Leich­te Ab­zü­ge bei der B-No­te in Ehin­gen-Berg

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - LEBENSART -

onn­tag­mit­tag, kurz nach der Mes­se: In Ehin­gen-Berg drän­gen die Men­schen in die Braue­reiwirt­schaft der Fa­mi­lie Zim­mer­mann. Und wer wo­mög­lich eben noch in der Kir­che in sich ver­sun­ken ge­be­tet hat, der fühlt sich durch die Grö­ße des mäch­ti­gen Saals eben­falls an ei­nen Sa­kral­bau er­in­nert: Es ist un­schwer zu er­ken­nen, dass die Zim­mer­manns bei der Sa­nie­rung, die erst im März zum Ab­schluss ge­kom­men ist, kei­ne hal­ben Sa­chen ge­macht ha­ben. Holz, Le­der, Kup­fer – die Ma­te­ri­al­aus­wahl zeugt von Wer­tig­keit. Ins­be­son­de­re die be­que­men Le­der­ses­sel eig­nen sich aus­ge­zeich­net, um not­falls mehr­tä­gi­ge Bier­ver­kos­tun­gen oh­ne Druck­stel­len zu über­ste­hen. Wach und flink sind die Be­die­nun­gen – und oh­ne Dirndl, was der rus­ti­ka­len Ele­ganz des Hau­ses aber sehr gut tut.

Die ers­te Ent­täu­schung kommt in Form ei­nes dür­ren Blat­tes Pa­pier. Oh­ne Vor­war­nung oder Hin­weis auf der ge­lun­ge­nen Web­sei­te gibt’s an die­sem Sonn­tag nur ei­ne klei­ne Spei­sen­aus­wahl. Das mag dem gro­ßen An­sturm ge­schul­det sein, ist aber den­noch sehr scha­de. Die Bur­ger oder die haus­ge­mach­ten Maul­ta­schen feh­len. Und so fällt die Wahl zu­nächst auf die als Rin­der­kraft­brü­he an­ge­prie­se­ne Sup­pe mit Bier­kräu­terf­läd­le. Ei­ne Rin­der

kraft­brü­he zeich-

Von Erich Nyffe­negger net sich per De­fi­ni­ti­on da­durch aus, dass sie dank ei­nes ho­hen Flei­sch­an­teils be­son­ders in­ten­siv schmeckt. Die Ver­si­on in Berg hat lei­der kaum Sub­stanz und schmeckt vor al­lem sal­zig. Flüs­si­ge Lan­ge­wei­le. Die Fläd­le se­hen so aus, als hät­te sie je­mand mit ei­nem stump­fen Brot­mes­ser lieb­los in Fet­zen ge­ris­sen.

Der Zwie­bel­rost­bra­ten hat sehr gu­te An­sät­ze, aber in der B-No­te stim­men auch hier die De­tails nicht: Die lan­gen Spätz­le sind sehr blass und las­sen auf ei­nen ge­rin­gen Ei-An­teil schlie­ßen. Das Fleisch – ei­ne recht dün­ne Schei­be Rin­der­hüf­te – ist im Ver­hält­nis zum Spätz­le­berg deut­lich zu klein. Und die So­ße ent­zieht sich ei­ner fun­dier­ten Beur­tei­lung, da sie nur in ho­möo­pa­thi­scher Men­ge vor­han­den ist. Die frit­tier­ten Zwie­beln sind lasch und nicht knusp- rig – deut­li­ches Zei­chen da­für, dass sie nicht un­mit­tel­bar aus dem Fett aufs Fleisch ge­kom­men sind. Apro­pos Fleisch: Ob­wohl sehr dünn, hat es den idea­len Gar­punkt und ist au­ßer­or­dent­lich zart.

Das Fi­na­le des Me­nüs be­strei­tet dann ein vor­züg­li­cher Ofen­schlup­fer aus Brot­res­ten, Äp­feln, Man­deln und Ro­si­nen. Er ist lo­cker, hat ei­ne an­ge­neh­me Sü­ße. Be­son­de­re Auf­merk­sam­keit ver­dient die Be­glei­tung in Form ei­ner Ku­gel Ul­richs­bier-Eis. Sie ist der ge­wag­te Ver­such, den Cha­rak­ter des Biers in der Süß­spei­se ein­zu­fan­gen. Und tat­säch­lich klingt in der Na­se je­ner Ge­ruch an, der sich ein­stellt, wenn man sie in ein aus­ge­trun­ke­nes Bier­glas steckt. Ob das ei­ne gu­te Idee ist, mö­ge je­der für sich selbst ent­schei­den. Ori­gi­nell ist es aber auf je­den Fall. Ten­den­zi­ell kommt der vol­le Ge­schmack der haus­ei­ge­nen Bie­re frisch ge­zapft und im Glas im­mer noch am bes­ten zur Gel­tung.

Bleibt un­term Strich zu sa­gen, dass nicht viel fehlt, um wirk­lich gut zu sein. Mehr Fleisch bei der Zu­be­rei­tung der Brü­he, ein biss­chen sorg­fäl­ti­ger ge­schnit­te­ne Fläd­le, ein we­nig mehr So­ße, ein paar Eier mehr im Spätz­le­teig und Röst­z­wie­beln, die frisch und heiß auf den Rost­bra­ten kom­men. Mehr fehlt ei­gent­lich nicht. Braue­reiwirt­schaft Berg Graf- Kon­rad- Str. 21 89584 Ehin­gen Te­le­fon 07391- 771733 www. berg­bier. de Ge­öff­net täg­lich ab 10 Uhr, Haupt­ge­rich­te 8,10 - 18,20 Eu­ro. Al­le „ Auf­ge­ga­belt“- Fol­gen fin­den Sie im In­ter­net un­ter schwa­ebi­sche.de/auf­ge­ga­belt

FOTO: NYF

Ge­lun­ge­nes Des­sert: Ofen­schlup­fer mit Ul­richs­bier- Eis.

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