Urauf­füh­rung fin­det in Scheer statt

In den neu­en Stü­cken trifft Kom­po­si­ti­on auf Im­pro­vi­sa­ti­on – Pre­mie­re am 24. Ok­to­ber

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SCHEER/ MESSKIRCH/ LEIBERTINGEN - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

SCHEER - Eins ist si­cher: Wer am Sams­tag, 24. Ok­to­ber, in Scheer der Urauf­füh­rung der un­ter dem Ti­tel „For­men“zu­sam­men­ge­fass­ten Stü­cke bei­wohnt, der wird Mu­sik hö­ren, wie sie nur ein ein­zi­ges Mal ge­spielt wird. Im Ge­mein­schafts­pro­jekt des Mu­si­kers und Pro­du­zen­ten Hans Joa­chim Irm­ler aus Scheer und des Mu­si­kers Carl Fried­rich Oest­er­helt aus München tref­fen stren­ge Kom­po­si­tio­nen auf wil­de Im­pro­vi­sa­tio­nen. Auf der ge­press­ten Schall­plat­te ist nur ei­ne Va­ri­an­te der Stü­cke fest­ge­hal­ten, live wer­den sie je­des Mal an­ders klin­gen.

Ein­ein­halb Jah­re lang ha­ben die bei­den Künst­ler an ih­rem Pro­jekt ge­ar­bei­tet, sich ge­gen­sei­tig vor­ge­spielt, zu­ge­hört und dis­ku­tiert. „Carl hat et­was ein­ge­spielt und dann zu mir ge­sagt: Jetzt bist du dran“, sagt Hans Joa­chim Irm­ler. Wäh­rend Oest­er­helt die für Strei­cher, Kla­ri­net­te, Kla­vier, und Schlag­werk kon­zi­pier­ten Parts kom­po­niert und da­mit in No­ten für im­mer fest­ge­legt hat, über­nimmt Irm­ler mit sei­nem Syn­the­si­zer die über­ra­schen­den Im­pro­vi­sa­tio­nen. „Mal hal­te ich da­ge­gen, mal schwim­me ich ein Stück mit dem Strom, mal zu­rück­hal­tend, mal stür­mi­scher“, sagt Irm­ler. Ra­tio­na­li­tät tref­fe so auf Emo­tio­na­li­tät und es ent­ste­he ein span­nen­der Dia­log.

Ken­nen­ge­lernt ha­ben sich Oest­er­helt und Irm­ler vor fünf Jah­ren beim Klang­bad-Fes­ti­val in Scheer, als Oest­er­helt hier mit sei­ner baye­ri­schen Post-Punk-Band Frei­wil­li­ge Selbst­kon­trol­le (FSK) auf­trat. „Wir ha­ben uns gut ver­stan­den und sind in Kon­takt ge­blie­ben“, sagt Irm­ler. Bei ei­ner Auf­nah­me­ses­si­on im ver­gan­ge­nen Jahr kam die Idee ins Rol­len. In­no­va­ti­ons­fonds un­ter­stützt Ge­för­dert wird das Pro­jekt vom In­no­va­ti­ons­fonds Kunst Ba­den-Würt­tem­berg. „Wir wol­len zei­gen, dass Kunst auch auf dem Land und in ei­nem Ort wie Scheer mög­lich ist“, sagt Irm­ler. Ge­mein­sam mit der Hans Joa­chim Irm­ler ( ge­bo­ren 1950 in Sigmaringen) lebt als Mu­si­ker und Be­trei­ber des Faus­tTon­stu­di­os in Scheer. Er grün­de­te wäh­rend sei­nes Stu­di­ums in Hamburg die Band Faust mit, die als weg­wei­sen­de Band des Krau­trocks gilt. 1996 grün­de­te Irm­ler das Klang­bad­la­bel, bei dem zu­nächst Faust und spä­ter be­freun­de­te Bands ver­öf­fent­licht wur­den. 2004 in­iti­ier­te Irm­ler das Klang­bad­fes­ti­val in Scheer und war bis 2011 des­sen Ku­ra­tor. Künst­le­rin Mo­ni­ka Nu­ber und Un­ter­stüt­zung des Stutt­gar­ter Staats­thea­ters hat er auch das Mu­sik­thea­ter „Schö­ne Lau“in­iti­iert, das im Som­mer im Al­ten Schlacht­hof ge­zeigt und eben­falls ge­för­dert wur­de. „Es ist schön, wenn sich Stadt und Land in der Kunst ver­mi­schen“, fin­det er. „Dies ist das zwei­te Pro­jekt, das wir zu­sam­men mit dem Schlacht­hof ma­chen.“

Für das Kon­zert am kom­men­den Sams­tag öff­net er sein Faust-Ton­stu­dio, das sich in der still­ge­leg­ten Pa­pier­fa­brik in Scheer be­fin­det. „Es ist eins der we­ni­gen Stu­di­os, die es in die­ser Grö­ße noch gibt“, sagt er nicht oh­ne Stolz. Hier könn­te pro­blem­los Carl Fried­rich Oest­er­helt ( ge­bo­ren 1968 in München), lebt als Mu­si­ker in München. Sei­ne Mu­sik ist an­ge­sie­delt zwi­schen avant­gar­dis­ti­scher E- Mu­sik, Mi­ni­ma­lis­mus und Rock. Er hat in di­ver­sen al­ter­na­ti­ven Pop- und Jazz­grup­pen wie FSK und dem Tied & Tick­led Trio ge­spielt. Oest­er­helt ist ein ge­frag­ter Kom­po­nist für Hör­spie­le und Thea­ter­pro­duk­tio­nen. www. faust- stu­dio. de www. klang­bad. de ein gan­zer Mu­sik­ver­ein oder ein Orches­ter Platz fin­den und al­le In­stru­men­te gleich­zei­tig auf­ge­zeich­net wer­den, wäh­rend in an­de­ren Ton­stu­di­os al­les ein­zeln ein­ge­spielt wer­den müss­te. 100 Zu­hö­rer ha­ben im Stu­dio Platz und kön­nen dann nicht nur den klas­si­schen Mu­si­kern bei dem et­wa ein­stün­di­gen Kon­zert ge­nau auf die Fin­ger schau­en und Irm­lers Im­pro­vi­sa­tio­nen be­ob­ach­ten, son­dern auch ei­nen Blick hin­ter die Stu­dio-Ku­lis­sen wer­fen. Die vie­len Tü­ren, die in al­te Ge­wöl­be und Räu­me der ehe­ma­li­gen Pa­pier­fa­brik füh­ren, wird Irm­ler hof­fent­lich ab­schlie­ßen.

Die Schall­plat­te mit al­len Stü­cken kann am Kon­zert­abend er­wor­ben wer­den. Wer Ti­tel wie „Rand­be­mer­kung über das Zäh­len Nr. 1“, „En­de­nich“, oder „Im­pres­si­on, so­leil le­vant“er­klärt ha­ben möch­te, kann die Künst­ler vor Ort an­spre­chen. Die­se hof­fen der­weil, dass noch ei­ni­ge Live-Auf­trit­te fol­gen wer­den. Die Urauf­füh­rung der „ For­men“fin­det am

Schlacht­hof in­fo@ schlacht­hof­sig­ma­rin­gen. de

FOTO: JEN­NI­FER KUHL­MANN

Hans Joa­chim Irm­ler an sei­nem selbst zu­sam­men­ge­bas­tel­ten Syn­the­si­zer. Die Ham­mond-Or­gel steht gleich ne­ben­an.

FOTO: HA­SER/ DPA

Sams­tag, 24. Ok­to­ber, um 20 Uhr im Faust­stu­dio, Fa­b­rik­stra­ße 32- 40, in Scheer statt. Der Ein­tritt kos­tet 14 Eu­ro. Kar­ten gibt es im Vor­ver­kauf beim Al­ten

in Sigmaringen, Te­le­fon 07571/ 3333, Beim Wei­ler Len­gen­feld soll ei­ne Frei­flä­chen- Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge ent­ste­hen. Das Foto zeigt ei­ne sol­che An­la­ge bei Leutkirch.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.