Schwei­zer Volks­par­tei hat neu­en Star

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Chris­toph Pla­te

trah­len­der Sie­ger der Schwei­zer Par­la­ments­wah­len ist der Jour­na­list Ro­ger Köp­pel. Noch nie zu­vor hat ein Schwei­zer Par­la­men­ta­ri­er der­art vie­le Stim­men auf sich ver­ei­nen kön­nen, wie er. 178 090-mal wur­de für den drei­fa­chen Fa­mi­li­en­va­ter ge­stimmt. Der 50-Jäh­ri­ge ge­hört ei­ner la­tent frem­den­feind­li­chen Par­tei an. In ei­ner Ho­me­sto­ry der „Schwei­zer Il­lus­trier­ten“prä­sen­tiert er sich aber mit sei­ner Frau, die viet­na­me­si­scher Her­kunft ist. Köp­pel hat, eben­so wie sein po­li­ti­scher Zieh­va­ter Chris­toph Blo­cher, deut­sche Wur­zeln.

Dass der Po­li­tik­stu­dent ein­mal das Aus­hän­ge­schild der rechts­na­tio­na­len Schwei­zer Volks­par­tei (SVP) wer­den wür­de, war nicht vor­her­zu­se­hen. Der aus dem Zürcher Vo­r­ort Klo­ten Stam­men­de be­gann sei­ne Kar­rie­re zu­nächst als Re­dak­teur im Sport­res­sort der alt­ehr­wür­di­gen „Neu­en Zürcher Zei­tung“. Spä­ter wech­sel­te er als Kul­tur­jour­na­list zum links­li­be­ra­len „Ta­ges­an­zei­ger“und wur­de spä­ter Chef des an­ge­se­he­nen „Ta­ges­an­zei­ger-Ma­ga­zins“. Eu­ro­pa­feind­lich und ma­li­zi­ös Im Jahr 2001 wur­de Köp­pel Chef­re­dak­teur der „Welt­wo­che“. Er ver­moch­te es, in­ner­halb we­ni­ger Jah­re aus dem an­ge­se­he­nen links­li­be­ra­len Blatt ei­ne rech­te Pos­til­le zu ma­chen. Heu­te ist kaum vor­stell­bar, dass noch vor 15 Jah­ren die Welt­wo­che so et­was war wie die „Zeit“der Schweiz. Heu­te kommt es ei­nem Glau­bens­be­kennt­nis gleich die „Welt­wo­che“mit Ar­ti­keln zu le­sen, in de­nen im­mer ein SVP-Welt­bild aus­ge­brei­tet wird: Eu­ro­pa­feind­lich, ge­gen Aus­län­der, ge­gen das „Staats­fern­se­hen“.

Be­lä­chelt wur­den Köp­pels Ver­su­che, sich als hemds­är­me­li­ger Re­por­ter ei­nen Na­men zu ma­chen: So kauf­te er sich zu Be­ginn des ame­ri­ka­ni­schen Krie­ges ge­gen Sad­dam Hus­sein 2003 ei­ne Gas­mas­ke, reis­te in die Tür­kei und ver­such­te in den Irak zu ge­lan­gen. Auch sei­ne Ver­su­che, über Ku­wait ins Land zu ge­lan­gen, schei­ter­ten. Aber schon da­mals schien es we­ni­ger um ei­ne Ge­schich­te zu ge­hen, in der lei­den­schaft­lich über ei­nen Krieg be­rich­tet wird, son­dern viel­mehr um den Ver­such, sich als un­er­müd­li­chen Wahr­heits­fin­der hin­zu­stel­len, der los­zog, um das zu tun, was er ei­gent­lich von sei­nen Leu­ten er­war­te­te.

Nach ei­nem drei­jäh­ri­gen In­ter­mez­zo als Chef­re­dak­teur der „Welt“in Berlin kehr­te Köp­pel in die Schweiz zu­rück und wur­de Ver­le­ger der „Welt­wo­che“. Sei­ne Nä­he zu dem In­ves­tor Ti­to Tetta­man­ti und dem Mil­li­ar­där Chris­toph Blo­cher wur­de im­mer wie­der dann er­wähnt, wenn die Öf­fent­lich­keit frag­te, wo­her Köp­pel das Geld ha­be, um sich als Mehr­heits­eig­ner bei der „Welt­wo­che“ein­zu­kau­fen.

Heu­te ist die Welt­sicht der „Welt­wo­che“so ein­deu­tig, wie die Ku­lanz des Chefs im Fal­le ei­nes Po­li­ti­k­re­dak­teurs, der sei­ten­wei­se aus der „FAZ“ab­ge­schrie­ben hat­te und da­nach er­klär­te, das wer­de nie mehr vor­kom­men. Sehr er­folg­reich war Köp­pel beim An­wer­ben frus­trier­ter ehe­ma­li­ger „NZZ“-Re­dak­teu­re: So schreibt Han­sru­dolf Ka­mer, lang­jäh­ri­ger Aus­lands­chef, seit er bei der „NZZ“in den Ru­he­stand ver­ab­schie­det wor­den war für die „Welt­wo­che“. Und auch der frü­he­re Kor­re­spon­dent der „Süd­deut­schen Zei­tung“in der Schweiz, Wolf­gang Koydl, ge­hört heu­te zur Re­dak­ti­on an der Zürcher Förr­li­buck­stra­ße.

Die „Welt­wo­che“ge­hört zu dem Plan der Ma­cher in der SVP, die Schwei­zer Me­dien­land­schaft in ih­rem Sin­ne zu be­ein­flus­sen. Sie kon­trol­lie­ren auch die einst an­ge­se­he­ne „Basler Zei­tung“und ver­su­chen im­mer mal wie­der in der „NZZ“an Ein­fluss zu ge­win­nen.

Köp­pel hat erst vor we­ni­gen Mo­na­ten sei­ne Kan­di­da­tur bei den Par- la­ments­wah­len an­ge­kün­digt. In den letz­ten Jah­ren ist er mit gut be­such­ten Vor­trä­gen wie „Die Schweiz und Eu­ro­pa“auf Wer­be­tour für die SVP ge­gan­gen. Das Vo­tum der Wäh­ler ge­gen ei­ne Frei­zü­gig­keit von EU-Bür­gern nann­te Köp­pel ein „furcht­lo­ses Auf­be­geh­ren“.

Dem deut­schen Pu­bli­kum ist er vor al­lem durch sei­ne ma­li­ziö­sen Auf­trit­te in Fern­seh­talk­shows be­kannt. Er gibt dort, sehr zum Ent­set­zen vie­ler Eid­ge­nos­sen, den wa­den­bis­si­gen Schwei­zer, der Ab­schot­tung pro­pa­giert und am En­de ei­ner Sen­dung ger­ne das Ge­gen­teil des­sen be­haup­tet, was er zum An­fang sag­te.

Hoch­mü­tig warn­te Köp­pel kürz­lich ei­ni­ge Schwei­zer Po­li­ti­ker: „Macht macht ar­ro­gant und Ar­ro­ganz macht dumm.“

Jetzt ist er selbst Po­li­ti­ker.

FOTO: IMAGO

Vom Jour­na­lis­ten zum Po­li­ti­ker: Der Schwei­zer „Welt­wo­che“-Chef­re­dak­teur und kom­men­de SVP-Ab­ge­ord­ne­te Ro­ger Köp­pel hat sich zu­letzt oft mit eu­ro­pa­feind­li­chen Äu­ße­run­gen her­vor­ge­tan.

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