Jun­ge Mu­si­ker sor­gen für Gän­se­haut

Jun­ge Phil­har­mo­nie Ober­schwa­ben führt die Saul­gau-Sui­te auf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KRAUCHENWIES/ INZIGKOFEN/ OSTRACH - Von Susanne Grimm

KRAU­CHEN­WIES - Ei­nen be­son­de­ren Abend hat die Jun­ge Phil­har­mo­nie Ober­schwa­ben un­ter der Lei­tung von Al­ban Bei­kir­cher den zahl­rei­chen Be­su­chern ge­schenkt, die am Wo­che­n­en­de in das Mo­bilum in Krau­chen­wies ge­kom­men wa­ren. Die 70 jun­gen Mu­si­ker zwi­schen sie­ben und 23 Jah­ren er­ober­ten vom ers­ten Takt an die Her­zen der Zu­schau­er.

In ih­rem Sin­fo­nie­kon­zert brach­te das Nach­wuchs­or­ches­ter Wer­ke der Groß­meis­ter Fe­lix Men­dels­sohnBar­thol­dy (At­ha­lie op. 74), Richard Wa­gner (Isol­des Lie­bes­tod) und Lud­wig van Beet­ho­ven (5. Sin­fo­nie in c-Moll op. 67) zu Ge­hör. Mit der „Saul­gau-Sui­te“aus der Fe­der des 1967 ge­bo­re­nen Kom­po­nis­ten Alex­an­der Kram­pe schenk­ten sie dem hin­ge­ris­se­nen Pu­bli­kum auch ei­ne ech­te Urauf­füh­rung. Die­se vier­sät­zi­ge Sui­te ist ein Auf­trags­werk der Jun­gen Phil­har­mo­nie Ober­schwa­ben. Sie stell­te ei­nen Ab­riss der ge­ho­be­nen Un­ter­hal­tungs- und Tanz­mu­sik des 20. Jahr­hun­derts dar. Mu­si­ka­lisch kei­ne leich­te Kost Ei­ner schrä­gen Pol­ka, die der Mu­sik der 20er-Jah­re nach­emp­fun­den war, schloss sich ei­ne me­lo­di­sche Jaz­zBal­la­de an, auf die im drit­ten Satz ei­ne un­be­schwer­te Swing­ein­la­ge folg­te – mit gro­ßem Har­fen­so­lo in­klu­si­ve. Ein Orches­ter­loop be­schloss die Saul­gau-Sui­te, die an die Club­mu­sik der spä­ten 80er-Jah­re er­in­ner­te. Das ein­fühl­sa­me Spiel der jun­gen Mu­si­ker sorg­te für ein Gän­se­h­aut­fee­ling. Mit Leich­tig­keit und Spiel­freu­de gin­gen die jun­gen Lai­en­mu­si­ker ans Werk. Mu­si­ka­lisch war das Ge­spiel­te aber kei­ne leich­te Kost. Ins­be­son­de­re die 5. Sin­fo­nie Beet­ho­vens ver­lang­te den Jun­gen Phil­har­mo­ni­kern ei­ni­ges ab. Es gilt als an­spruchs­vol­les Meis­ter­werk der klas­si­schen Sin­fo­nie.

Drei­mal jähr­lich tref­fen sich die Ju­gend­li­chen des Orches­ters zu ge­mein­sa­men Pro­ben­wo­chen­en­den, sag­te Axel Deng­ler, Pro­jekt­ma­na­ger der Jun­gen Phil­har­mo­nie, der SZ. Da­bei wer­den ge­mein­sa­me Stü­cke ein­stu­diert, die im Vor­feld von je­dem Mu­si­ker ein­zeln ge­übt wer­den. „Wir tun al­les da­für, dass sich die jun­gen Leu­te bei uns wohl­füh­len und ger­ne mit­ma­chen“, sag­te Deng­ler. Der Mit­glieds­bei­trag für das Orches­ter­pro­jekt ist op­tio­nal. Die Ju­gend­li­chen „dür­fen ein­fach nur da sein und Mu­sik ma­chen“, so der Pro­jekt­ma­na­ger. „Mu­sik muss Spaß ma­chen, sonst kön­nen wir ein­pa­cken“sag­te er. Dass das Kon­zept funk­tio­niert, kön­ne man dar­an se­hen, dass „mehr Ju­gend­li­che kom­men, als wir auf­neh­men kön­nen“.

Die Jun­ge Phil­har­mo­nie Ober­schwa­ben wur­de ge­grün­det, um jun­gen Mu­si­kern ei­nen An­reiz zu mehr mu­si­ka­li­schem En­ga­ge­ment zu bie­ten. Al­ban Bei­kir­cher hat die Phil­har­mo­nie mit ei­ni­gen Freun­den und Hel­fern aus der Re­gi­on ins Le­ben ge­ru­fen. Die Schirm­herr­schaft hat Alex­an­dra Prin­zes­sin von Ho­hen­zol­lern. Durch das Pro­jekt wer­den ju­gend­li­chen Mu­si­kern die Klas­si­ker der Sym­pho­nik nä­her­ge­bracht.

Da­bei geht es nicht dar­um, dass ein neu­es „Eli­te­or­ches­ter“ent­steht. Es steht al­len of­fen, die grund­le­gen­de Fä­hig­kei­ten be­sit­zen und be­reit sind, sich ge­wis­sen­haft mit der Mu­sik aus­ein­an­der­zu­set­zen.

„Ei­gent­lich müss­ten wir Sym­pho­ni­ker hei­ßen, denn Sym­pho­ni­en wa­ren schon in al­ter Zeit „fürs Volk“ge­macht“, sag­te Deng­ler, und: „Phil­har­mo­nie war et­was für die ganz oben“. Mit Ab­sicht ge­he man mit dem Orches­ter­pro­jekt aber „un­ters Volk“. Weil es vie­le Men­schen ge­be, die nicht in klas­si­sche Kon­zert­häu­ser gin­gen, „kom­men wir zu ih­nen“, sag­te Deng­ler.

FO­TOS: SUSANNE GRIMM

Die Jun­ge Phil­har­mo­nie Ober­schwa­ben lie­fert ei­nen über­ra­gen­den Auf­tritt in Krau­chen­wies ab.

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