Vor dem Ver­trags­ab­schluss Zäh­ne zäh­len

Zahn­zu­satz­ver­si­che­rer le­gen An­ga­ben zum Ge­sund­heits­zu­stand oft auf die Gold­waa­ge

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Wolf­gang Mul­ke

RA­VENS­BURG - Man­che Ge­schich­ten aus dem wah­ren Le­ben wür­de ein Schrift­stel­ler als zu ab­surd zum Auf­schrei­ben be­zeich­nen. Da­zu ge­hört die Er­fah­rung ei­ner Le­se­rin aus dem schwä­bi­schen Leutkirch. Sie schloss vor gut fünf Jah­ren ei­ne Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung bei der Ver­si­che­rung Cen­tral ab. Wie an­de­re Kun­den auch muss­te Ri­ta Lau­drup (Na­me v.d. Red. ge­än­dert) vor dem Ver­trags­ab­schluss Fra­gen zu ih­rem Ge­sund­heits­zu­stand be­ant­wor­ten. „Im An­trag kreuz­te ich die Fra­ge nach der An­zahl feh­len­der Zäh­ne mit ,kei­ne’ an“, sagt sie, „ich war der Mei­nung, un­ter feh­len­den Zäh­nen wä­ren Zahn­lü­cken ge­meint.“Der Ver­mitt­ler der Po­li­ce ha­be dies auch so ge­se­hen.

Ihr Zahn­arzt be­stä­tig­te, dass für ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum kei­ne grö­ße­ren Be­hand­lun­gen an­ste­hen wür­den. Das war erst vier­ein­halb Jah­re spä­ter der Fall. Der Arzt woll­te drei Im­plan­ta­te set­zen. „Ich schick­te den Kos­ten­plan mei­nes Zahn­arz­tes an die Cen­tral zur Über­prü­fung des Ver­si­che­rungs­schut­zes“, er­in­nert sich die Le­se­rin. Das bö­se Er­wa­chen kam mit ei­nem Schrei­ben der Cen­tral. Die Ver­si­che­rung ver­wies auf fal­sche An­ga­ben im Ver­si­che­rungs­an­trag, da Frau Lau­drup fünf Zäh­ne feh­len wür­den. Das Un­ter­neh­men trat da­mit vom Ver­trag zu­rück und zahl­te kei­nen Cent für die Be­hand­lung. Ei­ne Rück­for­de­rung von be­reits ge­zahl­ten 70 Eu­ro be­hielt sich die Ver­si­che­rung zu­dem vor. Die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­zahl­ten Bei­trä­ge be­hielt die Cen­tral zu­dem ein. „Das kann doch bei ge­sun­dem Men­schen­ver­stand nicht sein“, sagt sich Frau Lau­drup nun. Ihr Ge­biss sei auch oh­ne die­se Zäh­ne voll funk­ti­ons­tüch­tig. Sie muss­ten da­her nie er­setzt wer­den. Die Le­se­rin wirft der Ver­si­che­rung vor, dass die­se kei­ne Be­stä­ti­gung ei­nes Zahn­arz­tes beim Ver­trags­ab­schluss ver­langt hat.

Die Köl­ner Ver­si­che­rung ver­tei­digt den Rück­tritt vom Ver­trag. „Die An­zahl der tat­säch­lich feh­len­den Zäh­ne zu den An­ga­ben von Frau Lau­drup weicht so weit von­ein­an­der ab, dass wir nicht von ei­nem Ver­se­hen aus­ge­hen kön­nen“, teilt die Cen­tral auf An­fra­ge mit. Des­halb se­he das Un­ter­neh­men kei­ne Mög­lich­keit ei­ner an­de­ren Lö­sung. Recht­lich steht die Ver­si­che­rung auf fes­ten Fü­ßen. Laut Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz ste­hen die bis zur An­fech­tungs­er­klä­rung be­reits ge­zahl­ten Bei­trä­ge der Ver­si­che­rung zu. Auch wür­den die Kun­den im An­trag auf ei­ne Po­li­ce di­rekt auf die mög­li­chen Fol­gen fal­scher An­ga­ben hin­ge­wie­sen. Hil­fe vom Zahn­arzt Ver­brau­cher­schüt­zer ra­ten da­zu, die An­ga­ben beim An­trag auf ei­ne Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung un­be­dingt wahr­heits­ge­mäß zu be­ant­wor­ten. Meist wer­de nur die Fra­ge nach feh­len­den Zäh­nen ge­stellt, heißt es bei der Stif­tung Wa­ren­test. „Wer sich un­si­cher ist, soll­te sich von sei­nem Zahn­arzt hel­fen las­sen“, ra­ten die Tes­ter. Ei­ne rich­ti­ge Über­prü­fung der An­ga­ben durch die Ver­si­che­rung fin­det in der Re­gel erst statt, wenn das Un­ter­neh­men die Kos­ten für ei­ne teu­re Be­hand­lung über­neh­men soll. Dann sei bei Falsch­an­ga­ben so­gar ei­ne An­fech­tung des Ver­tra­ges mög­lich. So ist es im Fall von Frau Lau­drup ge­sche­hen.

ANZEIGE

Ge­ne­rell emp­feh­len Ver­brau­cher­schüt­zer Zahn­zu­satz­ver­si­che­run­gen, auch wenn die­se nicht zu den exis­ten­zi­el­len Ab­si­che­run­gen ge­hö­ren. Die Ver­trä­ge sind vor al­lem für die Fi­nan­zie­rung von gu­tem Zahn­er­satz wich­tig. Hier be­zah­len die Kran­ken­kas­sen nur ei­nen Teil der Kos­ten. Wer für Kro­nen oder Im­plan­ta­te bes­se­re Ma­te­ria­li­en ver­wen­den las­sen möch­te, muss oh­ne Zu­satz­ver­si­che­rung selbst tief in die Ta­sche grei­fen. Laut Stif­tung Wa­ren­test sind gu­te An­ge­bo­te schon ab ei­ner Prä­mie von 13 Eu­ro im Mo­nat auf dem Markt. Ein Ver­trag soll­te zu­dem in der rich­ti­gen Le­bens­pha­se ab­ge­schlos­sen wer­den, wenn das Ge­biss noch in­takt ist. Oft ste­hen Ver­brau­cher wehr­los da, wenn sie Streit mit den An­bie­tern von Wa­ren oder Di­ens­ten ha­ben. Über­höh­te Rech­nun­gen, ver­wei­ger­te Er­satz­leis­tun­gen oder un­fai­re Ge­schäfts­be­din­gun­gen sind nur ein paar Bei­spie­le da­für. Un­se­re Zei­tung hilft Ver­brau­chern mit sol­chen Är­ger­nis­sen und er­klärt, wie man sich in den ein­zel­nen Fäl­len am bes­ten ver­hält. Schrei­ben oder mai­len Sie uns Ih­re Ge­schich­te. Un­se­re Ver­brau­cher­ex­per­ten schal­ten sich dann ein. Bit­te schi- cken Sie uns kei­ne Ori­gi­nal­do­ku­men­te als Be­leg der Sach­la­ge, son­dern nur Ko­pi­en. Zu­dem be­nö­ti­gen wir ei­ne Mail­adres­se oder Te­le­fon­num­mer, da­mit wir Kon­takt mit Ih­nen auf­neh­men kön­nen. Bit­te ge­ben Sie als Be­treff das Stich­wort „Ver­brau­cher­schutz" an. Per Mail er­rei­chen Sie uns un­ter: re­dak­ti­on@ schwa­ebi­sche. de. Per Post er­rei­chen Sie uns un­ter: Schwä­bi­sche Zei­tung, Re­dak­ti­on Wirt­schaft, Stich­wort Ver­brau­cher­schutz, Karl­stra­ße 16, 88212 Ra­vens­burg.

FOTO: DPA

Ver­brau­cher kön­nen sich mit Zahn­zu­satz­po­li­cen ge­gen die ho­hen Kos­ten bei Zahn­er­satz wapp­nen. Da­bei soll­ten sie aber ge­nau auf die Be­din­gun­gen ach­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.