Ist das Spei­chern von Da­ten sinn­voll?

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Mar­co. weiss@ schwa­ebi­sche. de ro­bert. kolm@ schwa­ebi­sche. de

äh­rend die Zahl der Straf­ta­ten seit Jah­ren sinkt, steigt sie im Be­reich der In­ter­net­kri­mi­na­li­tät per­ma­nent. Da­her ist es not­wen­dig, den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den wirk­sa­me Fahn­dungs­werk­zeu­ge zur Ver­fü­gung zu stel­len. Bei der be­schlos­se­nen Re­ge­lung han­delt es sich um ei­ne Vor­rats­da­ten­spei­che­rung light. We­der wer­den Ge­sprächs­in­hal­te ge­spei­chert noch wer­den un­be­schol­te­ne Bür­ger rund um die Uhr ab­ge­hört.

Im Ge­gen­satz zum ers­ten Ent­wurf, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 2010 für ver­fas­sungs­wid­rig er­klärt hat, wer­den in der Neu­auf­la­ge we­ni­ger Da­ten ge­spei­chert und sie wer­den kür­zer auf­be­wahrt. Auch die Zu­griffs­hür­den sind hö­her. So dür­fen Ruf­num­mern erst nach Zu­stim­mung

Wdurch ei­nen Rich­ter an die Po­li­zei her­aus­ge­ben wer­den. In An­be­tracht ter­ro­ris­ti­scher Be­dro­hun­gen und or­ga­ni­sier­ter Cy­ber­kri­mi­na­li­tät ist der Be­schluss ein Mit­tel­weg zwi­schen Frei­heit und Si­cher­heit. Wer sich ge­gen sol­che maß­vol­len Lö­sun­gen der Spei­che­rung stellt, darf sich nicht wun­dern, wenn die Po­li­zei nicht mehr in der La­ge ist, die Be­völ­ke­rung an­ge­mes­sen zu schüt­zen. Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ist kein All­heil­mit­tel. Aber sie kann Ver­bre­chen ver­hin­dern oder auf­klä­ren hel­fen. Das ist wich­ti­ger als we­gen ty­pisch deut­scher Da­ten­schutz­be­den­ken das EU-Recht nicht zu ra­ti­fi­zie­ren.

Mar­co Weiß ur­ra, es darf ge­schnüf­felt wer­den. Of­fi­zi­ell na­tür­lich, um Ter­ro­ris­ten zu fas­sen. Könn­te ja vor­kom­men, dass ei­ner von de­nen mal dumm ge­nug ist, der­art of­fen­sicht­li­che Spu­ren zu hin­ter­las­sen. An­schlä­ge ver­hin­dern wird die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung im Gro­ßen aber wohl nicht. Frank­reich hat sie seit 2006. Die An­schlä­ge auf die Re­dak­ti­on von „Char­lie Heb­do“im Ja­nu­ar 2015 in Pa­ris konn­ten da­durch nicht ab­ge­wen­det wer­den.

Einst­wei­len wer­den al­so 80 Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger aus­ge­späht. Ver­dachts­un­ab­hän­gig, nur für den Fall der Fäl­le. Und für schwe­re Straf­ta­ten. Nur, was ist ei­ne schwe­re Straf­tat? Wenn es dar­um geht, Mör­der und Kin­der­schän­der zu ver­fol­gen, stim­men na­tür­lich al­le zu. Bei Steu-

Her­hin­ter­zie­hung fällt der Ju­bel schon ver­hal­te­ner aus. Und zählt das il­le­ga­le Her­un­ter­la­den von Fil­men und Mu­sik aus dem Netz als schwe­re Straf­tat? Aus Sicht der Rech­te­Inha­ber si­cher­lich. Steht mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung erst ein­mal ein wirk­sa­mes In­stru­ment be­reit, wer­den die Lob­by­is­ten schon wis­sen, wie sie Ein­fluss aus­üben kön­nen.

Dass ein Rich­ter der Her­aus­ga­be von Da­ten erst zu­stim­men muss, ist ein Witz. Ei­ne Un­ter­schrift hat sich ein An­walt schnell be­sorgt. Lei­der zeig­ten Fäl­le in der Ver­gan­gen­heit, dass Rich­ter mit der Ma­te­rie über­for­dert wa­ren.

„Weg zwi­schen Frei­heit und Si­cher­heit.“

„An­schlä­ge wer­den so nicht

ver­hin­dert.“

Ro­bert Kolm

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