Atem­not

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FRONT PAGE - Un­term­strich@ schwa­ebi­sche. de

To­le­ranz fin­de ich ja ganz wich­tig. Ge­gen­über Kat­zen, Hun­den, so­gar Kin­dern. Auch ge­gen­über He­le­ne Fi­scher. Ja, doch. Man kennt ja vie­le Men­schen, die He­le­ne Fi­scher be­scheu­ert fin­den. Da sa­ge ich im­mer: Übt doch mal To­le­ranz. He­le­ne Fi­scher ist ei­ne tol­le Frau, sieht klas­se aus und kommt sym­pa­thisch rü­ber. Wä­re da nicht die Mu­sik. „Atem­los durch die Nacht ...“, singt sie. Was soll das?, fra­gen die Men­schen. Atem­lo­sig­keit ist ja schon am Tag ziem­lich übel. Und dann auch noch bei Nacht? Vi­el­leicht, wenn man un­be­dingt den letz- ten Bus be­kom­men muss. Bei Frau Fi­scher steht das The­ma Lie­be ja ganz oben auf der Agen­da. Das Le­ben, ein atem­lo­ser Glücks­tau­mel. Wä­re wirk­lich je­mand stän­dig so lie­bes­be­sof­fen, soll­te man den Arzt ru­fen. Schließ­lich müs­sen ir­gend­wann auch Steu­er­er­klä­rung und Haus­halt ge­macht wer­den.

Egal, al­les Ge­schmack­sa­che, ich bin to­le­rant. So­gar ge­gen­über He­le­ne-Fi­scher-Fans.

He­le­ne-Fi­scher-Fans gel­ten als sen­si­ble See­len. Kaum wird ihr Star mal auf den Arm ge­nom­men, gibt es Sau­res; im In­ter­net, am Te­le­fon, per Post – tau­send­fach. Ein Kri­ti­ker schrieb mal über ih­re Tex­te: „Kit­schig, ver­klemmt und klein­bür­ger­lich.“Der ar­me Kerl ist ver­schwun­den, er soll als Pa­pier­ma­cher in Per­si­en ar­bei­ten, un­ter fal­schem Na­men, ver­steht sich.

Aber man muss auch die Fans ver­ste­hen. So viel Froh­sinn, so viel Ent­zü­cken, so viel He­le­ne; da schlägt Atem­lo­sig­keit schnell in Atem­not um. Des­halb for­de­re ich To­le­ranz, auch ge­gen­über He­le­ne-Fi­scherFans. Bei Tag und bei Nacht. (dg)

FOTO: ARCHIV

Frü­he­rer He­le­ne- Fi­scher- Kri­ti­ker auf dem Weg zur Ar­beit.

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