Lie­der­ma­cher for­dert mehr „Mut­an­fäl­le“im All­tag

Jo­chen La­ni­us prä­sen­tiert im „Fa­b­rik­le im Do­nau­tal“hu­mor­vol­le und nach­denk­li­che Stü­cke

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH / BEURON / SCHWENNINGEN - Von Vera Romeu

HAU­SEN IM TAL - Der Lie­der­ma­cher Jo­chen La­ni­us ist am Frei­tag im „Fa­b­rik­le im Do­nau­tal“auf­ge­tre­ten. Seit März gibt es die Klein­kunst­büh­ne in der ehe­ma­li­gen Werk­statt­hal­le, La­ni­us hat sie fast zu­fäl­lig ent­deckt: „Ich such­te ei­nen Ort, um auf­zu­tre­ten.“

Mit ei­nem Herbst­lied be­gann der Abend. La­ni­us prä­sen­tier­te sich als ex­zel­len­ter Gi­tar­ren­spie­ler. Sei­ne Lied­tex­te wa­ren mal auf Schwä­bisch, mal auf Hoch­deutsch – sie wa­ren mal hu­mor­voll, mal nach­denk­lich und im­mer von der Fein­füh­lig­keit des Her­zens und von viel Le­bens­er­fah­rung ge­prägt. Be­ruf­lich ar­bei­tet der So­zi­al­päd­ago­ge La­ni­us mit trau­ma­ti­sier­ten Kin­dern. „Werf dei­ne Angst über Bord“, sang er und ver­mit­tel­te Auf­bruch­stim­mung im Herbst. Träu­me sei­en zum Grei­fen nah – man ha­be sie fast ver­ges­sen, jetzt sei­en sie aber wie­der da. „Es braucht Mut, um Träu­me um­zu­set­zen“, sag­te La­ni­us – zum Bei­spiel den Traum, al­lein auf ei­ner Büh­ne zu ste­hen und für ein Pu­bli­kum zu sin­gen. Über­haupt brau­che es im All­tag des Le­bens „Mut­an­fäl­le“, for­der­te La­ni­us. Auf Schwä­bisch sang er von vie­len sol­cher Mut­an­fäl­le.

„Blues muss im­mer für al­les her­hal­ten, auch für Är­ger und Frust. Und das ist nun ein ech­ter Cross­over­blues,“kün­dig­te La­ni­us sein nächs­tes Werk an und hol­te ei­ne Me­tall­gi­tar­re her­vor: „Es ist ei­ne Gi­tar­re, die er­fun­den wur­de, als es noch kei­ne Ver­stär­ker gab“, er­klär­te er. Beim Acustic-Blues ha­be der Gi­tar­rist, der am lau­tes­ten spie­le, die meis­ten Zu­hö­rer, scherz­te La­ni­us. Die­se Gi­tar­re ha­be im Kor­pus drei Re­so­na­to­ren, was den cha­rak­te­ris­ti­schen Sound aus­macht – das pass­te per­fekt zu La­ni­us’ tem­pe­ra­ment­vol­len Lie­dern.

Der Lie­der­ma­cher zeig­te sich ge­sell­schafts­kri­tisch: In der heu­ti­gen Zeit müs­se man cool sein, kei­nen Ma­kel ha­ben. „Men­schen tra­gen Mas­ken“, sag­te La­ni­us: „Oh Mas­ke, zeig dich mal, zeig dein Ge­sicht, will doch mal wis­sen, wer du bist.“Es sei doch al­les Be­trü­ge­rei: „Mach dich frei.“Auch schmerz­li­che Er­fah­run­gen ver­ton­te La­ni­us: et­wa den Ab­schied von ei­nem ge­lieb­ten Men­schen. „Die Bil­der blei­ben im Her­zen, aber man wür­de gern wis­sen, wie es ihm geht“, sag­te er. Er bat sin- gend: „Schick mir dei­nen En­gel, der mir er­zählt, wie es dir in dei­ner neu­en Welt geht. Gibt es Gott wirk­lich, liebt er die Men­schen?“.

Mit­rei­ßend wa­ren die In­stru­men­tal­stü­cke, die La­ni­us kom­po­niert hat­te: Bei „Tanz in den Mai“fing das Pu­bli­kum gleich an, mit den Fin­gern zu schnip­sen, es hat­te et­was Ein­ge­schwo­re­nes. Die Gäs­te hat­ten in Su­san­ne Ler­m­ers Kuns­tate­lier auf Stüh­len und ge­müt­li­chen So­fas Platz ge­nom­men. La­ni­us ver­teil­te selbst­ge­bau­te Per­cus­sions und be­zog die Zu­hö­rer so in sein Spiel mit ein. Nach Zu­ga­ben hol­te La­ni­us die Haus­her­rin Su­san­ne Ler­mer auf die Büh­ne: Sie spiel­te Cig­ar­box-Gui­tar. Zu­sam­men im­pro­vi­sier­ten sie und be­geis­ter­ten das Pu­bli­kum. To­sen­der Ap­plaus be­en­de­te den Kon­zert­abend im „Fa­b­rik­le“.

FOTO: VERA ROMEU

Lie­der­ma­cher Jo­chen La­ni­us und Fa­b­rik­le-Be­trei­be­rin Su­san­ne Ler­mer tre­ten zum Schluss ge­mein­sam auf.

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