Lie­der­ma­cher bie­ten Mu­sik mit Tief­gang

Micha­el Skup­pin, Jo­han­na Zeul und Trio Quint-Es­senz tre­ten im Klos­ter In­zig­kofen auf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KRAUCHENWIES/ INZIGKOFEN - Von Chris­toph Kla­wit­ter

IN­ZIG­KOFEN - Mal hu­mor­voll, mal er­grei­fend, mal wild und laut: Im Klos­ter In­zig­kofen ha­ben die Lie­der­ma­cher Micha­el Skup­pin, Jo­han­na Zeul und das Trio Quint-Es­senz mit Franz Wohl­fahrt ei­nen ein­drucks­vol­len Abend ge­bo­ten. Am Wo­che­n­en­de fand die­ses zwei­tä­gi­ge Lie­der­ma­cher-Fes­ti­val des Kreis­kul­tur­fo­rums statt, nach dem Auf­takt am Sams­tag­abend setz­te sich das Fes­ti­val am Sonn­tag in Sigmaringen fort.

Lie­der­ma­cher, das sind Leu­te, die un­ter die Ober­flä­che schau­en. Und wenn schwä­bi­sche Lie­der­ma­cher wie Micha­el Skup­pin aus Bad Saul­gau und Franz Wohl­fahrt aus Os­trach-Ein­hart von der Lie­be zu ih­rer schwä­bi­schen Hei­mat sin­gen, dann klingt das echt und un­ver­stellt. Mit tra­di­tio­nel­len, mit­un­ter alt­vä­ter­lich da­her­kom­men­den Hei­mat­lie­dern wie „Bunt sind schon die Wäl­der“oder Ähn­li­chem hat die­se Kunst nichts zu tun. Die­se Lie­der­ma­cher be­ob­ach­ten den All­tag, ih­re Mit­men­schen und auch sich selbst ge­nau, und mit Hu­mor und Fein­ge­fühl ver­ar­bei­ten sie das in ih­ren Lie­dern. Skup­pin be­rich­te­te, dass er an­ge- sichts sei­nes Aus­se­hens – lan­ge Haa­re, dich­ter Bart – auch mal als „va­ter­lands­lo­ser Gsell“be­zeich­net wur­de. Ja, mit dem Be­griff Va­ter­land ha­be er so sei­ne Schwie­rig­kei­ten, aber ein „hei­mat­lo­ser Gsell‘“sei er nicht, mein­te er selbst­iro­nisch. Und dann sang er von „mei­nem ober­schwä­bi­schen Land“, aber auch dar­über, dass ei­nes Ta­ges der Tod vor der Tür ste­he und ihm dann gna­den­los den Löf­fel aus der Hand neh­me – aber „mei Seel‘ ka it ster­ba“, sang Skup­pin von der uns­terb­li­chen See­le. Sol­che Pas­sa­gen, in schwä­bi­schem Dia­lekt ge­sun­gen, gin­gen un­ter die Haut. Zeul ist ein wah­res Ener­gie­bün­del Ei­nen an­de­ren Ak­zent setz­te die 34jäh­ri­ge Jo­han­na Zeul, sie sang auf Hoch­deutsch. Kreis­ar­chi­var Ed­win We­ber hat­te die Künst­le­rin zu­vor mit ei­nem Zi­tat aus der Mu­sik­pres­se an­ge­kün­digt: Mit prä­gnan­tem Schau­spiel, ex­tre­men Kon­tras­ten und spru­deln­der Ener­gie tre­te Jo­han­na Zeul auf. Und ge­nau das passierte dann auch: Vol­ler Ener­gie hüpf­te die Künst­le­rin auf der Büh­ne, und mit lau­tem Gi­tar­ren­spiel und lau­tem Ge­sang stell­te sie sich vor. „Ja mein Na­me ist Jo­han­na Zeul!“Be­ein­dru- ckend war die Mi­mik und Ges­tik, mit der Zeul ih­ren Ge­sang und ihr Spiel un­ter­stütz­te. „Die Welt ist so groß und ich bin so klein“sang sie. „Bring mir bei, wie man den Wahn­sinn be­siegt.“

Und die Pro­vo­ka­ti­on scheu­te sie auch nicht, als sie Or­gas­mus-Ge­räu­sche imi­tier­te und ins Mi­kro­fon hauch­te: „Bring mich ins Bett…“Jo­han­na Zeul hat schon meh­re­re Prei­se ge­won­nen. 2012 nahm sie für das Bun­des­land Sach­sen-An­halt am „Bun­des­vi­si­on Song Con­test“teil. Sie ist die Toch­ter von Lie­der­ma­cher Tho­mas Fel­der und stammt aus dem Raum Reut­lin­gen.

Schwä­bisch ge­sun­gen wur­de wie­der beim Auf­tritt des Tri­os Quint-Es­senz. Die­ses be­steht aus Franz und Ste­fa­ny Wohl­fahrt und Ma­ri­ta Bodon. Mit Witz ver­ar­bei­te­ten sie den Drang nach Ju­gend­lich­keit, als sie fest­stell­ten, dass die Men­schen „mit 60 fal­ten­frei, mit 70 se­xy und mit 80 Ma­ra­thon­läu­fer“sein wol­len. Hu­mor­voll, aber auch bit­ter schmeck­te es, wenn sie den Dorf­klatsch ka­ri­kier­ten – im hei­mat­li­chen Dorf kann es auch mal ver­let­zend zu­ge­hen. Franz Wohl­fahrt rä­so­nier­te dar­über, dass es für „Lie­be“im Schwä­bi­schen kei­nen Be­griff ge­be. Die höchs­te schwä­bi­sche Lie­bes­be­zeu­gung, die ein Mann zu ei­ner Frau sa­ge, sei der Aus­spruch „S’geit Min­de­re“– auf Hoch­deutsch: „Es gibt Schlech­te­re“. Und so sang Wohl­fahrt in sei­nem er­grei­fen­den schwä­bi­schen Lie­bes­lied das Wort „Lie­be“hoch­deutsch aus. Er­grei­fend auch, wenn Wohl­fahrt da­von sang, wie heil­sam auch ein­mal das Al­lein­sein sein kann: „Doch auf mei­nem Platz, da bin ich al­lein. Da kann ich „schnaufa“, da bin ich da­heim.“

Die Ver­an­stal­tung im Ka­pi­tel­saal des Klos­ters war gut be­sucht, das Pu­bli­kum spar­te nicht mit Ap­plaus. So durf­ten Skup­pin, Zeul und das Trio Quint-Es­senz die Büh­ne erst nach Zu­ga­ben ver­las­sen. Für den Sonn­tag stand die Fort­set­zung des Fes­ti­vals an, mit Auf­trit­ten von Tho­mas Fel­der aus Reut­lin­gen und An­nett Kuhr aus Rott­weil im Sig­ma­rin­ger Hof­thea­ter.

Das dies­jäh­ri­ge Schwer­punkt­the­ma des Kreis­kul­tur­fo­rums ist Klein­kunst. Wie Ed­win We­ber an­kün­dig­te, wer­den im kom­men­den März im Klos­ter In­zig­kofen zum ei­nen ein Klein­kunst­preis und zum an­de­ren ein För­der­preis für das hoff­nungs­volls­te Nach­wuchs­ta­lent ver­lie­hen.

FOTO: CHRIS­TOPH KLA­WIT­TER

Ma­ri­ta Bodon (von links), Ste­fa­ny und Franz Wohl­fahrt er­zäh­len hu­mor­voll und hin­ter­sin­nig von der schwä­bi­schen Hei­mat.

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