Trau­er An­ge­la Mer­kel be­sucht Ger­m­anwings- Ge­denk­stät­te in Hal­tern

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­sucht Hal­tern und ge­denkt der Ger­m­anwings-Op­fer

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Chris­ti­an Schwerdtfeger

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HAL­TERN AM SEE - Sie­ben Mo­na­te nach dem Ab­sturz der Ger­m­anwings-Ma­schi­ne hat Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) am Di­ens­tag Schü­ler in Hal­tern am See be­sucht. Sie sprach mit ih­nen und An­ge­hö­ri­gen über die Ver­ar­bei­tung der Ka­ta­stro­phe, bei der zwei Leh­re­rin­nen und 16 Schü­ler des ört­li­chen Gym­na­si­ums star­ben.

Vie­le sind es nicht, die vor das Jo­seph-Kö­nig-Gym­na­si­um in Hal­tern ge­kom­men sind, um An­ge­la Mer­kel zu se­hen. An­ders als sonst, wenn die Bun­des­kanz­le­rin ir­gend­wo­hin kommt, wer­den nur we­ni­ge Han­dys ge­zückt. Nie­mand fragt nach ei­nem Sel­fie mit ihr. Statt­des­sen ap­plau­die­ren die Men­schen ver­hal­ten, als Mer­kel vor der Schul­ge von Bür­ger­meis­ter Bo­do Klim­pel und Schul­lei­ter Ul­rich Wes­sel emp­fan­gen wird.

Mer­kel war am Vor­mit­tag nach Hal­tern ge­kom­men, um ein Ver­spre­chen ein­zu­lö­sen. Das hat­te sie den Fa­mi­li­en der Op­fer nach dem Flug­zeug­ab­sturz bei ei­ner Trau­er­fei­er in Köln ge­ge­ben. Sie re­det mit Schü­lern und An­ge­hö­ri­gen im Gym­na­si­um, das um zwei Leh­re­rin­nen und 16 Schü­ler trau­ert. Die Kle­in­stadt am öst­li­chen Rand des Ruhr­ge­biets ist durch die Ka­ta­stro­phe am 24. März zum Sym­bol für Trau­er und Schock ge­wor­den.

Der Schul­lei­ter ist froh, dass Mer­kel ih­nen bei­steht. „Ihr Kom­men ist ein Zei­chen der An­teil­nah­me, das den Hin­ter­blie­be­nen zeigt, dass ih­re Kin­der nicht ver­ges­sen sind“, sagt Wes­sel.

Mer­kel legt an der Ge­denk­ta­fel auf dem Schul­hof ei­ne Blu­me nie­der und hält für ei­nen kur­zen Mo­ment in­ne. Spä­ter wird sie sa­gen, dass ihr in die­sem Au­gen­blick deut­lich ge­wor­den sei, mit wie viel Lie­be und Mit­ge­fühl die­se Schu­le mit dem schreck­li­chen Er­eig­nis um­ge­he und ver­su­che, da­mit fer­tig zu wer­den.

„Die Fra­ge nach dem War­um ei­nes sol­chen Un­glücks kann nie­mand be­ant­wor­ten“, sagt Mer­kel, als sie nach den ver­trau­li­chen Ge­sprä­chen auf dem Schul­hof zu al­len Schü­lern spricht. Sie sei ge­kom­men, weil sie „deut­lich ma­chen möch­te, dass ich an Sie den­ke, dass die Bun­des­re­gie­rung an Sie denkt, aber dass auch vie­le an­de­re Men­schen an Sie den­ken.“ Me­di­en­rum­mel stört vie­le Schü­ler Mit der Bun­des­kanz­le­rin ist noch ein­mal der bun­des­wei­te Me­dien­tross zu­rück­ge­kehrt. Die Schü­ler hof­fen, dass es das letz­te Mal ge­we­sen ist, dass sie von den Ka­me­ras und Fo­to­ob­jek­ti­ven be­drängt wer­den, die aber kei­nes­falls so in­ten­siv und auf- dring­lich auf die Ju­gend­li­chen ge­rich­tet sind wie in den Ta­gen nach dem Ab­sturz. Da­für sorgt schon die Po­li­zei, die das Gym­na­si­um ab­schirmt.

Es gibt vie­le Schü­ler, die es nicht so gut fin­den, dass die Kanz­le­rin sie­ben Mo­na­te nach dem Un­glück zu ih­nen in die Schu­le ge­kom­men ist. Das rei­ße die noch nicht ver­heil­ten Wun­den wie­der ganz von Neu­em auf, meint ei­ne Ober­stu­fen­schü­le­rin, die mit vie­len der To­ten be­freun­det ge­we­sen ist. Es sei­en be­son­ders die im­mer glei­chen Fra­gen nach Nor­ma­li­tät, die ihr und den an­dern Schü­lern ge­stellt wer­den und die sie ner­ven. „Nor­ma­li­tät?“, fragt die an­ge­hen­de Abitu­ri­en­tin, „Nor­ma­li­tät kann es nach so ei­nem schreck­li­chen Er­eig­nis für kei­nen von uns mehr ge­ben.“

„Nor­ma­li­tät kann es

nach so ei­nem schreck­li­chen Er­eig­nis für kei­nen von uns

mehr ge­ben.“

Ober­stu­fen­schü­le­rin aus Hal­tern

Zum Jah­res­tag an die Ab­sturz­stel­le Die­se Ein­schät­zung teilt Schul­lei­ter Ul­rich Wes­sel. Zwar herr­sche auf den Gän­gen sei­nes Gym­na­si­ums schein­bar Un­be­fan­gen­heit. Schaue man ge­nau­er hin, so stel­le man fest, dass das nur ei­ne ober­fläch­li­che Ge­las­sen­heit sei. „Be­son­ders bei den äl­te­ren Schü­lern, die die To­ten kann­ten, spü­re ich nach wie vor ei­ne tie­fe Trau­er“, sagt er. Aber es sind nicht nur sei­ne Schü­ler, die die Tra­gö­die noch nicht ver­ar­bei­tet ha­ben. Auch Wes­sel selbst lei­det. „Aber es geht hier nicht um mich, son­dern um die An­ge­hö­ri­gen“, sagt er, wenn man ihn auf sei­ne Ge­füh­le an­spricht. Zum Jah­res­tag des Ab­stur­zes will er mit ei­ni­gen Schü­lern zur Un­glücks­stel­le in die fran­zö­si­schen Al­pen flie­gen. Er hofft, dass das Un­fass­ba­re da­durch ein we­nig fass­ba­rer wird.

Um 13.30 Uhr steigt Mer­kel in ih­re Li­mou­si­ne. Mit ihr ver­schwin­den die Ka­me­ras und Über­tra­gungs­wa­gen. Die Schü­ler hof­fen, für im­mer.

FOTO: DPA

An­ge­la Mer­kel legt an der Sei­te von NRW-Kul­tus­mi­nis­te­rin Syl­via Löhr­mann (ver­deckt) Blu­men vor dem Gym­na­si­um in Hal­tern nie­der.

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