„Wir ZF’ler“zie­hen An­trag vor Ge­richt zu­rück

Op­po­si­tio­nel­le Be­triebs­rats­grup­pe sieht Ziel er­reicht – Neue Vor­wür­fe

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Steffen Ran­ge

RA­VENS­BURG - Das Ar­beits­ge­richt Ra­vens­burg be­fasst sich nicht län­ger mit den Vor­gän­gen im ZF-Be­triebs­rat. Die op­po­si­tio­nel­le Be­triebs­rats­frak­ti­on Wir ZF’ler hat ih­ren An­trag zu­rück­ge­zo­gen, ei­ne mög­li­che Pflicht­ver­let­zung von Be­triebs­rats­chef Achim Dietrich-Ste­phan gut­ach­ter­lich be­wer­ten zu las­sen. Die Staats­an­walt­schaft er­mit­telt wei­ter­hin ge­gen Dietrich-Ste­phan.

Die Wir ZFl’er ver­tre­ten die An­sicht, dass Dietrich-Ste­phan sei­ne Macht zu­guns­ten der Ge­werk­schaft IG Me­tall miss­braucht ha­be. Die IG Me­tall ha­be sich in­ner­halb des ZF-Be­triebs­rats ei­nen un­lau­te­ren Vor­teil ver­schafft, um die klei­ne­ren Op­po­si­ti­ons­frak­tio­nen aus­zu­boo­ten. Der Be­triebs­rats­chef be­zeich­net die­se Vor­wür­fe als halt­los.

Rechts­an­walt Da­ni­el Pohl von der Fried­richs­ha­fe­ner Kanz­lei Ku­bon be­stä­tig­te die Rück­nah­me des An­trags am Ar­beits­ge­richt. Er ver­tritt die Spre­che­rin der Wir ZF’ler, Bar­ba­ra Rentsch. Die Ra­vens­bur­ger Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Ulm hät­te sich am Frei­tag kom­men­der Wo­che wie­der mit dem Fall be­schäf­tigt.

ZF be­grüß­te das En­de des Ver­fah­rens. „Wir freu­en uns, dass die Po­si­ti­on der Ver­nunft ge­siegt hat“, sag­te ein Spre­cher des Tech­no­lo­gie­kon­zerns. Der Rechts­ver­tre­ter von DietrichS­te­phan, Hol­ger Ro­th­bau­er aus Tü­bin­gen, zeig­te sich er­freut, „dass die­ser von An­fang an recht­lich sinn­lo­se An­trag zu­rück­ge­nom­men wur­de“.

Rentsch hat­te das Ver­fah­ren im Som­mer auf den Weg ge­bracht, um ein Rechts­gut­ach­ten zu er­zwin­gen, das das Ge­ba­ren des Be­triebs­rats­chefs ju­ris­tisch be­wer­ten soll­te. Ein der­ar­ti­ges Gut­ach­ten hät­te die Grund­la­ge für ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen Dietrich-Ste­phan bil­den sol­len. ZF soll­te die Kos­ten da­für tra­gen.

Nach An­ga­ben Pohls ha­be sich die­ses Gut­ach­ten er­üb­rigt, da sich in­zwi­schen die Staats­an­walt­schaft Ra­vens­burg mit den Vor­gän­gen im ZFBe­triebs­rat be­fasst. Zu­dem ha­be ZF selbst um­fang­rei­che Er­mitt­lun­gen ver­an­lasst. „Mei­ne Man­dan­tin hegt die Hoff­nung, dass die ZF bei künf­ti­gen An­trä­gen des Be­triebs­rats ge­nau­er hin­schaut, für wel­chen Zweck und für wel­che Grup­pie­run­gen zum Bei­spiel Se­mi­na­re be­an­tragt wer­den.“ „Schritt in Rich­tung Be­frie­dung“Rentsch und ihr An­walt wol­len die Rück­nah­me des An­trags vor dem Ar­beits­ge­richt als „Schritt in Rich­tung ei­ner Be­frie­dung der ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen im Be­triebs­rats­gre­mi­um“ver­stan­den wis­sen, sag­te Rechts­an­walt Pohl. Mög­li­cher­wei­se wä­ren die WirZF’ler aber auch vor Ge­richt ge­schei­tert. Rich­ter Klaus Mayer hat­te das beim Gü­te­ter­min im Som­mer durch­bli­cken las­sen.

Über den Streit im Be­triebs­rat des welt­weit dritt­größ­ten Au­to­zu­lie­fe­rers hat­ten zu­erst die „Schwä­bi­sche Zei­tung“und das „Han­dels­blatt“be­rich­tet. Seit Be­kannt­wer­den der Vor­wür­fe soll sich das Kli­ma im ZF-Be­triebs­rat ver­schlech­tert ha­ben. „Wir wer­den wei­ter be­hin­dert, er­hal­ten nicht die nö­ti­gen Ar­beits­mit­tel, Grund­se­mi­na­re wer­den ab­ge­lehnt, al­les mit der Mehr­heit der IG-Me­tal­lMit­glie­der“, sag­te Rentsch der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Sie se­he sich per­sön­li­chen An­fein­dun­gen aus­ge­setzt. „Es ist auch mitt­ler­wei­le so, dass wir ver­su­chen, uns nur noch zu zweit auf dem Be­triebs­ge­län­de zu be­we­gen.“Ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Dietrich-Ste­phan „auf Ar­beits­ebe­ne“sei „nur schwer bis gar nicht mög­lich“.

Die­ser Darstel­lung wi­der­sprach Dietrich-Ste­phans An­walt Ro­th­bau­er. Sei­nem Man­da­ten lä­gen we­der Be- Der ZF- Be­triebs­rat setzt sich aus drei Grup­pen zu­sam­men: der IG- Me­tall- Frak­ti­on um DietrichS­te­phan, sie ist die stärks­te, der Wir ZF’ler- Frak­ti­on so­wie der Christ­li­chen Me­tall­ge­werk­schaft ( CGM). Der Vor­wurf der Wir ZF’ler lau­tet: Dietrich- Ste­phan soll Se­mi­na­re und Bro­schü­ren in­klu­si­ve Rech­nun­gen als „ sach­lich rich­tig“ab­ge­zeich­net ha­ben, von de­nen schwer­den noch ab­schlä­gig be­schie­de­ne An­trä­ge an­de­rer Be­triebs­rats­frak­tio­nen vor. „Schlicht halt­los“sei­en die neu­er­li­chen Vor­wür­fe. „Wenn Frau Rentsch es mit dem Frie­den im Be­triebs­rat ernst meint, soll­te sie sol­che Äu­ße­run­gen un­ter­las­sen.“

Die Staats­an­walt­schaft teil­te mit, dass die Er­mitt­lun­gen der Kri­mi­nal­po­li­zei an­dau­er­ten. Die Un­ter­su­chung wür­de sich bis ins kom­men­de Jahr zie­hen, sag­te Ober­staats­an­walt Karl-Jo­sef Diehl. ZF äu­ßer­te sich nicht zum Stand der Er­mitt­lun­gen, be­ton­te je­doch aber­mals, mit der Staats­an­walt­schaft zu ko­ope­rie­ren. Auch in­tern sei­en die Vor­gän­ge noch ein­mal über­prüft wor­den, sag­te ein Spre­cher. Hin­ter­grün­de zu den Vor­gän­gen im ZF- Be­triebs­rat un­ter: schwa­ebi­sche. de/ zf- be­triebs­rat aber in ers­ter Li­nie sei­ne IG- Me­tall pro­fi­tier­te und nicht wie vor­ge­schrie­ben der Be­triebs­rat als Ge­samt­gre­mi­um. Es be­steht al­so der Ver­dacht, dass rei­ne IG- Me­tal­lVer­an­stal­tun­gen wo­mög­lich als Be­triebs­rats­fort­bil­dun­gen ge­tarnt und ab­ge­rech­net wur­den. In die­sem Fall könn­te der Be­trug­s­pa­ra­graf 263 des Straf­ge­setz­bu­ches ins Spiel kom­men.

ILLUSTRATION: CA­RI­NA CRENSHAW

Der Streit vor dem Ar­beits­ge­richt zwi­schen ZF- Be­triebs­rats­chef Achim Dietrich- Ste­phan und der Spre­che­rin der op­po­si­tio­nel­len Be­triebs­rats­grup­pe Wir ZF’ler, Bar­ba­ra Rentsch, ist bei­ge­legt. Doch die Span­nun­gen zwi­schen den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern dau­ern an.

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