VW ruft eu­ro­pa­weit 8,5 Mil­lio­nen Die­sel zu­rück

Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt zwingt den Kon­zern zur ver­pflich­ten­den Nach­bes­se­rung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

WOLFSBURG/FLENS­BURG (dpa) - Der Skan­dal um ma­ni­pu­lier­te Ab­gas­wer­te zwingt den VW-Kon­zern zum größ­ten Rück­ruf in der Fir­men­ge­schich­te. In den 28 Län­dern der Eu­ro­päi­schen Uni­on holt Volks­wa­gen rund 8,5 Mil­lio­nen Die­sel-Fahr­zeu­ge in die Werk­stät­ten, wie der Kon­zern am Don­ners­tag in Wolfsburg mit­teil­te. Zu­vor war eu­ro­pa­weit von rund acht Mil­lio­nen be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen die Re­de ge­we­sen. Rund 2,4 Mil­lio­nen da­von ent­fal­len auf die VWHei­mat Deutsch­land.

Der eu­ro­pa­wei­te Rück­ruf ent­spricht fast ei­nem Jah­res­ab­satz des Kon­zerns, der 2014 welt­weit gut zehn Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge ver­kauf­te. VW hat für Rück­ru­fe bis­her 6,5 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­rück­ge­stellt. „Volks­wa­gen wird ak­tiv auf sei­ne Kun­den zu­ge­hen und die­se in­for­mie­ren“, teil­te das Un­ter­neh­men mit. Mit der Nach­bes­se­rung der Fahr­zeu­ge soll ab Ja­nu­ar 2016 be­gon­nen wer­den. Kei­ne Kos­ten für die Kun­den Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt (KBA) ord­ne­te ei­nen ver­pflich­ten­den Rück­ruf für die 2,4 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge mit ma­ni­pu­lier­ter Mo­tor-Soft­ware in Deutsch­land an, wie Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) am Don­ners­tag sag­te. Das Bun­des­amt wer­de „den Be­ginn und den Fort­gang der Rück­ruf­ak­ti­on über­wa­chen“, sag­te Do­brindt. Bei frei­wil­li­gen Nach­bes­se­run­gen in der Re­gie des Kon­zerns bleibt es al­so nicht. Bis En­de Ok­to­ber muss VW der Be­hör­de die ge­plan­te neue Soft­ware für die 2,0-Li­ter-Mo­del­le vor­stel­len, bis En­de No­vem­ber dann die Lö­sun­gen für die Fahr­zeu­ge mit 1,6 Li­tern und 1,2 Li­tern Hu­b­raum. VW ha­be zu­ge­si­chert, dass den Kun­den durch die Um­rüs­tun­gen kei­ne Kos­ten ent­stün­den.

Die Rück­ruf­ak­ti­on trifft vor al­lem die VW-Kern­mar­ke. Aber auch die VW-Schwes­ter­mar­ken Au­di, Seat, Sko­da und ei­ni­ge VW-Nutz­fahr­zeu­ge zäh­len zum Kreis des Rück­ru­fes.

Laut KBA han­delt es sich bei der Soft­ware um ei­ne „un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung“. VW muss sie aus al­len Fahr­zeu­gen ent­fer­nen und si­cher­stel­len, dass die Ab­gas­vor­schrif­ten künf­tig ein­ge­hal­ten wer­den. Für die Au­to­fah­rer än­dert sich bis da­hin nichts. „Die Fahr­zeu­ge sind ver­kehrs­si­cher und kön­nen des­we­gen auch im Ein­satz ganz nor­mal ge­fah­ren wer­den“, sag­te Do­brindt. Hal­ter müs­sen erst ak­tiv wer­den, wenn sie von VW Post be­kom­men. Die Rück­ruf­ak­ti­on ist dann aber für sie Pflicht. Ein KBA-Spre­cher sag­te am Don­ners­tag, dass in letz­ter Kon­se­quenz den Hal­tern bei Ver­wei­ge­rung die Still­le­gung der Wa­gen dro­he. Zu­vor ge­be es aber wie­der­hol­te Auf­for­de­run­gen.

VW plant für die be­trof­fe­nen Au­tos mit 2,0 Li­tern Hu­b­raum rei­ne Soft­ware-Lö­sun­gen. Bei Mo­to­ren mit 1,6 Li­tern Zy­lin­der­vo­lu­men ist wohl zu­sätz­lich ei­ne An­pas­sung in der Mo­tor­tech­nik nö­tig – al­so ein Ein­griff nicht nur über die Pro­gram­mie­rung. Die­se tech­ni­sche Lö­sung steht ver­mut­lich erst ab Sep­tem­ber 2016 zum Ein­bau zur Ver­fü­gung, wie Do­brindt sag­te. Was genau bei den 1,2-Li­ter-Mo­to­ren tech­nisch nach­ge­bes­sert wer­den muss, blieb zu­nächst va­ge. Laut KBA sind die von VW skiz­zier­ten An­pas­sun­gen noch nicht ab­schlie­ßend be­wer­tet.

Mit dem ver­pflich­ten­den Rück­ruf schal­tet sich das KBA di­rekt in die Af­fä­re ein. Eu­ro­pas größ­ter Au­to­bau­er hat­te im Ok­to­ber ei­nen Ka­ta­log mit Plä­nen an das Bun­des­amt ge­sandt, in de­nen es um die Be­wäl­ti­gung des Skan­dals der per Spe­zi­al­soft­ware ge­schön­ten Ab­gas­wer­te geht. Es dro­hen Mil­li­ar­den­kos­ten für die Nach­bes­se­rung, mög­li­che Straf­zah­lun­gen und Ge­richts­pro­zes­se. Mül­ler kri­ti­siert Win­ter­korn Bei ei­nem Tref­fen in Leip­zig hat VWVor­stands­boss Mat­thi­as Mül­ler die Top-Ma­na­ger auf die Be­wäl­ti­gung des Ab­gas-Skan­dals ein­ge­schwo­ren und sei­nen Vor­gän­ger Mar­tin Win­ter­korn und des­sen le­gen­dä­ren Kon­troll­zwang kri­ti­siert. „Was die Pro­duk­te selbst be­trifft, ha­be ich de­fi­ni­tiv nicht vor, in De­tails von Pro­duk­tent­schei­dun­gen ein­zu­grei­fen. Ob ei­ne Front­schei­be ein Grad stei­ler steht oder nicht – da­mit will und wer­de ich mich nicht be­fas­sen“, sag­te Mül­ler vor 400 Füh­rungs­kräf­ten.

Die ita­lie­ni­sche Fi­nanz­po­li­zei hat meh­re­re Bü­ros von Volks­wa­gen in Ita­li­en durch­sucht. Be­trof­fen sei­en Räu­me am Haupt­sitz in Ve­ro­na und der Toch­ter Lam­bor­ghi­ni in Bo­lo­gna, be­stä­tig­te ein Spre­cher der Fi­nanz­po­li­zei. Die Staats­an­walt­schaft Ve­ro­na ha­be die Durch­su­chun­gen an­ge­ord­net. Sie er­mit­telt dem­nach im Ab­gas-Skan­dal ge­gen ei­ni­ge Ma­na­ger des Kon­zerns in Ita­li­en we­gen des Ver­dachts auf Han­dels­be­trug. Das Kraft­fahrt- Bun­des­amt ( KBA) mit sei­nem Haupt­sitz Flens­burg ist die obers­te Bun­des­be­hör­de für den Stra­ßen­ver­kehr. Sie be­schäf­tigt fast 930 Mit­ar­bei­ter. Ein zwei­ter Di­enst­sitz ist in Dres­den, wo bis 1990 das Kraft­fahr­zeug­tech­ni­sche Amt der DDR be­hei­ma­tet war. KBA- Prä­si­dent ist der Ju­rist Ek­hard Zin­ke. Bun­des­weit be­kannt ist das KBA durch die Straf­punk­te für Ver­kehrs­sün­der. Et­wa 8,85 Mil­lio­nen „ Sün­der“wa­ren am 1. Ja­nu­ar 2014 beim KBA re­gis­triert. 6,4 Mil­lio­nen von ih­nen hat­ten zwi­schen ei­nem und sie­ben Punk­ten. 429 000 wa­ren mit 8 bis 13 Punk­ten ein­ge­tra­gen. 39 000 hat­ten 14 Punk­te und mehr auf dem Kon­to. ( dpa)

FO­TO: DPA

Neu­wa­gen des VW-Kon­zerns in ei­nem VW-Werk: Dem Kon­zern dro­hen Mil­li­ar­den­kos­ten.

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