Ar­mut und Krank­heit be­din­gen sich meis­tens ge­gen­sei­tig

Am Sams­tag ist der in­ter­na­tio­na­le Tag ge­gen Ar­mut und Aus­beu­tung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Chris­toph War­ten­berg

SIG­MA­RIN­GEN - Der in­ter­na­tio­na­le, bun­des­wei­te Ak­ti­ons­tag ge­gen Ar­mut und Aus­gren­zung fin­det am Sams­tag, 17. Ok­to­ber, statt. In die­sem Jahr steht der Aspekt „Ar­mut macht krank – Krank­heit macht arm“im Mit­tel­punkt. Un­ter dem Stich­wort Ar­mut se­hen die Mit­glie­der der Sig­ma­rin­ger Kir­chen­li­ga, Ca­ri­tas, AGJ, SKM und das Haus Na­za­reth al­ler­dings nicht nur die ma­te­ri­el­le, son­dern auch die so­zia­le Ar­mut.

Bei ei­nem Pres­se­ge­spräch ha­ben Anet­te Stauß-Be­cker, Joa­chim Frei­tag und Alex­an­der Teubl auf­ge­zeigt, wie die Fak­to­ren Ar­mut und Krank­heit sich ge­gen­sei­tig be­din­gen und wie die Kir­chen­li­ga ver­sucht, den Men­schen am Ran­de der Ge­sell­schaft ein wür­di­ges Le­ben zu er­mög­li­chen, was al­ler­dings auch man­gels fi­nan­zi­el­ler Mit­tel und be­dingt durch das so­zia­le Sys­tem nicht im­mer ganz ein­fach ist.

Re­nal­do Heinzl, 47 Jah­re alt, ist so ein Fall, der je­doch den Mut auf­ge­bracht hat, sich sei­nen Pro­ble­men zu stel­len und dar­über auch öf­fent­lich zu spre­chen. Heinzl stammt aus den öst­li­chen Bun­des­län­dern und konn­te un­ter an­de­rem durch die Wen­de sei­ne Be­rufs­aus­bil­dung als Koch nicht ab­schlie­ßen. Ent­schei­dend ist aber, er lei­det un­ter Epi­lep­sie, er hat star­ke See­stö­run­gen, pe­ri­odi­sche Per­sön­lich­keits­stö­run­gen und ist Al­ko­ho­li­ker. Durch die­ses mul­ti­ple Krank- heits­bild ist er, amt­lich an­er­kannt, ar­beits­un­fä­hig, weil er nicht leis­tungs­fä­hig ge­nug ist. Er kann le­dig­lich ganz leich­te Tä­tig­kei­ten aus­üben.

Den­noch wür­de er ger­ne ar­bei­ten und en­ga­giert sich im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten – er ist zu 70 Pro­zent schwer­be­hin­dert – eh­ren­amt­lich. Er lebt der­zeit von 312 Eu­ro mo­nat­lich und hat in­zwi­schen ei­ne Ein-Zim­mer-Woh­nung in Gam­mer­tin­gen. Die aber hat kei­ne or­dent­li­che Was­ser­ver­sor­gung, un­dich­te Fens­ter und ist kaum be­heiz­bar. Da­für zah­len die Be­hör­den sa­ge und schrei­be 400 Eu­ro Mie­te.

Anet­te Stauß Be­cker ar­bei­tet als Al­ten­pfle­ge­rin bei der So­zi­al­sta­ti­on St. Eli­sa­beth in Pful­len­dorf. Eh­ren­amt­lich be­treut sie die me­di­zi­ni­sche Am­bu­lanz bei der Wo­hungs­lo­sen­hil­fe. Sie ver­sucht vor al­lem, ih­re ar­men Kun­den zum Be­such der Ärz­te zu be­we­gen. Joa­chim Frei­tag lei­tet die Wo­hungs­lo­sen­hil­fe der AGJ im Land­kreis, bei der auch die so­zia­le Am­bu­lanz an­ge­sie­delt ist.

Der So­zi­al­ar­bei­ter Alex­an­der Teubl schließ­lich ver­tritt na­mens des SKM-Ver­eins für so­zia­le Di­ens­te im Kreis Sig­ma­rin­gen Be­düf­ti­ge bei Be­hör­den­gän­gen und ver­trag­li­chen Schwie­rig­kei­ten im Zu­sam­men­hang mit Woh­nung und Fi­nan­zen.

Al­ler­dings kann er nur im Rah­men der im Sys­tem vor­ge­ge­be­nen Spiel­räu­me agie­ren, was sei­ne Mög­lich­kei­ten zum Ein­grei­fen stark ein­schränkt.

FO­TO: MAL­TE CHRIS­TI­ANS/ DPA

Ar­mut be­trifft vor al­lem Al­te und Kran­ke.

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