Land­tag senkt Hür­den für Bür­ger­be­tei­li­gung

Neue Re­geln für Kom­mu­nen be­schlos­sen – Ge­mein­de­rats-Min­der­hei­ten ge­stärkt – Hö­he­re Al­ters­gren­ze

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTT­GART - Neue Al­ters­gren­zen für Bür­ger­meis­ter, mehr Rech­te für Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen und nied­ri­ge­re Hür­den für Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­schei­de in Kom­mu­nen: Der Land­tag hat am Mitt­woch in Stutt­gart nach jah­re­lan­gen Ver­hand­lun­gen zahl­rei­che Än­de­run­gen im Kom­mu­nal­recht ver­ab­schie­det. Die Op­po­si­ti­on aus CDU und FDP stimm­ten ge­schlos­sen ge­gen die Re­form, Grü­ne und SPD da­für. Är­ger auf der Zi­el­li­nie Noch am Vor­tag hat­te es ko­ali­ti­ons­in­tern Krach ge­ge­ben: Die SPD hat­te am Di­ens­tag von den Grü­nen ge­for­dert, den Bau von Flücht­lings­hei­men aus den neu­en Re­geln zur Bau­leit­pla­nung her­aus­zu­neh­men, um den Bau neu­er Un­ter­künf­te nicht zu brem­sen. Vor al­lem der Ge­mein­de­tag warnt vor Ver­zö­ge­run­gen bei der Auf­stel­lung neu­er Flä­chen­nut­zungs- und Be­bau­ungs­plä­ne, wenn die­se – wie jetzt be­schlos­sen – künf­tig drei Mo­na­te lang durch Bür­ger­be­geh­ren zu Fall ge­bracht wer­den kön­nen.

Der­lei Be­den­ken hat der für das Ge­setz zu­stän­di­ge In­nen­mi­nis­ter Rein­hold Gall (SPD) nicht: Er lob­te, die neu­en Re­geln bräch­ten ei­ne „grö­ße­re Trans­pa­renz öf­fent­li­chen Han­delns“und er­mög­lich­ten Bür­gern künf­tig ei­nen „tie­fe­ren Ein­blick in die Kom­mu­nal­po­li­tik“. „Bes­ser in­for­mier­te Bür­ger kön­nen bes­ser nach­voll­zie­hen, was ent­schie­den wor­den ist“, sag­te Gall.

Die Op­po­si­ti­on kri­ti­siert, GrünRot miss­traue den Man­dats­trä­gern vor Ort und re­ge­le von Stutt­gart aus Din­ge, die man bes­ser in den Ge­mein­den selbst klä­ren kön­ne. An ei­nen zwi­schen­zeit­li­chen Kom­pro­miss al­ler vier Frak­tio­nen von 2013 füh­len sich CDU und FDP nicht mehr ge­bun­den: Grün-Rot ha­be nach­träg­lich zu viel in das Ge­setz hin­ein­ge­packt.

Un­ter an­de­rem wur­den die­se Punk­te neu ge­re­gelt:

Al­ters­gren­ze: Land­rä­te, Ober­bür­ger­meis­ter und Bür­ger­meis­ter kön­nen sich künf­tig bis zum Al­ter von 67 Jah­ren wäh­len las­sen, bis­her gilt 64. Mit 73 Jah­ren ist für Amts­trä­ger Schluss (bis­her: 68 Jah­re).

Amts­blatt: Gibt ei­ne Ge­mein­de oder ein Land­kreis ein Amts­blatt her­aus, dür­fen Frak­tio­nen dort künf­tig ih­re Auf­fas­sun­gen in Mei­nungs­bei­trä­gen ver­öf­fent­li­chen. Ge­naue­res – vor al­lem die Län­ge der Bei­trä­ge – sol­len die Ge­mein­de­rä­te sel­ber re­geln.

Bür­ger­be­geh­ren: Das Be­geh­ren zur Durch­füh­rung ei­nes Bür­ger­ent- scheids müs­sen künf­tig nur noch sie­ben Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten un­ter­schrei­ben (bis­her: zehn). Kommt es dann zum Ent­scheid, sinkt das Zu­stim­mungs­quo­rum bei ein­fa­cher Mehr­heit auf 20 Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten (bis­her 25 Pro­zent). Die Frist für Bür­ger­be­geh­ren ge­gen Rats­be­schlüs­se wird von sechs Wo­chen auf drei Mo­na­te ver­län­gert.

Frak­tio­nen: Klei­ne Frak­tio­nen und Grup­pen in den Ge­mein­de­rä­ten wer­den ge­stärkt. Künf­tig kön­nen sie oder ein Sechs­tel ei­nes Ge­mein­de­rats ei­ge­ne Ta­ges­ord­nungs­punk­te oder die Un­ter­rich­tung des Rats durch den Bür­ger­meis­ter ver­lan­gen. Bis­her war ein Vier­tel ver­langt.

Ge­mein­de­rat: Das Land schreibt vor, dass Be­schluss­vor­la­gen zu an­ste­hen­den Ge­mein­de­rats­sit­zun­gen künf­tig „in der Re­gel min­des­tens sie­ben Ta­ge“vor der Sit­zung be­reit­ge­stellt wer­den müs­sen. Bis­her re­geln das die Ge­mein­den ei­gen­hän­dig, das Land schreibt le­dig­lich ei­ne „recht­zei­ti­ge“Zu­sen­dung vor.

Ju­gend­ge­mein­de­rä­te: Ju­gend­li­che kön­nen künf­tig ei­ne ei­ge­ne Ju­gend­ver­tre­tung ein­for­dern. Da­für müs­sen in Ge­mein­den bis zu 20 000 Ein­woh­nern 20 Ju­gend­li­che un­ter­schrei­ben, in Ge­mein­den bis zu 50 000 Ein­woh­nern 50.

FO­TO: DPA

Die An­for­de­run­gen an Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­schei­de wer­den ge­lo­ckert. Das ist Teil der Än­de­run­gen im Kom­mu­nal­recht, die der Land­tag ver­ab­schie­det hat.

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