Staats­die­ner un­ter Druck

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FRONT PAGE - Von Dirk Gru­pe d. gru­pe@ schwa­ebi­sche. de

Spöt­ter be­haup­ten, so­bald ir­gend­wo im Land ei­ne Müll­ton­ne brennt, for­dert die Po­li­zei­ge­werk­schaft mehr Per­so­nal. Nun tut sie es im Zu­sam­men­hang mit dem Zu­zug an Flücht­lin­gen wie­der. Und liegt dies­mal mit die­ser For­de­rung völ­lig rich­tig.

Die Auf­ga­ben­fül­le der Be­am­ten nimmt enorm zu. Sie be­wa­chen Asyl­hei­me, schlich­ten in über­füll­ten Un­ter­künf­ten, neh­men De­lik­te auf, leis­ten ris­kan­te Ar­beit bei De­mons­tra­tio­nen Rechts­ex­tre­mer und vie­les mehr. Sie tun dies zu­meist klag­los, sie ver­die­nen sich im bes­ten Sin­ne das Prä­di­kat: Staats­die­ner. Und müs­sen sich zu­neh­mend vom Staat al­lein­ge­las­sen füh­len. Weil Über­las­tung ir­gend­wann in Über­for­de­rung über­ge­hen zu droht. Ver­bun­den mit fa­ta­len Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sell­schaft. Es mag wie ei­ne Lap­pa­lie klin­gen, dass die Zahl an Ver­kehrs­kon­trol­len man­cher­orts schon re­du­ziert wur­de. Ir­gend­wann wirkt sich die Per­so­nal­la­ge aber auf an­de­re Be­rei­che aus. Stich­wort Groß­ver­an­stal­tun­gen, Stich­wort All­tags­kri­mi­na­li­tät. Beim Ruf nach mehr Per­so­nal geht es al­so auch um die In­ne­re Si­cher­heit.

Die ge­fühl­te Si­cher­heit ist schon jetzt be­schä­digt. Be­am­te be­rich­ten von be­sorg­ten Bür­gern, de­nen al­lein der An­blick von Men­schen frem­der Kul­tur Sor­gen be­rei­tet. Die­se Sor­gen sind al­ler­meist un­be­grün­det, ernst neh­men muss man sie den­noch und dar­auf re­agie­ren. Re­al sind die Nö­te der Kom­mu­nen, ih­nen fehlt ne­ben Per­so­nal der Raum. Be­leg­te Turn­hal­len füh­ren zu Un­ter­richts­aus­fäl­len, Ver­ei­ne kön­nen ih­rem Hob­by nicht nach­ge­hen, Ver­an­stal­tun­gen müs­sen ab­ge­sagt wer­den. Lo­gis­ti­sche und per­so­nel­le Män­gel grei­fen so­mit tief in den All­tag der Bür­ger ein.

Deutsch­land hat sich für ei­nen hu­ma­nis­ti­schen und of­fe­nen Um­gang mit den Flücht­lin­gen ent­schie­den. Die­ser Weg ist un­um­kehr­bar – und das ist rich­tig so. An­ge­la Mer­kel hat da­bei den Satz ge­prägt: „Das schaf­fen wir.“Nun muss die Po­li­tik zei­gen, wie sie es schaf­fen will und dass sie es schaf­fen wird. An­dern­falls wür­de der Satz der Kanz­le­rin als ge­schichts­träch­ti­ge Flos­kel in die Bü­cher ein­ge­hen.

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