DTM-Pi­lot Wehr­lein vor dem Ge­samt­sieg

Pas­cal Wehr­lein geht das fi­na­le Wo­che­n­en­de der DTM mit 37 Punk­ten Vor­sprung an – und so „wie je­des an­de­re“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FRONT PAGE -

HOCKENHEIM (SID) - Am Wo­che­n­en­de auf dem Ho­cken­heim­ring steht die Mo­tor­sport­kar­rie­re von Pas­cal Wehr­lein vor ih­rem vor­läu­fi­gen Hö­he­punkt. Der 20-Jäh­ri­ge aus Worn­dorf bei Tutt­lin­gen kann als jüngs­ter Renn­fah­rer Ge­samt­sie­ger der DTM wer­den. Im In­ter­view spricht der Mer­ce­des-Pi­lot über sei­ne bis­lang so er­folg­rei­che Sai­son, die Pro­ble­me der Renn­se­rie und sei­nen mög­li­chen Auf­stieg in die For­mel 1 zu Man­orMa­rus­sia. „Es gibt viel­leicht die Op­ti­on“, er­klär­te er.

WORN­DORF/HOCKENHEIM (SID) - Pas­cal Wehr­lein steht vor dem Ti­tel­ge­winn als jüngs­ter Fah­rer der DTMGe­schich­te. Der 20-jäh­ri­ge Mer­ce­des-Pi­lot aus Worn­dorf (Land­kreis Tutt­lin­gen) spricht im In­ter­view mit dem Sport-In­for­ma­ti­ons-Di­enst über das be­vor­ste­hen­de ent­schei­den­de Renn­wo­chen­en­de auf dem Ho­cken­heim­ring, über die Ent­wick­lung der Tou­ren­wa­gen­se­rie und über sei­ne Auf­stiegs­chan­cen in die For­mel 1. Herr Wehr­lein, in der DTM-Ge­samt­wer­tung sieht es sehr po­si­tiv für Sie aus. Be­reits ein drit­ter Platz aus den Läu­fen am Sams­tag und Sonn­tag auf dem Ho­cken­heim­ring wür­de Ih­nen ge­nü­gen, um den Ti­tel aus ei­ge­ner Kraft zu ge­win­nen. Wol­len Sie die Meis­ter­schaft lie­ber so früh wie mög­lich oder an Ih­rem Ge­burts­tag am Sonn­tag per­fekt ma­chen? Lie­ber wä­re es mir noch mit 20 Jah­ren. Aber das Wich­ti­ge ist, dass wir den Ti­tel ein­fah­ren. Das „Wann“ist nicht so ent­schei­dend. Sie wür­den so oder so zum jüngs­ten DTM-Cham­pi­on al­ler Zei­ten auf­stei­gen. Ga­ry Paf­fett war 2005 mehr als drei­ein­halb Jah­re äl­ter. Was be­deu­tet Ih­nen die­se Mar­ke? Jüngs­ter DTM-Cham­pi­on al­ler Zei­ten zu wer­den, wä­re schon cool. Das Wich­tigs­te ist aber, wie ge­sagt, dass wir die Meis­ter­schaft ge­win­nen. Auch an­de­re Best­mar­ken – wie jüngs­ter Renn­sie­ger oder jüngs­ter Fah­rer in den Punk­ten zu sein – sind mir nicht so viel wert. Die Kon­stel­la­ti­on ist an die­sem Wo­che­n­en­de ei­ne an­de­re als sonst: Sie müs­sen nicht auf Sieg fah­ren. In­wie­fern ver­än­dert das die Vor­be­rei­tung? Ich ge­he das Wo­che­n­en­de ge­nau­so an wie je­des an­de­re. Im Qua­li­fy­ing muss man im­mer vol­le Atta­cke fah­ren und al­les in die­ser ei­nen Run­de hin­be­kom­men. Wenn man auf si­cher fährt und zwei Zehn­tel lang­sa­mer ist, steht man schnell zehn Start­plät­ze wei­ter hin­ten. Ist es für Sie ein Vor­teil oder ein Nach­teil, dass Ih­re ver­blie­be­nen Ri­va­len Edo­ar­do Mort­a­ra und Mat­ti­as Ek­ström nur ei­nen Punkt von­ein­an­der ge­trennt sind und Au­di sich für ein Pferd ent­schei­den muss? Au­di hat zwei Ei­sen im Feu­er, es gibt noch 50 Punk­te. Es muss aber schon viel schief­ge­hen, ich müss­te wirk­lich Pech ha­ben. Ei­ner der bei­den muss min­des­tens ein Ren­nen ge­win­nen und im an­de­ren kräf­tig punk­ten. Über die Sai­son wa­ren Sie der kon­stan­tes­te Fah­rer und sind am bes­ten mit den Per­for­mance-Ge­wich­ten zu­recht­ge­kom­men. Be­deu­tet das, dass die Zu­satz-Ki­los nicht so schlimm sind – oder sind Sie ein­fach der bes­te Fah­rer? Die Per­for­mance-Ge­wich­te ma­chen schon ei­nen Zeit­un­ter­schied aus. Ich ha­be die Ein­stel­lung, dass ich dar­an nichts än­dern kann und das Bes­te dar­aus ma­che. Man­che Fah­rer, die sich am An­fang der Sai­son über die Ge­wich­te be­schwert ha­ben, kla­gen jetzt nicht mehr, weil ich das schwers­te Au­to ha­be. Die Per­for­mance-Ge­wich­te sind fast schon Tra­di­ti­on in der DTM. An­ders als vie­le an­de­re Re­geln, die zu Sai­son­be­ginn ein­ge­führt wur­den. Hat sich das neue For­mat mit zwei Ren­nen von un­ter­schied­li­cher Län­ge pro Wo­che­n­en­de be­währt? Die zwei Ren­nen am Wo­che­n­en­de sind sehr gut an­ge­kom­men. Wir Fah­rer ha­ben mehr Action, die Fans vor dem Fern­se­her ha­ben mehr Action – und vor al­lem die Zu­schau­er an der Stre­cke, die schon ab frei­tags da sind. Das ge­fällt al­len. Fah­ren Sie von der Renn­cha­rak­te­ris­tik her lie­ber am Sams­tag im 40-Mi­nu­ten-Ren­nen oder am Sonn­tag über ei­ne St­un­de? Lie­ber Sams­tag, weil man kei­nen Bo­xen­stopp hat und die Kon­kur­ren­ten auf der Stre­cke über­ho­len muss. Am Sonn­tag kann man über die Stra­te­gie viel mehr zum Po­si­ti­ven und Ne­ga­ti­ven ver­än­dern. Da spie­len an­de­re Fak­to­ren ei­ne grö­ße­re Rol­le. Am Sams­tag heißt es Fahr­zeug ge­gen Fahr­zeug. Wann ha­ben Sie ei­gent­lich zu­letzt mit To­to Wolff ge­spro­chen, dem Mer­ce­des-Mo­tor­sport­chef? Letz­te Wo­che ha­ben wir uns SMS ge­schickt. Ging es da auch um Ih­re Zu­kunft? Nein, nein. Dar­über wird erst nach Hockenheim ge­spro­chen. Ei­ni­ge in der Sze­ne zäh­len eins und eins zu­sam­men: Da ist ein Mer­ce­des-Ta­lent auf der ei­nen Sei­te – zu­mal mit For­mel-1-Test­fah­rer-Er­fah­rung – , auf der an­de­ren Sei­te ist der For­mel-1-Renn­stall Man­orMa­rus­sia, der von 2016 an mit Mer­ce­des-Mo­to­ren aus­ge­rüs­tet wird ... Das könn­te theo­re­tisch mög­lich sein. Es gibt viel­leicht die Op­ti­on. Aber nach Hockenheim wird man se­hen, was da ge­sche­hen wird. Könn­ten Sie sich denn vor­stel­len, auch 2016 noch DTM zu fah­ren? Vor­stel­len kann ich es mir auf je­den Fall. Aber auch, et­was an­de­res zu ma­chen? Ja.

FO­TO: DAIM­LER

Auf dem Weg zum Ti­tel? Pas­cal Wehr­lein, 20, aus Worn­dorf.

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