Volks­ab­stim­mung in den Nie­der­lan­den rückt nä­her

450 000 Un­ter­stüt­zer für Re­fe­ren­dum ge­gen EU-Ab­kom­men mit der Ukrai­ne

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Daniela Wein­gärt­ner

BRÜSSEL - 450 000 Un­ter­stüt­zer hat in den Nie­der­lan­den das An­lie­gen ge­fun­den, mit ei­nem Re­fe­ren­dum das As­so­zia­ti­ons­ab­kom­men zwi­schen der EU und der Ukrai­ne zu stop­pen. Der zu­stän­di­ge Re­gie­rungs­aus­schuss wird heu­te die Un­ter­schrif­ten prü­fen und – falls die er­for­der­li­che Schwel­le von 300 000 Un­ter­schrif­ten tat­säch­lich er­reicht wur­de – ei­ne Volks­ab­stim­mung vor­aus­sicht­lich für kom­men­des Früh­jahr an­set­zen. Da­mit fällt die von EU-Geg­nern ge­star­te­te Initia­ti­ve aus­ge­rech­net in das Halb­jahr, wo die Nie­der­lan­de den Vor­sitz im Rat der EU-Re­gie­run­gen füh­ren.

Hin­ter dem Vor­stoß ste­cken der eu­ro­skep­ti­sche Think Tank „Fo­rum für De­mo­kra­tie“und die eu­ro­skep­ti­sche Web­sei­te „ge­en­sti­jl.nl“. Sie nut­zen die erst seit Ju­li exis­tie­ren­de Mög­lich­keit ei­ner Bür­ger­be­fra­gung, um ei­ne Grund­satz­de­bat­te über Hol­lands Mit­glied­schaft in der EU an­zu­sto­ßen. Da das Ge­setz, das die Durch­füh­rung ei­nes Re­fe­ren­dums re­gelt, die Fra­ge nach der Hal­tung zur EU aus­drück­lich nicht zu­lässt, wäh­len die Initia­to­ren den Um­weg über das Ukrai­ne-Ab­kom­men. Sie ma­chen sich da­bei den Är­ger vie­ler Nie­der­län­der dar­über zu­nut­ze, dass sie schon jetzt mehr in die Ge­mein­schafts­kas­se ein­zah­len, als sie her­aus­be­kom­men, und für die Un­ter­stüt­zung der Ukrai­ne wei­te­re Mil­li­ar- den­be­trä­ge fäl­lig wer­den. Au­ßer­dem schü­ren sie die Sor­ge, nach Auf­he­bung der Vi­sums­pflicht könn­ten ukrai­ni­sche Ar­bei­ter das Land über­schwem­men.

Den­noch be­trach­ten vie­le Nie­der­län­der die Initia­ti­ve mit ge­misch­ten Ge­füh­len. Es war das As­so­zia­ti­ons­ab­kom­men zwi­schen der EU und der Ukrai­ne, das zu pro­eu­ro­päi­schen De­mons­tra­tio­nen in Kiew führ­te, Ja­nu­ko­witsch zu Fall brach­te und den Kon­flikt mit Russ­land aus­lös­te. Gera­de ei­nen Tag nach dem Ab­schluss­be­richt über den Ab­schuss von Flug MH 17 ein Pu­tin in die Hän­de spie­len­des Re­fe­ren­dum zu be­an­tra­gen, scheint schlech­tes Ti­ming. Die größ­te Re­gie­rungs­par­tei VVD hat be­reits ver­sucht, die Or­ga­ni­sa­to­ren als „Pu­t­in­freun­de“zu dis­kre­di­tie­ren.

Die nie­der­län­di­sche Re­gie­rung und das Par­la­ment, die das Ab­kom­men ab­ge­seg­net ha­ben, bringt der Vor­stoß in ei­ne un­an­ge­neh­me La­ge. Soll­ten min­des­tens 30 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten ab­stim­men und ei­ne Mehr­heit von ih­nen das Ab­kom­men ab­leh­nen, muss das Par­la­ment er­neut dar­über be­fin­den. Meh­re­re Ab­ge­ord­ne­te ha­ben er­klärt, nicht ge­gen den Volks­wil­len zu stim­men. Für die Be­zie­hun­gen zwi­schen der EU und der Ukrai­ne und auch Russ­land hät­te ein Nein un­ab­seh­ba­re Kon­se­quen­zen. Schon jetzt ist klar, dass das Ab­kom­men nicht wie ge­plant zum 1. Ja­nu­ar 2016 in Kraft tre­ten kann.

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