Rechts­na­tio­na­le lie­gen vorn

SVP baut Vor­sprung bei Wah­len in der Schweiz aus

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FRONT PAGE - Von Uwe Jauß

BERN (dpa) - Die rechts­na­tio­na­le Schwei­ze­ri­sche Volks­par­tei (SVP) hat die Par­la­ments­wah­len in der Schweiz klar ge­won­nen. Sie hol­te laut Hoch­rech­nung elf zu­sätz­li­che Man­da­te und bau­te da­mit ih­ren Vor­sprung als stärks­te Par­tei der Eid­ge­nos­sen­schaft noch deut­lich aus. Ins­ge­samt hat die SVP dem­nach nun 65 der 200 Sit­ze im Na­tio­nal­rat, der gro­ßen Kam­mer des Par­la­ments. Ge­mein­sam ha­ben die rechts­bür­ger­li­chen Par­tei­en ei­ne knap­pe ab­so­lu­te Mehr­heit: SVP und FDP so­wie die Re­gio­nal­par­tei­en Mou­ve­ment Ci­toy­ens Ge­ne­vois in der fran­ko­pho­nen West­schweiz und Le­ga dei Ti­ci­ne­si in der ita­lie­ni­schen Schweiz im Sü­den ver­fü­gen über 101 der 200 Man­da­te im Na­tio­nal­rat.

Als zweit­stärks­te ein­zel­ne Par­tei konn­ten sich die So­zi­al­de­mo­kra­ten be­haup­ten. Sie ver­lo­ren zwei Man­da­te und ka­men auf 44 Sit­ze. Die gro­ßen Ver­lie­rer sind die Grü­nen und die Grün­li­be­ra­len.

ALT­STÄT­TEN - Kurz nach 12 Uhr am Sonn­tag: Wahl­schluss, Fei­er­abend für die Da­men an der Ur­ne. Sie ha­ben im ka­tho­li­schen Pfarr­heim von Alt­stät­ten die Stimm­zet­tel ent­ge­gen­ge­nom­men und sind et­was über­rascht: „Es sind mehr Leu­te zum Wäh­len ge­kom­men als sonst. Und das auch noch bei die­sem Wet­ter.“In dem 11 000-Ein­woh­ner-Städt­lein im St. Gal­ler Rhein­tal war ges­tern al­les grau in grau. Der Re­gen fiel oh­ne Un­ter­lass. Vi­el­leicht hat aber das ge­gen­wär­ti­ge zen­tra­le The­ma der Alt­stät­ter die Wäh­ler zu den Ur­nen ge­trie­ben. Ge­gen­wär­tig 200 Flücht­lin­ge Es geht da­bei um ei­ne Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung für Asyl­be­wer­ber. Sie liegt in ei­nem Neu­bau­vier­tel. Rund 200 Flücht­lin­ge wer­den dort ge­gen­wär­tig be­treut. Die Nach­barn kla­gen über Be­läs­ti­gun­gen durch die Frem­den. Des­wei­te­ren herrscht in Alt­stät- ten di­cke Luft, weil der Schwei­zer Bund plant, ein zu­sätz­li­ches gro­ßes Asyl­zen­trum im Ort zu bau­en. „Das kann schon sein, dass dies die Men­schen mo­bi­li­siert hat“, meint ei­ne der Ur­nen­wäch­te­rin­nen. Zu­min­dest trifft dies auf ei­ne äl­te­re Frau zu, die in der ge­pfleg­ten his­to­ri­schen Alt­stadt zum Kaf­fee­trin­ken geht: „Es reicht jetzt mit den Flücht­lin­gen“, schimpft sie. Ih­re Wah­l­ent­schei­dung: „SVP“. Ge­meint ist da­mit die rechts­po­pu­lis­ti­sche Schwei­zer Volks­par­tei. „Die tut we­nigs­tens et­was für un­ser Land“, sagt die Frau. Bis­her kei­ne SVP-Hoch­burg Wo­bei Alt­stät­ten zu­min­dest bis jetzt kei­ne SVP-Hoch­burg war. Im sie­ben­köp­fi­gen Stadt­rat ge­hört nur ein Mit­glied die­ser Par­tei an. Aus­län­der stel­len au­ßer­dem ein Vier­tel der Bür­ger, sind al­so nichts Un­ge­wöhn­li­ches in Alt­stät­ten. Aber auch bei po­li­tisch ge­mä­ßig­te­ren Zeit­ge­nos­sen lässt sich ei­ne zu­neh­men­de Skep­sis we­gen der Flücht­lings­kri­se er­ken­nen. Da ist et­wa Wer­ner Bipp, ein Brief­wäh­ler, der am Bahn­hof auf sei­nen Zug war­tet. Er hat die Frei­sin­nig-De­mo­kra­ti­sche Par­tei (FDP) ge­wählt. Sie steht für we­ni­ger Staat. Wer­ner Bipp hät­te aber den­noch ger­ne ein staat­li­ches Macht­wort: „Nur noch Flücht­lin­ge aus Kampf­ge­bie­ten. Al­le an­de­ren sol­len raus aus der Schweiz.“

Ein An­hän­ger der Christ­lich-De­mo­kra­ti­schen Volks­par­tei (CVP,) an­ge­spro­chen auf dem Nach­hau­se­weg vom Wahl­lo­kal, dis­tan­ziert sich zwar von Frem­den­feind­lich­keit. Es be­tont je­doch auch: „Im­mer mehr Flücht­lin­ge – das geht nicht gut aus.“

Solch ein Rechts­ruck hat sich be­reits auf Wahl­pla­ka­ten im Ort fest­stel­len las­sen. Selbst Par­tei­en der Mit­te set­zen auf „Schutz für die Schweiz“und ähn­li­che Pa­ro­len. In­ter­es­san­ter­wei­se se­hen so­gar die Grü­nen ei­ne Zu­wan­de­rung in ih­rer ört­li­chen Wahl­wer­bung skep­tisch: Sie be­fürch­ten öko­lo­gi­sche Schä­den durch zu­vie­le Men­schen.

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