Von Cra­nach bis Play­mo­bil

Das sa­nier­te Ei­se­nach­er Lu­therhaus ist mit sei­ner neu­en Aus­stel­lung für das Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um im Jahr 2017 gut ge­wapp­net

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Tho­mas Bi­ckel­haupt

EI­SE­NACH (epd) - Nach zwei Jah­ren Um­bau und Er­wei­te­rung wur­de das Lu­therhaus in Ei­se­nach En­de Sep­tem­ber wie­der­er­öff­net. „Lu­ther und die Bi­bel“heißt die nun­mehr vier­te Dau­er­aus­stel­lung im Lu­therhaus, das als Mu­se­um be­reits seit 1956 in „Lu­thers lie­ber Stadt“an den Re­for­ma­tor er­in­nert.

Dass der jun­ge Mar­tin Lu­ther (1483-1546) einst als Latein­schü­ler tat­säch­lich in dem statt­li­chen Ge­bäu­de aus dem 14. Jahr­hun­dert leb­te, ist un­ter Fach­leu­ten um­strit­ten. „Zu­min­dest aber ge­hör­te es der wohl­ha­ben­den Pa­tri­zi­er­fa­mi­lie Cotta, die sich um den Latein­schü­ler aus Eis­le­ben küm­mer­te“, sagt Mu­se­ums­lei­ter und Ku­ra­tor Jo­chen Bir­ken­mei­er. Mo­der­ne Mu­se­ums­at­mo­sphä­re Mit den Bau­ar­bei­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re ist in ei­nes der äl­tes­ten Häu­ser Ei­se­nachs und Thü­rin­gens mo­der­ne Mu­se­ums­at­mo­sphä­re ein­ge­zo­gen. Der seit­li­che glä­ser­ne An­bau mit Ti­cket­kas­se, Mu­se­ums­shop und viel Platz für Son­der­aus­stel­lun­gen er­mög­licht zu­dem in ei­nem lich- ten Treppenhaus den bar­rie­re­frei­en Zu­gang in den his­to­ri­schen Fach­werk­bau. Dort er­schließt sich das The­ma in groß­zü­gig be­stück­ten Vi­tri­nen.

Die Ex­po­na­te rei­chen von Ge­mäl­den aus der Cra­nach-Werk­statt über wert­vol­le Bi­be­l­aus­ga­ben ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te und mit­tel­al­ter­li­cher Schnitz­plas­tik bis zu Lu­therSou­ve­nirs in un­ter­schied­lichs­ten Va­ri­an­ten – dar­un­ter auch die heiß be­gehr­te Play­mo­bil-Fi­gur des Re­for­ma­tors. Sie dür­fe im Um­feld der Po­pu­la­ri­sie­rung der Lu­ther­bi­bel „na­tür­lich nicht feh­len“, sagt Bir­ken­mei­er. Die Fi­gur sei mit der Bi­bel von 1534 und der Schreib­fe­der „ganz ein­deu­tig als Bi­bel­über­set­zer dar­ge­stellt“.

Bir­ken­mei­er hat vor sei­nem Wech­sel nach Ei­se­nach in Eis­le­ben die neue Aus­stel­lung in Lu­thers Ster­be­haus ge­stal­tet. Das da­ma­li­ge An­lie­gen ei­nes mög­lichst nie­der- schwel­li­gen Zu­gangs zum The­ma be­stimmt auch den neu­en Rund­gang am Ei­se­nach­er Lu­therplatz. Da­bei sind es oft Klei­nig­kei­ten, die bei­nah bei­läu­fig auf grö­ße­re Zu­sam­men­hän­ge ver­wei­sen. Et­wa die Ge­gen­über­stel­lung von Abend­mahls­ge­rät aus der Zeit vor und nach 1517: Mit der Re­for­ma­ti­on wur­den die Abend­mahls­kel­che grö­ßer, weil beim Abend­mahl nach dem Brot der Wein auch für die Ge­mein­de rei­chen muss­te.

„Un­ser Mu­se­um soll wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­ri­en eben­so ge­recht wer­den wie den Be­su­cher­er­war­tun­gen an ei­ne kul­tur­ge­schicht­li­che Aus­stel­lung zur Re­for­ma­ti­ons­zeit und ih­ren Fol­gen“, re­sü­miert Bir­ken­mei­er. Bei der Darstel­lung zu Lu­thers Bio­gra­fie und zum theo­lo­gi­schen Hin­ter­grund sei­ner Bi­bel­über­set­zung wird auch auf frü­he­re Über­tra­gun­gen ver­wie­sen.

Jo­chen Bir­ken­mei­er, Mu­se­ums­lei­ter und Ku­ra­tor Wir­kungs­ge­schich­te der Bi­bel Ein wei­te­rer Aspekt ist die Wir­kungs­ge­schich­te der Lu­ther­bi­bel in Mu­sik, Spra­che und Li­te­ra­tur. „Die Bi­bel wur­de im 18. Jahr­hun­dert zur Mas­sen­wa­re“, sagt Bir­ken­mei­er und ver­weist auf die 1710 in Hal­le ge­grün­de­te Can­stein­sche Bi­bel­an­stalt.

Erst­mals kommt jetzt das an­ti­se­mi­ti­sche „In­sti­tut zur Er­for­schung und Be­sei­ti­gung des jü­di­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Le­ben“in den Blick, das die sys­tem­na­hen „Deut­schen Chris­ten“in der NS-Zeit in der Ei­se­nach­er Born­stra­ße eta­blier­ten. Die „ent­ju­de­te Bi­bel“des be­rüch­tig­ten „Ent­ju­dungs­in­sti- tuts“sei „ein kras­ses Bei­spiel für ei­ne fehl­ge­lei­te­te ‚Re­vi­si­on‘ des Bi­bel­tex­tes“, be­tont Bir­ken­mei­er.

„Wir wol­len deut­lich ma­chen, dass es vor, ne­ben und nach Lu­ther auch an­de­re theo­lo­gi­sche Po­si­tio­nen gibt und Lu­thers Auf­fas­sun­gen durch­aus in­fra­ge ge­stellt und dis­ku­tiert wer­den dür­fen“, fügt der Ku­ra­tor hin­zu.

Den Be­su­cher er­war­tet denn auch kei­ne Hel­den­ver­eh­rung, son­dern ein ins­ge­samt eher nüch­ter­nes Lu­ther­bild. Es zeigt die Leis­tun­gen des Re­for­ma­tors auf, aber auch sei­ne Gren­zen. Da­mit er­scheint der Rund­gang

„Wir wol­len zei­gen, dass es vor, ne­ben und

nach Lu­ther auch an­de­re theo­lo­gi­sche

Po­si­tio­nen gab.“

durch­aus ge­eig­net, sich mit po­pu­lä­ren Le­gen­den und Vor­ur­tei­len zu Lu­ther und der Über­lie­fe­rung aus­ein­an­der­zu­set­zen. Für die vor zwei Jah­ren ge­grün­de­te Stif­tung Lu­therhaus Ei­se­nach als Trä­ger ist das neue Mu­se­um ein wich­ti­ger Mei­len­stein für das gro­ße Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um in zwei Jah­ren. Ins­ge­samt wur­den rund vier Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert. Mehr In­for­ma­tio­nen im In­ter­net: www.lu­therhaus-ei­se­nach.com

FO­TOS: DPA

Das Lu­therhaus ist nach fast zwei­jäh­ri­ger Sa­nie­rung wie­der­er­öff­net wor­den.

Die Dau­er­aus­stel­lung wid­met sich dem The­ma „Lu­ther und die Bi­bel“.

Ma­gne­ten mit dem Por­trät Mar­tin Lu­thers aus ei­nem Cra­nach-Ge­mäl­de lie­gen zum Ver­kauf be­reit.

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