DiCa­prio und Pa­ra­mount ma­chen VW-Ab­gas­af­fä­re zum Film

Die­sel-Dra­ma zwingt Volks­wa­gen zu dras­ti­schen Spar­run­den und Kür­zun­gen von In­ves­ti­tio­nen – Hol­ly­wood zeigt In­ter­es­se

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

HAN­NO­VER/WOLFSBURG (dpa) - Un­ter­schied­li­cher könn­ten die Fol­gen der welt­wei­ten Ab­gas-Ma­ni­pu­la­tio­nen bei Volks­wa­gen kaum sein: Wäh­rend sich im fer­nen Hol­ly­wood Ki­no­star Leo­nar­do DiCa­prio an­schickt, den mil­lio­nen­fa­chen Be­trug zu ver­fil­men, kämpft Eu­ro­pas größ­ter Au­to­bau­er und mit ihm sein Hei­mat­land Nie­der­sach­sen ge­gen den Kol­laps. Doch vom Gla­mour des Film­busi­ness ist in den Fa­b­rik­hal­len Wolfs­burgs nichts zu spü­ren. Al­les wird dort der­zeit ge­prüft, die ers­ten Maß­nah­men tref­fen nun die wich­ti­ge Kern­mar­ke VW – mit weit­rei­chen­den Fol­gen.

Mehr als drei Wo­chen nach Be­kannt­wer­den der Af­fä­re wird aber auch deut­lich: VW hat ab­seits des Rot­stif­tes noch im­mer kei­nen Weg aus der Kri­se ge­fun­den. Um sich auf die fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken auch nur an­satz­wei­se vor­zu­be­rei­ten, sol­len nun aber die Aus­ga­ben für neue Fa­b­ri­ka­te und Wer­ke dras­tisch ge­kürzt wer­den, und das ab­satz­schwa­che Top-Mo­dell Phae­ton hat nur noch ei­ne Zu­kunft als Elek­tro-Au­to. Ob so ein Typ an­ge­sichts rück­läu­fi­ger Ver­kaufs­zah­len auf dem Markt ei­ne Chan­ce hat, ist oh­ne­hin of­fen. Eben­so of­fen: Was be­deu­tet das für die ei­gens für den Wa­gen in Dres­den er­rich­te­te Glä­ser­ne Ma­nu­fak­tur?

Vor al­lem aber wird al­lein die Kern­mar­ke ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro pro Jahr we­ni­ger in­ves­tie­ren. Geld, das für neue Mo­del­le, Fa­b­ri­ken und Tech­no­lo­gi­en ge­dacht war. Um wie viel die Mar­ke VW die ei­ge­nen Plä­ne kür­zen muss, will das Un­ter­neh­men nicht auf­schlüs­seln. Fakt ist: Bis 2020 soll­ten kon­zern­weit statt­li­che 86,2 Mil­li­ar­den Eu­ro flie­ßen, al­so rund 17,12 Mil­li­ar­den pro Jahr. Doch der Ab­gas­skan­dal macht dem Kon­zern ei­nen Strich durch die Rech­nung, mit der Ex-VWBoss Mar­tin Win­ter­korn den Au­to­bau­er end­gül­tig an die Welt­spit­ze füh­ren woll­te.

Die Scher­ben müs­sen nun an­de­re auf­keh­ren. Bei der Kern­mar­ke muss der neue Mar­ken­chef Her­bert Diess das Spar­pro­gramm um­set­zen. Der ehe­ma­li­ge BMW-Vor­stand hat­te sich den Start in Wolfsburg si­cher an­ders vor­ge­stellt. Doch Diess, ehe­mals Chef­ein­käu­fer in München, gilt bei al­ler Freund­lich­keit als har­ter Kos­ten­drü­cker. VfL Wolfsburg muss ver­zich­ten Und die­se Fä­hig­keit kann er nun wahr­lich gut brau­chen. Er muss die Mar­ke auf Er­folg trim­men, ei­nen teu­ren Neu­start für die Die­sel-Tech­nik hin­le­gen – und das al­les mit we­ni­ger Geld als bis­lang ge­dacht.

Die Kri­se bei VW sorgt wohl nir­gends auf der Welt für mehr Angst als in der nord­deut­schen Tief­ebe­ne: Rund 120 000 der 600 000 VW-Mit­ar­bei­ter sind in Nie­der­sach­sen be­schäf­tigt. Gleich sechs Wer­ke ha­ben hier ih­ren Stand­ort. In be­trof­fe­nen Kom­mu­nen – dar­un­ter die Städ­te Wolfsburg und Braun­schweig – sind die Haus­halts­pla­nun­gen be­reits auf Eis ge­legt. Dies be­kom­men auch vie­le gro­ße und klei­ne Un­ter­neh­men zu spü­ren, die als Zu­lie­fe­rer eng mit VW zu­sam­men­ar­bei­ten. Gera­de im Wolfs­bur­ger Mi- kro­kos­mos gibt es gan­ze Fir­men, die prak­tisch nur von Volks­wa­gen le­ben und bei de­nen zu­min­dest die Be­leg­schafts­grö­ße mit VW steht und fällt.

„Un­se­re Etats sind al­le ein­ge­fro­ren, die Ge­halts­er­hö­hun­gen fal­len die­ses Jahr aus und un­se­re Bo­ni dürf­te es auch tref­fen“, sagt der Ma­na­ger. Vie­le VW-Part­ner sei­en we­gen der rie­si­gen Ab­hän­gig­keit prak­tisch kon­zern­zu­ge­hö­rig, wenn auch nicht auf dem Pa­pier. VW kön­ne da­bei auch schon mal ver­trag­lich fi­xe Pro­jek­te strei­chen.

Dies hat in­zwi­schen auch der VfL Wolfsburg zu spü­ren be­kom­men: We­gen der Kri­se beim Mut­ter­kon­zern Volks­wa­gen hat der Fuß­ball-Bun­des­li­gist den an­ge­dach­ten Neu­bau des Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums – iro­ni­scher­wei­se aus­ge­rech­net an der Die­sel­stra­ße – vor­erst ge­stoppt. Ab­wrack­prä­mie zu­rück­zah­len Dar­über hin­aus muss Volks­wa­gen wo­mög­lich ei­nen Teil der Ab­wrack­prä­mi­en zu­rück­zah­len, die 2009 und 2010 Die­sel-Fah­rern ge­währt wur­den. Das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (Ba­fa) prü­fe ei­ne Rück­for­de­rung für ma­ni­pu­lier­te Die­selFahr­zeu­ge, be­rich­te­te das „Ma­na­ger Ma­ga­zin“auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Un­ter Be­ru­fung auf das Ba­fa ver­öf­fent­lich­te das Ma­ga­zin wei­ter, dass 2009/ 2010 ins­ge­samt rund 700 000 Fahr­zeu­ge aus dem VW-Kon­zern mit rech­ne­risch et­wa 1,75 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­för­dert wor­den sei­en. Wie vie­le Wa­gen dar­un­ter mit ma­ni­pu­lier­ten Mo­to­ren aus­ge­stat­tet wa­ren, sei nicht be­kannt.

FO­TO: DPA

Hol­ly­wood­star Leo­nar­do DiCa­prio (40) und das Stu­dio Pa­ra­mount Pictures wol­len ei­nen Film über die Volks­wa­gen- Ab­gas­af­fä­re dre­hen. Wie die Bran­chen­por­ta­le „ Va­rie­ty“und „ Dead­line. com“be­rich­te­ten, ist DiCa­prio mit sei­ner Fir­ma Ap­pian Way als Pro­du­zent an Bord. Pa­ra­mount hat­te sich die Film­rech­te an dem ge­plan­ten Buch von Jack Ewing über den Skan­dal um die Ma­ni­pu­la­tio­nen bei Ab­gas­wer­ten bei Die­sel­fahr­zeu­gen des Au­to­bau­ers ge­si­chert. Über ei­nen mög­li­chen Re­gis­seur und die Rol­len­be­set­zung wur­de zu­nächst nichts be­kannt.

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