen. Da­bei sei­en Chris­ten, die in über­wie­gend sy- risch-or­tho­do­xen und ka­tho­li­schen Ge­bie­ten le­ben, be­son­ders von Ter­ror und Ge­walt be­droht.

Ein wich­ti­ges The­ma in der Dis­kus­si­on war auch die In­te­gra­ti­on. Da­mit die­se ge­lin­ge, sei für Flücht­lin­ge das Er­ler­nen der deut­schen Spra­che ent­schei­dend. „Da­bei spielt bei den Flücht­lin­gen der Wil­le, et­was zu er­rei­chen und in Deutsch­land zu blei­ben, ei­ne wich­ti­ge Rol­le“, sag­te ein Ver­samm­lungs­teil­neh­mer, der be­reits Neu­bür­gern die deut­sche Spra­che und Kul­tur nä­her­bringt. „In Pful­len­dorf le­ben elf Fa­mi­li­en mit cir­ca 50 Per­so­nen, die die Ge­mein­de be­reits auf­ge­nom­men hat“, sag­te Ta­ra­ca. Dar­über hin­aus leb­ten in der Auf­nah­me­stel­le in Sig­ma­rin­gen nach sei­nen Er­k­ent­nis­sen mo­men­tan acht ge­flüch­te­te christ­li­che Ju­gend­li­che aus Sy­ri­en.

FO­TO: KAR­LHEINZ KIRCH­MAI­ER

Rund 50 In­ter­es­sier­te in­for­mie­ren sich im Herz- Je­su- Heim über die La­ge in Sy­ri­en.

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