Ein Smart­pho­ne braucht kei­ne Ver­si­che­rung

Wel­che Po­li­cen sind wirk­lich sinn­voll? Ex­per­ten ge­ben Ant­wor­ten auf die wich­tigs­ten Fra­gen zum Ver­si­che­rungs­schutz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - GELD & SERVICE - Von Fran­zis­ka Bock

RA­VENS­BURG - Fast je­des Ri­si­ko lässt sich mit ei­ner Ver­si­che­rung ab­de­cken. Es gibt Haus­rats-, Haus­tier­und so­gar Han­dy­ver­si­che­run­gen, die im Scha­dens­fall fi­nan­zi­ell ein­sprin­gen. Aber wel­che da­von brau­chen die Ver­si­cher­ten wirk­lich? Wel­che sind un­nö­tig, und da­mit kost­spie­lig, und wel­che brau­chen Singles, Paa­re und Fa­mi­li­en un­be­dingt? Als Faust­re­gel gilt: exis­tenz­ge­fähr­den­de Ri­si­ken soll­ten im­mer ab­ge­si­chert wer­den. Da­bei soll­te man un­ter­schied­li­che Le­bens­pha­sen be­rück­sich­ti­gen.

Chris­ti­an Gru­ber, Ver­si­che­rungs­ex­per­te von der HUK-Co­burg, und Er­win Müller, Ver­si­che­rungs­ex­per­te vom Bun­des­ver­band Deut­scher Ver­si­che­rungs­kauf­leu­te, ha­ben bei ei­ner Te­le­fon­ak­ti­on der Schwä­bi­schen Zei­tung die Fra­gen der Le­ser be­ant­wor­tet. Al­le, die bei der Ak­ti­on nicht durch­ge­kom­men sind, fin­den hier aus­zugs­wei­se ei­ni­ge Fra­gen und Ant­wor­ten:

Wel­che Ver­si­che­run­gen sind un­ver­zicht­bar? Grund­sätz­lich gilt: Wenn es um exis­tenz­ge­fähr­den­de Ri­si­ken geht, ist ei­ne Ver­si­che­rung un­ver­zicht­bar. Die Kran­ken­ver­si­che­rung und die Kf­zHaft­pflicht­ver­si­che­rung sind Pflicht. Ei­ne Pri­vat­haft­pflicht- und ei­ne Haus­rat­ver­si­che­rung sind zu­dem sehr rat­sam.

Er­hal­te ich durch die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ei­ne Fach­arzt­ver­sor­gung? In der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ha­ben Sie im am­bu­lan­ten wie auch im sta­tio­nä­ren Be­reich die Re­gel­leis­tun­gen zu er­war­ten. Wün­schen Sie ei­ne Chef­arzt­be­hand­lung, al­ter­na­ti­ve Heil­me­tho­den oder die Un­ter­brin­gung im Ein- oder Zwei­bett­zim­mer, ist ei­ne pri­va­te Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rung über­le­gens­wert.

Ich bin ge­setz­lich kran­ken­ver­si­chert. Ist ei­ne pri­va­te Aus­lands­rei­sekran­ken­ver­si­che­rung für Rei­sen nach Asi­en sinn­voll? Auf je­den Fall. Die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen über­neh­men im Aus­land nur die Kos­ten, wenn zwi­schen dem Rei­se­land und Deutsch­land ein So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men be­steht. Wenn Sie im Ur­laub krank wer­den oder ei­nen Un­fall er­lei­den, wer­den Sie zu­dem häu­fig dort als Pri­vat­pa­ti­ent be­han­delt. So kön­nen oh­ne Aus­lands­kran­ken­schutz er­heb­li­che Zu­satz­kos­ten für Sie ent­ste­hen.

Mein Sohn hat ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­po­li­ce bis zum 40. Le­bens­jahr. Kann er den Ver­trag ver­län­gern? Nein, ei­ne Ver­län­ge­rung des be­ste­hen­den Ver­tra­ges ist nicht mög­lich. Mit zu­neh­men­dem Al­ter steigt die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Be­rufs­un­fä­hig­keit. Die­ses Ri­si­ko ist in den Bei­trä­gen ein­ge­rech­net. Grund­sätz­lich ist es emp­feh­lens­wert, sei­ne Ar­beits­kraft bis zum Ren­ten­al­ter ab­zu­si­chern.

Bei ei­nem Sturm fiel ein gro­ßer Ast auf un­ser Dach und hat es be­schä­digt. Die Ver­si­che­rung sagt, dass es sich nicht um ei­nen Sturm­scha­den han­delt. Was nun? In der Gr­und­de­ckung ei­ner Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung sind Sturm­schä­den am Ge­bäu­de ver­si­chert. Un­ter die ver­si­cher­te Sturm­ge­fahr fal­len al­ler­dings nur Schä­den, die ab Wind­stär­ke 8 ver­ur­sacht wur­den.

Uns wur­de ei­ne Kin­der-Po­li­ce mit Ren­ten­zah­lung und Pfle­ge­ein­schluss emp­foh­len. Ist das sinn­voll? Be­vor Sie für Ihr Kind Ver­si­che­run­gen oder Fi­nanz­plä­ne ab­schlie­ßen, soll­ten Sie zu­nächst erst ein­mal Ih­re ei­ge­ne Ab­si­che­rung über­prü­fen. Ne­ben aus­rei­chen­dem Pri­vat­haft­pflicht­schutz, der auch die De­likt­un­fä­hig­keit des Kin­des um­fas­sen soll­te, steht an ers­ter Stel­le ei­ne Ri­si­ko­le­bens- und ge­ge­be­nen­falls ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung.

Wo schlie­ße ich am bes­ten ei­ne Ver­si­che­rung für den Fall der Be­rufs­un­fä­hig­keit ab? Ich bin 35 Jah­re alt und ar­bei­te im Au­ßen­dienst. Las­sen Sie sich un­ab­hän­gig be­ra­ten. Auf ei­ge­ne Faust die bes­te Po­li­ce her­aus­zu­fin­den, ist schwie­rig. Ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung soll­te man nur ein­mal ab­schlie­ßen und so­lan­ge man jung und ge­sund ist. Die Ver­si­che­rungs- und Leis­tungs­dau­er soll­te in der Re­gel bis zum Ein­tritt in das Ren­ten­al­ter ver­ein­bart wer­den und es soll­ten Mög­lich­kei­ten der An­pas­sung fest­ge­legt sein.

Kann ei­ne BU-Ver­si­che­rung bei Rü­cken­pro­ble­men den ge­sam­ten Be­we­gungs­ap­pa­rat ver­trag­lich aus­schlie­ßen? Wenn Vo­r­er­kran­kun­gen be­reits vor­han­den sind, ist es rat­sam, z. B. durch ei­nen Ver­si­che­rungs­mak­ler ei­ne an­ony­me Ri­si­ko­vor­an­fra­ge bei meh­re­ren Ver­si­che­run­gen stel­len zu las­sen. Im Er­geb­nis ha­ben Sie mög­li­cher­wei­se doch noch die Chan­ce, ei­nen ak­zep­ta­blen BU-Ver­trag, wo­mög­lich mit ei­nem Ri­si­ko­zu­schlag und „nur“mit Aus­schluss des Rü­ckens, zu be­kom­men.

Ist ei­ne Un­fall­ver­si­che­rung für mich als Se­nio­rin noch sinn­voll? Ein Sturz in Fol­ge ei­nes Schlag­an­fal­les oder ei­ner Un­ter­zu­cke­rung gilt z. B. nicht als Un­fall. Für ak­ti­ve, rüs­ti­ge Se­nio­ren, die wie al­le Frei­zeit­sport­ler ein er­höh­tes Un­fall­ri­si­ko ha­ben, kann es durch­aus sinn­voll sein, ei­ne be­ste­hen­de Un­fall­ver­si­che­rung fort­zu­füh­ren. Wich­tig ist, dass auch im Al­ter noch ei­ne Ka­pi­tal­aus­zah­lung ge­leis­tet wird und nicht nur ei­ne Ren­ten­zah­lung. Emp­feh­lens­wert ist ei­ne Grund­sum­me von min­des­tens 100 000 Eu­ro.

Un­ser Ver­si­che­rungs­mak­ler hat uns an­ge­ra­ten ei­ne Un­fall­ver­si­che­rung für un­se­re bei­den Kin­der, 4 und 16, ab­zu­schlie­ßen. Ist das not­wen­dig?

Für Ih­re Toch­ter ist even­tu­ell ei­ne Kin­der­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung über­le­gens­wert, da hier auch Krank­heits­ri­si­ken ver­si­chert sind. Für Ih­ren Sohn ist der Ab­schuss ei­ner Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung we­sent­lich bes­ser.

Be­nö­ti­gen wir ei­ne Ver­si­che­rung für ei­nen neu­en Hund? Ja, wenn der Hund je­man­den beißt oder ver­letzt, kom­men Sie mit Ih­rem Ver­mö­gen, bei­spiels­wei­se für Be­hand­lungs­kos­ten des Ge­schä­dig­ten auf. Im Rah­men ei­ner Tier­hal­ter­haft­pflicht­ver­si­che­rung sind Sie als Hal­ter ge­gen Ge­fah­ren, die vom Vier­bei­ner aus­ge­hen, ver­si­chert. Da­ne­ben aber auch an­de­re Fa­mi­li­en­mit­glie­der, Freun­de und Nach­barn, wenn die­se den Hund be­auf­sich­ti­gen.

Be­nö­ti­gen wir wirk­lich ei­ne Haus­rat­ver­si­che­rung? Ei­ne Haus­rat­ver­si­che­rung ist, je nach Leis­tungs­um­fang und Grö­ße der Wohn­flä­che, be­reits ab et­wa 50 Eu­ro er­hält­lich. Die Neu­an­schaf­fung von Mö­beln und Ge­rä­ten dürf­te wohl hö­her lie­gen. Die meis­ten Men­schen ent­schei­den sich da­her für die Ver­si­che­rung.

Mir wur­de ei­ne Han­dy­ver­si­che­rung für mein neu­es Smart­pho­ne an­ge­bo­ten. Ist das sinn­voll? Von ei­ner Han­dy­ver­si­che­rung ist ab­zu­ra­ten. In­for­mie­ren Sie sich bit­te bei Ih­rer Haus­rat­ver­si­che­rung, ob das Ge­rät durch den Ver­trag ab­ge­deckt ist.

Mein Va­ter ist im Au­gust ver­stor­ben. Was pas­siert jetzt mit sei­nen Ver­si­che­run­gen? Es be­ste­hen ei­ne Haus­rat- und ei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Der Haus­rat des Ver­si­che­rungs­neh­mers ist noch bis zu zwei Mo­na­ten nach dem Tod ver­si­chert. Wenn Sie das Haus oder die Woh­nung Ih­res Va­ters un­ver­än­dert in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach dem Erb­fall über­neh­men, tre­ten Sie au­to­ma­tisch in den Ver­si­che­rungs­ver­trag ein. An­ders ver­hält es sich bei der Haft­pflicht­ver­si­che­rung: Mit dem Ver­ster­ben des Ver­si­che­rungs­neh­mers en­det auch das Haf­tungs­ri­si­ko. Wir ha­ben ei­ne neue Wohn­ge­bäu- de­ver­si­che­rung ab­ge­schlos­sen. Was be­deu­tet „glei­ten­der Neu­wert“? „Glei­ten­der Neu­wert“be­deu­tet, dass im schlimms­ten Fall, das heißt bei ei­ner To­tal­zer­stö­rung des Hau­ses, die Ver­si­che­rung den Wie­der­auf­bau zu den ak­tu­el­len Bau­prei­sen zahlt. Au­ßer­dem wich­tig: der Ein­schluss für Scha­den­ab­wen­dung und Scha­den­min­de­rung, Ab­bruch- und Auf­räum­ar­bei­ten so­wie Be­we­gungs- und Schutz­kos­ten. Hin­zu kommt, dass der Wert des Hau­ses rich­tig be­stimmt wur­de, um die Ge­fahr ei­ner Un­ter­ver­si­che­rung zu ver­mei­den.

Ist ei­ne Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rung grund­sätz­lich sinn­voll und wann? Das ist so pau­schal lei­der nicht zu be­ant­wor­ten. Vor­ab ist zu klä­ren, für wel­chen Be­reich die Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rung ab­ge­schlos­sen wer­den soll und wel­che Ri­si­ken da­mit ver­si­chert wer­den möch­ten.

Mein Kfz-Ver­si­che­rer er­höht jähr­lich die Prä­mie. Kann ich das ver­hin­dern? Fra­gen Sie nach den ak­tu­el­len Ta­ri­fen und über­prü­fen Sie Ih­re jähr­li­che Ki­lo­me­ter­leis­tung be­zie­hungs­wei­se den Ver­si­che­rungs­um­fang. Wei­te­re Ver­trä­ge bei der Ge­sell­schaft wir­ken eben­falls preis­min­dernd. Bei Bei­trags­er­hö­hung oh­ne Leis­tungs­ver­bes­se­rung steht je­dem Ver­si­che­rungs­neh­mer mit Mo­nats­frist ein so­for­ti­ges Son­der­kün­di­gungs­recht zu.

Lohnt sich für mein sechs Jah­re al­tes Au­to die bis­he­ri­ge Voll­kas­ko­ver­si­che­rung? Ein „Blech­scha­den“kann schnell 2000 bis 3000 Eu­ro kos­ten. Bei ei­ner Voll­kas­ko­ver­si­che­rung tra­gen Sie le­dig­lich Ih­re Selbst­be­tei­li­gung. Auch für Van­da­lis­mus­schä­den kommt die Voll­kas­ko­ver­si­che­rung auf. Im Ein- zel­fall und ab­hän­gig vom Scha­den­frei­heits­ra­batt kann es so­gar mög­lich sein, dass ei­ne Teil­kas­ko teu­rer ist, als die Voll­kas­ko.

Un­ser Au­to wur­de auf­ge­bro­chen. Ra­dio, Na­vi und Han­dy sind ge­stoh­len wor­den. Wer zahlt den Scha­den? Wie lan­ge muss ich auf das Geld war­ten? Bei ei­nem Fahr­zeug-Ein­bruch haf­tet die Teil­kas­ko­ver­si­che­rung – al­ler­dings nur bei fest am oder im Au­to ver­bau­ten Tei­len. In wel­chem Um­fang die Teil­kas­ko haf­tet, ist ab­hän­gig vom Ver­trag.

Ent­wen­den Die­be im Au­to auf­be­wahr­te Ge­gen­stän­de, bei­spiels­wei­se ein mo­bi­les Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät oder Klei­dung, kommt es auf die Ver­si­che­rung und den Ver­trag an. Nur we­ni­ge Ge­sell­schaft über­neh­men auch die­se Kos­ten.

Wann soll­te ich ei­ne Recht­schutz­ver­si­che­rung ab­schlie­ßen? Das lässt sich lei­der so nicht pau­schal be­ant­wor­ten. Wenn Sie bei­spiels­wei­se ei­ne Ei­gen­tums­woh­nung be­sit­zen, kann es aber über­le­gens­wert sein, sich für Strei­te­rei­en mit Haus­ver­wal­tung und Nach­barn zu wapp­nen.

FOTO: COLOURBOX

Ex­per­ten ra­ten zu den rich­ti­gen Ver­si­che­run­gen – da­mit sich Kun­den nicht das Hirn zer­mar­tern müs­sen.

Chris­ti­an Gru­ber

FO­TOS: PRI­VAT

Er­win Müller

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