Af­fen­thea­ter zum Stutt­gar­ter Zoo-Ju­bi­lä­um

Seit 50 Jah­ren hält die Wil­hel­ma Go­ril­las – Tier­schüt­zer nut­zen Fei­er für Kri­tik

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL - Von Roland Böhm

STUTT­GART (dpa) - Der Stutt­gar­ter Zoo hat am Mitt­woch ge­fei­ert, was Tier­schüt­zer für ei­nen „Trau­er­tag“hal­ten: Vor 50 Jah­ren zog mit Af­fen­da­me Mi­mi (52) der ers­te Go­ril­la in die Wil­hel­ma ein. Für sie gab es ei­ne Tor­te, für die Zoos Schel­te.

Die De­bat­te ist so alt wie die Zoo­hal­tung von Wild­tie­ren. In Frei­heit re­du­zie­ren Wil­de­rer die Be­stän­de. Der Le­bens­raum schrumpft, die Zahl der Go­ril­las in Afri­ka sinkt. Laut der Um­welt­or­ga­ni­sa­ti­on WWF häu­fen sich An­zei­chen, dass das Ebo­la­vi­rus die Be­stän­de aus­löscht. Höchs­tens 95 000 Flach­land­go­ril­las le­ben noch.

Ent­wür­di­gen­de Shows mit den Tie­ren leh­ne man na­tür­lich strikt ab, heißt es beim WWF. Doch se­he man die Men­schen­af­fen in Zoos in­zwi­schen als wich­ti­ge Bot­schaf­ter für ih­re be­droh­ten Art­ge­nos­sen. „Die Men­schen spen­den nur für et­was, das sie ken­nen und lie­ben“, sagt et­wa WWF-Spre­cher Roland Gram­ling. Tier­schüt­zer von Pe­ta be­zwei­feln das: Denn dann müss­te 150 Jah­re nach der Er­öff­nung des ers­ten Zoos in Deutsch­land der Zu­spruch für Ar- ten­schüt­zer viel grö­ßer sein, sagt Pe­ta-Zoo­ex­per­te Pe­ter Höff­ken. „Un­schul­dig weg­ge­sperrt“Auch in der Wil­hel­ma wür­den die Go­ril­las „un­schul­dig für ihr Le­ben lang weg­ge­sperrt“, sagt Höff­ken. Und das in ei­ner Zeit, in der dis­ku­tiert wer­de, ob auch Men­schen­af­fen ge­wis­se Grund­rech­te hät­ten. Die Go­ril­la­hal­tung müs­se aus­lau­fen.

Be­son­ders pi­kant am Stutt­gar­ter Bei­spiel: Das 2013 er­öff­ne­te Af­fen­haus soll­te ein welt­wei­tes Vor­bild für art­ge­rech­te Tier­hal­tung bie­ten. Doch es gibt er­heb­li­che Bau­män­gel, die zum Tod von zwei Jung­tie­ren ge­führt ha­ben sol­len.

Mitt­ler­wei­le nen­nen Zoos ein wei­te­res Ar­gu­ment für die Af­fen­hal­tung: Mög­li­cher­wei­se kön­ne man im Tier­park ge­bo­re­ne Af­fen in der frei­en Wild­bahn aus­set­zen und so den Be­stand in Frei­heit ret­ten. Tier­schüt­zer hal­ten es für un­mög­lich, dass Zoo­tie­re in Frei­heit über­le­ben. Tat­säch­lich schei­ter­ten bis jetzt meh­re­re sol­cher Ver­su­che. Wil­hel­ma-Vi- zech­fin Ma­ri­an­ne Holt­köt­ter be­für­wor­tet den­noch wei­te­re Aus­wil­de­run­gen: „Nur so kön­nen wir ler­nen, wie es funk­tio­nie­ren könn­te.“ Er­folg­rei­che Nach­zucht Go­ril­la­dame Mi­mi kam 1965 aus Ka­me­run nach Stutt­gart. In ih­rer Hei­mat wur­de sie in frei­er Wild­bahn ein­ge­fan­gen. In Deutsch­land dür­fen sol­che Tie­re längst nicht mehr ge­han­delt wer­den, in Chi­na ge­be es da­für aber im­mer noch ei­nen Markt, sagt Holt­köt­ter. Wil­de­rer er­schos­sen Mi­mis Mut­ter, um an den Nach­wuchs zu kom­men. Doch auch in Stutt­gart wa­ren die Zei­ten da­mals an­ders: Mi­mi wur­de erst in ei­nem Kauf­haus aus­ge­stellt.

Mit elf Jung­tie­ren ist Mi­mi ei­ne der er­folg­reichs­ten Go­ril­la­müt­ter in mensch­li­cher Ob­hut. 1973 war Mi­mi Mut­ter des ers­ten in der Wil­hel­ma ge­bo­re­nen Go­ril­la­ba­bys, doch erst ihr neun­tes Kind zog sie selbst auf, al­le vor­he­ri­gen nahm sie nicht an. Pe­ta sieht in der ho­hen Ra­te der von ih­ren Müt­tern ver­sto­ße­nen Ba­bys ei­nen Be­leg für die Schwä­chen der Zoo­hal­tung. In Frei­heit kom­me so et­was kaum vor.

FO­TO: DPA

Go­ril­la­dame Mi­mi zog 1965 in die Wil­hel­ma ein, am Mitt­woch durf­te sie 50 Jah­re spä­ter Ba­na­nen­tor­te es­sen.

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